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Recycling-Dünger – Eine Lösung für den Ökolandbau?

Ein Feldversuch in Brandenburg testet verschiedene Ausbringungsmethoden für Struvit

von
16.04.2021
8 Minuten

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Phosphor ist ein essenzieller Rohstoff, mit dem wir haushalten müssen. Denn auch wenn Phosphor auf der Erde an sich nicht selten ist, so sind doch die nutzbaren Vorkommen auf wenige Länder konzentriert und in Europa sind wir fast vollständig von Exporten abhängig. Doch auch hierzulande gibt es Phosphat-Quellen, die sich nutzen lassen. Man hat sich bisher nur nicht recht um sie gekümmert. Eine davon ist Struvit.

Struvit ist ein Kristall, das sich unter bestimmten Umständen auf Kläranlagen bildet. Lange Zeit hat man es nur als lästiges Nebenprodukt betrachtet, weil die Kristallablagerungen Leitungen verstopfen und Ventile blockieren können. Doch inzwischen zeigt sich, dass Struvit, ein Magnesium-Ammonium-Phosphat, sehr gute Düngeeigenschaften hat. Pflanzen können es gut aufnehmen und es bleibt lange im Boden, ohne ausgewaschen zu werden. Und es kann regional gewonnen werden. Mit diesen Eigenschaften ist es besonders für Ökolandwirtïnnen interessant, von denen viele auf ihren Betrieben mit einem zunehmenden Phosphor-Defizit kämpfen. Und ohne Phosphor wächst auch im Ökolandbau nichts.

Doch mit der Erkenntnis, dass Struvit ein guter Dünger ist, ist es nicht getan. Es müssen auch die passenden Anbaumethoden und Ausbringtechniken getestet werden, damit der Recyclingdünger in gleichbleibender Qualität und Menge möglichst effizient genutzt werden kann.

Hierzu führt das Institut für Agrar- und Stadtökologische Projekte (IASP) seit einigen Jahren auf seiner landwirtschaftlichen Forschungsstation in Berge bei Nauen verschiedene Feldversuche durch. Das IASP ist Mitglied der Zuse-Gemeinschaft, ein Verbund von unabhängigen Forschungseinrichtungen, die sich auf den Transfer von wissenschaftlichen Ergebnissen in die Wirtschaft konzentrieren.

Im Spätsommer letzten Jahres sind wir den Wissenschaftlerïnnen des IASP zur wissenschaftlichen Kartoffelernte auf den Versuchsacker gefolgt. Unsere Videobeobachtungen finden sie hier:

Trotz seiner Vorteile ist Struvit bisher im Ökolandbau nicht zugelassen. Und in der aktuellen Entwicklungen im Zusammenhang mit der neuen Recyclingpflicht für Klärschlamm droht Struvit durch andere Verfahren wie der Klärschlammverbrennung abgehängt zu werden.

Ein weiteres Handicap für den potenziellen Recyclingdünger: veraltete Kriterien für die Zulassung als Düngemittel. Traditionell verlangt das Gesetz, dass sich ein Dünger gut in Wasser lösen muss. Für Struvit ergibt das aber biologisch keinen Sinn. Andreas Muskolus vom IASP erklärt die Hintergründe:

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Trotz dieser Schwierigkeiten ist die Zulassung von Struvit als Düngemittel für den konventionellen Anbau im kommenden Jahr wahrscheinlich. Und dann wird die Frage, wie man den Recyclingdünger gut unter die Pflanzen bringt, wichtiger denn je.

Das Rechercheprojekt Phosphorama wird durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt gefördert. Die DBU nimmt keinerlei Einfluss auf die Inhalte unserer Berichterstattung. Nähere Informationen finden Sie hier.

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Sibylle Grunze

Sibylle Grunze


Phosphorama

Ohne Phosphor können Sie nicht leben. Sie nicht, Tiere nicht, Pflanzen nicht - niemand auf der Erde, und nichts. Phosphor ist ein lebenswichtiger Rohstoff und anders als zum Beispiel Erdöl durch nichts zu ersetzen.

Phosphor ist kein seltenes Element. Trotzdem könnte er in einiger Zeit knapp werden. In großen Teilen der Welt ist er das schon.

Hierzulande ist Phosphor* bisher eher durch Überfluss aufgefallen als durch Knappheit, als Gewässerverschmutzer in Waschmittel oder Dünger, oder als Zusatzstoff im Essen.

Beide Szenarien, Mangel ebenso wie Überfluss, machen deutlich, wie wichtig ein nachhaltiges Phosphormanagement für unsere Zukunft ist. Denn Phosphor ist eine von allen begehrte, aber endliche Ressource. Unsere gesamte Lebensmittelversorgung ist von ihm abhängig. Und: Die Vorkommen an mineralischem Phosphor auf der Erde sind nicht nur begrenzt, sie sind auch sehr ungleichmäßig verteilt. Schon jetzt beherrschen wenige Staaten den Weltmarkt. Ihre Macht wird in den kommenden Jahren wachsen.

Die Prognosen darüber, wann die globalen Phosphatreserven aufgebraucht sein werden, schwanken stark. Nach anfänglichen Warnungen, dass sie schon in einigen Jahrzehnten zuneige gehen könnten, gehen die meisten Experten inzwischen davon aus, dass die Vorräte noch einige hundert Jahre reichen werden. Doch unabhängig davon, wann der letzte Krümel tatsächlich verbraucht sein wird, zeigen Überdüngung und tödliche Algenblüten, Konzentration und steigende Weltmarktpreise schon jetzt, dass es notwendig ist, den Phosphorkreislauf zu schließen.

Doch der Weg in die Kreislaufwirtschaft ist schwierig und es sind noch viele Fragen offen. Am Beispiel des Phosphors begleiten wir diesen Weg ein Jahr lang und schauen uns die Welt für Sie durch die "Phosphorbrille" an - von Gülle bis Goldstaub. Willkommen im Phosphorama!

Ihre Fragen und Kommentare sind herzlich willkommen. Auch Ihre Themenwünsche in Sachen Phosphor nehmen wir gerne auf und versuchen, ihnen gerecht zu werden. Schreiben Sie uns unter kontakt@phosphorama.de. Wir sind gespannt!


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* In seiner elementaren Form kommt Phosphor in der Natur praktisch nicht vor, sondern meist in seiner oxidierten Form als Phosphat. Umgangssprachlich werden die Begriffe oft synonym verwendet und so handhaben wir es auch in unseren Texten. In Zusammenhängen, in denen die Unterscheidung des chemischen Zustands relevant ist, werden wir entsprechend darauf hinweisen.

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