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UN-Stratege Steiner: „So, wie wir im Augenblick produzieren und konsumieren, führen wir uns an einen Abgrund.“

Zwischen den Gipfeln zu Natur- und Klimaschutz fordert UNDP-Chef Achim Steiner im RiffReporter-Interview einen Kraftakt, um Milliarden umweltfeindlicher Subventionen umzuwidmen

18.10.2021
10 Minuten
Steiner auf einem Podium der Vereinten Nationen

Ein Schicksalsjahr für Natur und Klima: In Kunming ist gerade der erste Teil des UN-Naturschutzgipfels COP15 zu Ende gegangen, der UN-Klimagipfel COP26 in Glasgow steht unmittelbar bevor. Beide Konferenzen gelten als wegweisend dafür, ob es gelingt, ein dauerhaft extremes Weltklima und eine epochale biologische Verarmung der Erde aufzuhalten.

Zu den wichtigsten Akteuren zählt Achim Steiner. Er ist seit 2017 Leiter des UN-Entwicklungsprogramms UNDP. Zuvor war er viele Jahre lang Chef des UN-Umweltprogramms UNEP. Wir sprachen mit ihm über seine Analyse der aktuellen Situation, den Handlungsbedarf für Regierungen und die Frage, ob es Grund zu Optimismus gibt.

***

In der Klimapolitik stehen die Namen der Gastgeberstädte zweier Gipfeltreffen für Scheitern oder Erfolg. In Kopenhagen versagte die Staatengemeinschaft 2009 beim Versuch, verbindliche Klimaziele zu setzen. In Frankreich gelang sechs Jahre später der Durchbruch mit dem Pariser Abkommen. Sind wir beim Biodiversitätsschutz auf der Reise nach Paris oder auf dem Weg nach Kopenhagen?

Ich glaube und hoffe, dass wir auf dem Weg nach Paris und nicht nach Kopenhagen sind. In den vergangenen zwei oder drei Jahren hat die Erkenntnis massiv an Fahrt gewonnen, dass die Bewahrung der Natur auch für die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung absolut zentral ist. Das gilt für eine breite Öffentlichkeit bei uns, aber ganz deutlich auch für die Entwicklungsländer. Und auch vom Kunming-Gipfel gibt es einige starke Signale dafür, dass die Staatengemeinschaft erkannt hat: Weiterer Verlust von Natur gefährdet es, dass wir wichtige internationaler Ziele erreichen, etwa für nachhaltige Entwicklung.

Welche Ergebnisse des Kunming-Gipfels sind für Sie in dieser Hinsicht besonders bemerkenswert?

Es hat eine Reihe wichtiger Initiativen gegeben. Dazu gehört die Kunming-Erklärung von mehr als 100 Staaten genauso wie die Ankündigung von Präsident Xi Jinping für das Gastgeberland China, sich auch finanziell mit einem neuen Fonds einzubringen oder das starke Auftreten der High Ambition Coalition, unter deren Schirm sich mittlerweile rund 70 Länder zu ehrgeizigen Zielen bekannt haben.

Es geht darum, dass Naturschutz nicht eine unter vielen Optionen ist, sondern als eine Pflicht betrachtet wird.

Wie beurteilen Sie die privaten Investments für den Naturschutz?

Den Beitrag der fünf Stiftungen, die sich mit fünf Milliarden Dollar als Financiers eingebracht haben, sollte man nicht unterschätzen. Das ist ein wichtiger Finanzierungsbeitrag, den man nutzen kann, um weitere öffentliche und privatwirtschaftliche Beiträge zu mobilisieren. Das sind Fortschritte, die aus der Sicht eines Naturschützers wie immer natürlich zu wenig und zu klein sind. Aber es sind weitaus größere Schritte als wir sie in den Jahren zuvor gegangen sind.

"Die Geschichte wird sich daran erinnern, dass hier eine neue Ära des Lebens in Harmonie mit der Natur geboren und eine neue globale Allianz zum Schutz des Lebens auf der Erde gegründet wurde“: Dieses Zitat stammt aus der Abschlusserklärung des Nagoya-Gipfels 2010, bei dem das Vorgängerabkommen des gegenwärtig verhandelten globalen Naturschutzrahmens beschlossen wurde. Keines der in Nagoya formulierten sogenannten Aichi-Ziele wurde aber erreicht. Wie kann verhindert werden, dass Kunming ein zweites Nagoya wird?

