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Panzer im Vorgarten

Kaum ein Tag vergeht ohne einen kritischen Bericht über die USA. Aber war früher wirklich alles besser?

04.02.2021
15 Minuten
Panzer am Straßenrand mit der Aufschrift „Support our Troops“.

Dieser Artikel widmet sich der Frage: „War früher alles besser?“ Darin stellt USA-Reporter Steve Przybilla seinen Reisebericht aus dem Jahr 2003 vor.

Die USA, das „verheißene Land“, wie es Ex-Präsident Barack Obama in seiner Autobiografie nennt, gibt momentan ein eher trauriges Bild ab. Politisch zerstritten, bis an die Zähne bewaffnet, geplagt von Hunderttausenden Corona-Toten.

Auf der anderen Seite scheint mit Joe Biden und Kamala Harris ein neuer Aufbruch möglich, ein dringend benötigter Optimismus in einem Land, das schon oft totgesagt wurde und doch immer wieder auferstanden ist.

War früher wirklich alles besser? Diese Frage stelle ich mir als USA-Reporter immer wieder selbst. Um sie beantworten – oder zumindest besser einordnen – zu können, lohnt sich womöglich ein Blick zurück. Deshalb veröffentliche ich hier die Aufzeichnungen zu meiner ersten USA-Reise, entstanden im Jahr 2003. Der Text bietet einen sehr persönlichen, subjektiven und manchmal etwas überspitzten Blick auf das „Land der unbegrenzten Hinrichtungsmöglichkeiten“, wie ich es damals nannte. Den Namen meiner Gastfamilie habe ich geändert.

„Amerika ist wunderschön, wenn nur die Amerikaner nicht wären“, behauptet der Mann im Reisebüro.

Es begann mit einem Besuch im Reisebüro. „Amerika ist wunderschön—wenn nur die Amerikaner nicht wären“, frohlockte der Reiseverkehrskaufmann. Damals, kurz vor dem Abitur, wusste ich nicht, ob ich mich über diesen Satz freuen oder ärgern sollte. Ich habe Verwandte in den USA und wollte diese endlich einmal besuchen. New Jersey! Eine andere Welt! Was war ich aufgeregt! Neugier und Interesse überboten sich gegenseitig.

Doch – sagen wir mal so – von der Weltmacht jenseits des Atlantiks hatte ich bis dato nicht viel Gutes gehört. Die Terroranschläge aufs World Trade Center waren gerade einmal zwei Jahre her. Es war die Zeit der Irak- und Afghanistan-Kriege, die Zeit von Guantanamo, Waterboarding und Abu Ghraib. Stupid White Men stand in jedem Bücherregal, und auch ich hatte es verschlungen wie George W. Bush ein texanisches Steak.

Ganz ehrlich: So richtig wohl fühlte ich mich nicht in meiner Haut, als ich zum ersten Mal in Philadelphia landete.

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Ein Van parkt neben einem Sportplatz.
Der Van der Familie Croft.
Ein Frühstückstisch mit Toast, Nutella und Marmelade.
Toast, Nutella und Marmelade aus der Flasche: Immer noch besser als Bacon.
Eine Familie beim Essen in der Pizzeria.
Zu Besuch bei Familie Croft. USA-Reporter Steve Przybilla (Mitte rechts) reiste 2003 zum ersten Mal in die USA.

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Ein Mann füllt Brei in eine Schale.
Mr. Croft beim „Kochen“. Mikrowellen-Essen mag er, Friedensaktivistïnnen nicht.
Eine Frau trägt einen Pullover mit Stars and Stripes.
Auch Mrs. Cronin zeigt ihren Patriotismus, wenn sie ihren Sohn vom Schulbus abholt.
Nahaufnahme zweier Landkarten
Sommer 2003: Mr. Croft und ich suchen Afghanistan und den Irak auf der Landkarte.
Ein Verkaufsstand für Pommes, die auf einem Schild als „Freedom Fries“ angepriesen werden.
An diesem Verkaufsstand in Atlantic City werden „Freedom Fries“ verkauft.
Zwei Frauen entladen den Inhalt eines Einkaufswagens in einen Kofferraum.
Eine Plastiktüte geht noch
Eine junge Frau schaut aus einer Umkleidekabine hervor.
Einkaufen macht Spaß. Besonders, wenn der Freund das Portmonee zückt.
Drei Jugendliche posieren vor einer Achterbahn
Erst kommt der Metalldetektor, dann die „Scream Machine“.
Blick von der Zuschauertribüne auf eine Baseballspiel.
Die „Lakewood Blue Claws“ legen los. Jetzt müsste ich nur noch die Regeln kennen.
Nahaufnahme einer Hand mit Eintrittskarten für ein Baseballspiel.
Lange währt das Spiel leider nicht: „Rain Delay“.
Eine Familie geht auf ein Baseballstadion zu.
Auto abstellen, Essen kaufen, Nationalhymne singen: Ein Baseball-Abend verläuft nach einem festen Muster.
Ein Junge geht am Rande einer Straße in einem Wohngebiet.
Ausnahmsweise mal keine Fähnchen: Bei Steves erstem USA-Besuch im Jahre 2003 schwelgte das Land im Patriotismus.
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Steve Przybilla

Steve Przybilla

Steve Przybilla (Jg. 1985) ist freier Journalist. Zu seinen Schwerpunkten gehören USA-Reportagen sowie Mobilitäts- und Datenschutz-Themen. Seine Texte erscheinen u.a. in der Süddeutschen Zeitung, der NZZ und bei FAZ Quarterly.


USA-Reporter

"Amerika ist wunderschön -- wenn nur die Amerikaner nicht wären." Als Steve Przybilla seinen ersten USA-Flug buchte, fasste ein Reisebüro-Mitarbeiter das Land mit genau diesem Satz zusammen.

Das Erlebnis ist lange her, das Reisebüro längst geschlossen. Was geblieben ist, ist Steves unstillbare Neugier auf dieses verrückte, unbekannte, uns Europäern oft fremde und gerade deswegen so faszinierende Land. Seit 15 Jahren bereist Steve für verschiedene Medien (u.a Süddeutsche Zeitung, Neue Zürcher Zeitung, Spiegel online) als Reporter die USA.

In seinem Online-Magazin nimmt Sie Steve mit auf seine Recherchen. In unregelmäßigen Abständen erscheinen hier Reportagen, die eine Perspektive jenseits der üblichen Klischees bieten. Wir entdecken Amerika, indem wir Washington hinter uns lassen. Indem wir Kifferïnnen interviewen, Separatistïnnen besuchen, einem Botox-Doktor aufs Skalpell schauen und "Black Lives Matter"-Aktivistïnnen auch dann noch begleiten, wenn ihre Demo längst vorbei ist. Waffenrecht, Todesstrafe und Abtreibungsstreit? Auch das ist Amerika. Aber eben nicht nur.

Durch dieses Eintauchen ins pralle Leben entsteht ein mehrdimensionaler und trotzdem kritischer Blick auf ein Land, das sich ständig wandelt. Und Sie sind dabei.

Willkommen im Magazin für USA-Reportagen. Welcome to USA Reporter!

Verantwortlich im Sinne des Presserechts

Steve Przybilla

Stühlingerstraße 24
79106 Freiburg

www: https://freischreiber.de/profiles/steve-przybilla/

E-Mail: steve.przybilla@posteo.de

Weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Lektorat: Ramona Seitz
Fotografie: Steve Przybilla