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Der Klimawandel hat die Sturzfluten verstärkt

Studie belegt: Starkregen an Ahr und Erft ist durch Treibhausgase stärker und wahrscheinlicher geworden

24.08.2021
5 Minuten
Vorn rechts steht ein Mann im geringelten Sweatshirt vor der Brücke, deren Fahrbahn abgesackt ist und auf der Bäume liegen. Der Mann schaut nach links in das verwüstete Flusstal der Ahr.

Im Juli 2021 verwüsteten entlang der Ahr und der Erft Wassermassen ganze Ortschaften und brachten etwa 180 Menschen den Tod. Schnell vermuteten viele, es sei nun nicht mehr die Frage, ob der Klimawandel die Katastrophe begünstigt hat, sondern nur noch in welchem Ausmaß. Diese lang-erwartete Analyse hat jetzt ein internationales Wissenschaftlerteam vorgelegt.

Als Bernd im Juli 2021 langsam über die Täler von Ahr und Erft zog, und die plötzlich angeschwollenen Flüsse Häuser eindrückten und Brücken wegrissen, da hat der Klimawandel alles noch schlimmer gemacht. In den Wolken des Tiefdruckgebiets mit dem Männernamen hing mehr Wasserdampf, als es ohne die Erderhitzung möglich gewesen wäre – er ging dann als Starkregen im Westen Deutschlands und angrenzenden Teilen Belgiens nieder. Auch dass dieses Wettergebiet sich überhaupt über dem Norden von Rheinland-Pfalz und dem Süden von Nordrhein-Westfalen entlud, ist durch die von der Menschheit ausgestoßenen Treibhausgase erkennbar wahrscheinlicher geworden.

Ein internationales Team von Wissenschaftler:innen, die zur Initiative World Weather Attribution (WWA) gehören, hat am heutigen Dienstag eine Analyse vorgelegt, um diesen Einfluss des Klimawandels zu beziffern. Demnach sind die Niederschläge am 14. Juli 2021 im Westen Deutschlands um drei bis neunzehn Prozent intensiver ausgefallen, als es in einer Welt ohne Erderhitzung passiert wäre. Die Flutkatastrophe ist durch den Klimawandel um einen Faktor von 1,2 bis 9 wahrscheinlicher geworden. Die Gefahr hat sich also um mindestens 20 Prozent und vermutlich noch viel mehr erhöht.

„Wir können keinen zentralen Schätzwert angeben, aber Ergebnisse in der Mitte sind deutlich wahrscheinlicher als an den Rändern des angegebenen Bereichs“, sagt Frank Kreienkamp vom Deutschen Wetterdienst, der als Erstautor in der Liste der 39 Forscher:innen aus neun Ländern steht. Kreienkamp selbst benutzte in einer Pressekonferenz als Beispiel den Faktor 5, um den die Flutkatastrophe wahrscheinlicher geworden sei. „Unter den heutigen klimatischen Bedingungen könnte sich ein solches Ereignis an einem Ort durchschnittlich alle 400 Jahre wiederholen. Das heißt, ohne Klimawandel wäre es nur alle 2000 Jahre vorgekommen.“

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Karte der Region an Ahr und Erft, in der mit einer Farbskala die Regenmengen in den 24 Stunden vor 8 Uhr am 15. Juli 2021 eingetragen sind. Laut Farbskala am Rand steht der violette Bereich für  150 bis 200 Millimeter Niederschläge.
In nur 24 Stunden fielen laut DWD bis zu 158 Millimeter Regen auf die Region an der Grenze zwischen Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen, die sich hier als schwarze Linie durch den violetten Bereich mit den stärksten Niederschlägen schlängelt.
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Christopher Schrader

Christopher Schrader

Christopher Schrader, einer der Gewinner des AAAS Kavli Prize for Science Journalism, war 15 Jahre Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung, bevor er sich 2015 mit den Themen Klimaforschung, Energietechnik, Umwelt, Physik und Geowissenschaften selbständig machte.


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