Alle am Kunming-Prozess Beteiligten erkennen an, dass wir mit den Aichi-Biodiversitätszielen nicht gut vorangekommen sind. Jetzt ist der Moment, in dem wir einsehen müssen, dass wir hier systemischer herangehen müssen. Wenn wir beispielsweise auf der einen Seite national über Naturschutzbudgets oder international über Einrichtungen wie die Global Environment Facility Gelder zur Verfügung stellen und auf der anderen Seite mit dem Zehn- bis Hundertfachen dieser Summen die Naturzerstörung fördern, dann müssen wir uns nicht wundern, dass wir in unseren Zielen nicht vorankommen. Dasselbe gilt, wenn wir Biodiversität mit unserem Konsumverhalten oder mit falscher Landnutzung zerstören.

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Was muss konkret unternommen werden, um die Ziele für die Natur erreichen zu können?

Zum Beispiel müssen wir den rechtlichen Rahmen stärken. Der steckt in vielen Ländern noch in den Kinderschuhen. Es geht darum, dass Naturschutz nicht eine unter vielen Optionen ist, sondern als eine Pflicht betrachtet wird. Damit etablieren wir auch eine Rechenschaftspflicht und letztlich, dass er auch einklagbar wird. Das hat dann sehr konkrete Folgen für die Tausendfachen Entscheidungen, die jeden Tag getroffen werden – ob ich hier etwas baue, ob ich dort etwas zerstöre. Wir müssen die Rechtsgrundlage in den einzelnen Ländern sehr schnell stärken, damit der Schutz der biologischen Vielfalt nicht nur eine Willensbekundung ist, sondern verbindlich.

Viele Entwicklungsländer investieren auch selbst große Summen in ihre Naturschutzgebiete und in die ökologische Renaturierung.

Was muss das neue globales Rahmenabkommen mindestens leisten, um den Anspruch „ehrgeizig“ gerecht zu werden und den Verlust von Arten und Ökosystemen bis 2030 aufzuhalten?

Ich bin weiterhin sehr besorgt darüber, dass wir uns immer noch sehr schwer tun, in einer Konsequenz zu handeln, die für den Erhalt von Natur, Artenvielfalt und unserer ökologischen Systemen notwendig wäre. Das bedeutet für den globalen Naturschutzrahmen, der aus Kunming herauskommt: Er muss zumindest der Welt in einer sehr deutlichen Art und Weise aufzeigen, was nötig ist. Auch wenn es schwierig sein wird, das kurzfristig zu erreichen. Wenn man die Zielsetzung schon soweit heruntersetzt, dass man der Welt die Botschaft sendet: Naturzerstörung ist Teil unserer Zukunft des 21. Jahrhunderts, dann wäre das ein enormer Rückschlag. Und diese Gefahr ist immer da.

Sie sprachen gerade das Problem der naturschädlichen Subventionen an. Das Bestreben, sie um 500 Milliarden Dollar pro Jahr zu reduzieren, ist eines der wichtigsten Ziele auch im Entwurf für das neue Rahmenabkommen. Sind Sie zuversichtlich, dass das gelingen kann?

Die Tatsache, dass wir riesige Summen in Landwirtschaft, Fischerei oder Energiewirtschaft einsetzen, die oft dazu führen, dass wir die Natur über Maßen nutzen und dass wir durch diese verzerrten ökonomischen Anreize die Naturzerstörung weiter beschleunigen, ist eines unserer größten Probleme. Hier ist ein finanzpolitisches und auch entwicklungspolitisches Umdenken unbedingt erforderlich.

Es gibt wenig Grund für Optimismus?

So groß das Problem ist, so haben wir aber auch die Chance, es kurzfristig anzugehen. Denn wir erleben inzwischen in vielen Ländern, dass die Regierungen – genau wie beim Klimawandel – stärker anerkennen, dass ihre Budgetentscheidungen Einfluss auf die Natur haben. Wir können hier Milliarden freisetzen, die dann direkt für die Natur genutzt werden können.

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Blick in den riesigen Konferenzsaal und die Leinwand, auf der die Videobotschaft von UNDP-Chef Achim Steiner zu sehen ist.
Beim High-Level-Segment der Biodiversitätskonferenz sprachen zahlreiche Staats- und Regierungschefs sowie führende Vertreter und Vertreterinnen internationaler Organisationen, hier Achim Steiner, Chef des UN-Entwicklungsprogramms UNDP

Das bringt uns zum Thema Geld. Bei allen Unterschieden sind sich die Staaten in einem einig: Ein weitreichendes Naturschutzabkommen wird es nur geben, wenn es gelingt, genug Geld für den Schutz der Natur vor allem in den artenreichen und gleichzeitig sehr armen Ländern des globalen Südens aufzubringen. Der Bedarf wird auf bis zu 800 Milliarden Dollar pro Jahr geschätzt. Ihre Einschätzung nach der Woche in Kunming: Kann das gelingen?

Wir müssen hier ehrlich sagen: Ohne Pandemie wäre es einfacher. Sie hat die Entwicklungsländer massiv zurückgeworfen. Die Armut wird größer, die Staatsverschuldung steigt – die Budgets stehen unter einem enormen Druck. Und die Pandemie ist ja noch nicht vorbei. Das Wirtschaftswachstum in den ärmsten Ländern liegt im Augenblick bei 0,5 Prozent, bei den reicheren dagegen bei 5 Prozent – zehnmal so viel.

Was bedeutet das in der Praxis?

Wir müssen anerkennen, dass wir vor einer enormen weltwirtschaftlichen Herausforderung stehen und deshalb hängt viel davon ab, ob die reicheren Länder bereit sind, noch mehr mitzuinvestieren. Aber es ist nicht so, als täten die Entwicklungsländer selbst nichts. In manchen Diskussionen wird der Eindruck erweckt, als zahlten die einen dafür, damit die anderen was machen. Das ist ein verzerrtes Bild. Viele Entwicklungsländer investieren auch selbst große Summen in ihre Naturschutzgebiete und in die ökologische Renaturierung. Das ist eine Partnerschaft.

Wo muss das Geld herkommen?

Wir müssen schauen, dass die Konvention auf der internationalen Ebene erst einmal durch Institutionen wie die Global Environment Facility mehr Mittel bekommt. Dann gilt es, zu versuchen, einen Nutzen auch für die Biodiversität aus Mitteln zu erreichen, die beispielsweise zur Bewältigung der Klimakrise mobilisiert wurden – als Investitionen in die ökologische Infrastruktur unseres Planeten.

Wer ist in der Verantwortung?

Natürlich ist es auch wichtig, dass die einzelnen Regierungen nach Kunming mit einem starken Signal vorangehen. Deshalb ist auch die Ankündigung Chinas, einen mit rund 200 Millionen Euro ausgestatteten Fonds aufzulegen, ein wichtiges Signal. Und schließlich muss die Wirtschaft mit an Bord: die Märkte, der Finanzsektor, die Unternehmen, vor allem solche, die mit ihren Landnutzungsentscheidungen maßgeblich dazu beitragen, dass Natur zerstört oder erhalten wird, oder sogar wieder in einen besseren Zustand gebracht wird. All diese Elemente müssen wir auf dem Radar haben, denn ohne sie kommen wir nicht voran.

Auf nationaler Ebene fordern beispielsweise in Deutschland Naturschutzverbände, dass eine neue Bundesregierung die Mittel von derzeit rund 800 Millionen Euro im Jahr auf zwei Milliarden oder sogar noch mehr aufstockt. Muss Deutschland mehr tun?

Das Engagement Deutschlands über die verschiedenen Bundesregierungen hinweg spielt eine enorme Rolle. Deutschland ist im Bereich der internationalen Zusammenarbeit und auch gerade, was nachhaltige Entwicklung, was Naturschutz angeht, ein in vieler Hinsicht sehr geschätzter Partner. Auch für uns als UNDP ist Deutschland ein sehr wichtiger Investor.

Gerade rufen Staaten und Staatenbündnisse riesige Summen auf, um ihre Volkswirtschaften nach der Corona-Pandemie wieder zu beleben. Leisten diese „Erholungspakete“ die gewünschten Beiträge für eine Transformation?

Dass wir hier über dreistellige Milliardensummen an zusätzlichen Investitionen mit dem Vorzeichen „Green Deal“ sprechen, ist erst einmal ein enormer Schritt vorwärts. Diese Mittel gehen nicht nur in Windkraft und Solaranlagen, da ist auch ein beträchtlicher Teil, der für die ökologische Erneuerung investiert werden kann. Hier muss die Öffentlichkeit aber genau aufpassen. Es ist einfach, wieder in die Welt vor der Pandemie zurückzufallen und wir sehen die ersten Signale dafür mit großer Sorge. Die Öffentlichkeit muss sich sehr aktiv mit dieser Frage befassen: Leisten unsere Regierungen das, was sie uns versprochen haben?

So, wie wir im Augenblick produzieren und konsumieren, führen wir uns an einen Abgrund.

Bald beginnt der Klimagipfel in Glasgow und der gemeinsame Kampf gegen Klimawandel und Naturverlust wird unter dem Stichwort Nature-based Solutions (NBS) eine wichtige Rolle spielen. Auch Sie erwähnten die Verknüpfung von Klima- und Naturschutz. Ist es eine gute Idee, Quoten festzulegen, wieviel aus den Klimamitteln für Biodiversitätsschutz eingesetzt werden müssen, wie es etwa Frankreichs Präsident Emmanuel Macron mit der Ankündigung tut, 30 Prozent der Klimafinanzierung in NBS zu stecken?

Die Richtung stimmt jedenfalls. Ob die Zahl 30 Prozent auf jedes Land übertragbar ist, sei dahingestellt. Die Umstände in jedem Land werden sich unterscheiden, aber im Prinzip ist es richtig, solche Ziele klar zu artikulieren. Nur so erreichen wir, dass schon bei der Planung und der Nutzung dieser Mittel Biodiversität quasi in die DNA dieser Mittelverwendung eingewoben wird. Aber dabei sollten wir nicht stehen bleiben. Aber die Verknüpfung sollte nicht nur zwischen Biodiversität und Klima stattfinden.

Kleine Pflanzen und Samen hängen in Glasfläschchen in einer Kunst-Installation.
Eine Ausstellung am Rande des Gipfels zeigt, worum es geht: die Bewahrung einer breiten Palette von Tieren und Pflanzen.

Wo können noch Vorteile aus Synergien erzielt werden?

Mein Appell ist, dass wir nicht nur Klima und Biodiversität miteinander verknüpfen, sondern die Gesundheit von Menschen, die Verringerung von Armut, die Schaffung von Arbeitsplätzen. Wir müssen die Investitionen viel intelligenter so planen, dass wir letztlich mehrfach Vorteile daraus zielen. Nur so ist diese enorme Investition in die volkswirtschaftliche Neuausrichtung hin zu Ökologie und Nachhaltigkeit überhaupt zu finanzieren.

Geht es also um wirtschaftlichen Nutzen durch den Schutz von Biodiversität?

Genau das ist im Kern der Entwicklungsauftrag, den wir als UNDP aus den Zielen für eine nachhaltige Entwicklung haben und weshalb wir uns so intensiv mit Biodiversität befassen und in die Bereiche Naturschutz und Sanierung von Ökosystemen investieren. Wir tun das, weil wir der Überzeugung sind, dass es in vielen der Entwicklungsländern dabei hilft, auch mit nationalen Entwicklungsziele zu erreichen – denn viele dieser Volkswirtschaften sind direkt abhängig von einem intakten ökologischen System, etwa mit Blick auf den Tourismus.

Wenn wir in unseren ökonomischen Analysen der Natur weiterhin den Wert Null zuschreiben, müssen wir uns nicht wundern, wenn die Wirtschaft den Verlust von Natur letztlich als einen irrelevanten Faktor betrachtet.

Die Wahrnehmung der Biodiversitätskrise steht immer noch im Schatten der Klimakrise. Gleichwohl gibt es aber eine viel größere Aufmerksamkeit dafür als noch vor wenigen Jahren. Stehen die Chancen, dass wir die Wende doch noch schaffen derzeit so gut wie nie zuvor?

Ich würde es vielleicht nicht als eine „Chance wie nie zuvor“ beschreiben. Eher gibt es einen Handlungsbedarf wie nie zuvor. Wir stehen im Grunde an einem Punkt, wo wir heute genau absehen können, dass wir die Natur bei einem Weiter-so nicht nur in einer Art und Weise zerstören wie wir es seit hundert, vielleicht tausend Jahren machen. Vielmehr sind wir in einer exponentiellen Kurve.

Was meinen Sie damit?

Wir sind mehr Menschen, unser Konsumverhalten, unser Produktions- und das ganze volkswirtschaftliche System führt letztlich zu immer mehr Naturzerstörung. Das ist nicht unweigerlich so, das ist nicht unabwendbar. Aber so, wie wir im Augenblick produzieren und konsumieren, führen wir uns an einen Abgrund. Daher ist der Handlungsbedarf einer wie noch nie zuvor.

Sie plädieren seit langem dafür, den ökonomischen Wert von Natur stärker in die volkswirtschaftlichen Rechnungen einzubeziehen. Andererseits haben Sie in Ihrer Rede in Kunming die Formulierung gefunden. „Am Ende wird der Natur ihr wahrer Preis zugebilligt werden: Unbezahlbar“. Wie geht beides zusammen?

Ich habe die letzten 15 Jahre damit verbracht, zu versuchen, der Ökologie auch ein ökonomisches Verständnis zur Seite zu stellen. Oft führt das zu Diskussionen, die ich nicht für sehr nützlich halte, nämlich der Frage: Kann man der Natur überhaupt einen Preis geben. Nein! Deshalb habe ich betont, Natur ist unbezahlbar. Man kann den Verlust einer Art nicht mit einem Preis bewerten, darum geht es nicht.

Worum dann?

Die ökonomische Bedeutung von Natur darzustellen – in der sehr begrenzten Form wie es Ökonomie kann – ist eine Voraussetzung dafür, dass wir auch in unserem Finanzsystem, in unseren Märkten und in unserer volkswirtschaftlichen Politik andere Vorzeichen setzen. Daher bleibe ich bei meinem Fazit: Natur ist unbezahlbar, aber sie bringt uns täglich in unserem Überleben, in unseren Arbeitsplätzen in unseren Volkswirtschaften enormen wirtschaftlichen Wert. Und diesen besser zu verstehen, ist Voraussetzung dafür, dass wir Natur nicht weiter zerstören.

Sonst?

Wenn wir in unseren ökonomischen Analysen der Natur weiterhin den Wert Null zuschreiben, müssen wir uns nicht wundern, wenn die Wirtschaft den Verlust von Natur letztlich als einen irrelevanten Faktor betrachtet. Darum geht es.

In Deutschland haben sich SPD, Grüne und FDP gerade auf Koalitionsverhandlungen verständigt. Haben Sie einen Wunsch an die wahrscheinlich neuen Regierungspartner?

Dass sie weiterhin so konstruktiv aus dieser nicht einfachen Situation heraus eine Koalition bilden, in der das Zukunftsbild Deutschlands widergespiegelt wird: Ökologische Transformation, Modernisierung und die Bereitschaft, Verantwortung international zu übernehmen. Natürlich wünsche ich mir als Leiter des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen von dieser Koalition weiterhin und auch in vielen neuen Bereichen ein Engagement dort, wo Deutschland ein wichtiger Partner für die Welt und vor allem für Entwicklungsländer sein kann. Nicht zuletzt für den afrikanischen Kontinent.

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Thomas Krumenacker

Thomas Krumenacker

Thomas Krumenacker ist Journalist und Naturfotograf in Berlin. Neben den RiffReportern schreibt er für überregionale Zeitungen und Fachjournale über Wissenschaftsthemen.


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