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  3. US-Politik: Obama spricht Klartext

Obama is back

Was der Ex-Präsident in seiner Autobiografie schreibt, sagt viel über die aktuelle US-Regierung aus.

von
17.02.2021
5 Minuten
Zwei Männer im Anzug sitzen auf der Rückbank eines Autos

Auf dem College liest er Marx und Marcuse, um die Mädels zu beeindrucken. Wenn die Arbeit stressig wird, raucht er heimlich eine Zigarette. Vor TV-Debatten hört er Eminem und stärkt sich mit Kartoffelbrei, Brokkoli und Steak.

Die Rede ist von Barack Obama, dessen Autobiografie „Ein verheißenes Land“ seit Wochen die Bestsellerlisten dominiert. Wer den über tausend Seiten starken Wälzer liest, lernt schnell, dass der einst mächtigste Mann der Welt auch nur ein Mensch ist.

Vermeintliche Hoffnungsträgerïnnen haben es schließlich besonders schwer, weil die an sie gestellten Erwartungen dementsprechend hoch sind. Da wirkt es erfrischend, mit welcher Offenheit und Selbstkritik Obama an sich und seine Präsidentschaft herangeht.

Banales trifft auf Politik

Es menschelt gewaltig im „verheißenen Land“. Wir lernen, dass Obama mit dem Slogan „Yes we can“ zunächst überhaupt nichts anfangen konnte. Dass seine Frau ihm empfiehlt, sich die Ohren anlegen zu lassen, damit er im Zoo nicht erkannt wird. Und dass er sich für unwürdig hielt, den Friedensnobelpreis entgegenzunehmen, während gleichzeitig in Afghanistan ein blutiger Krieg tobte.

So trifft Banales auf Politik – ein Leitmotiv, das sich durch das gesamte Buch zieht und es keineswegs mindert, sondern gerade deshalb lesenswert macht. Es tut gut zu erfahren, dass Barack Obama, der von vielen in Deutschland als Held, mindestens aber als Vorbild wahrgenommen wurde, sich selbst oft in einem anderen Licht betrachtet.

Ein Mann, der sich fortwährend fragt, ob er all die Erwartungen, die er geweckt hat, auch wirklich erfüllen kann.

Ein Mann hält eine Rede vor einer jubelnden Menschenmenge.
Präsident Barack Obama hält seine Antrittsrede im Kapitol, 20. Januar 2009.

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Ein Mann und ein Hund rennen einen Gang entlang.
Präsident Barack Obama läuft mit dem Familienhund Bo durch den östlichen Säulengang des Weißen Hauses, 15. März 2009
Ein Mann und eine Frau umarmen sich.
Präsident Barack Obama umarmt die First Lady Michelle Obama im Red Room des Weißen Hauses; ebenfalls anwesend ist seine Beraterin Valerie Jarrett, 20. März 2009
Ein Mann in Lederjacke begrüßt eine uniformierte Soldatin mit einem „Fist Bump“.
Präsident Barack Obama begrüßt US-Soldaten in der Kantine der Bagram Air Base in Afghanistan, 28. März 2010.
Mehrere Personen sitzen an einem Konferenztisch.
Präsident Barack Obama und Vizepräsident Joe Biden werden gemeinsam mit Mitgliedern des nationalen Sicherheitsteams im Situation Room des Weißen Hauses über den neuesten Stand der Operation gegen Osama bin Laden unterrichtet, 1. Mai 2011. Sitzend, v.l.: Brigadegeneral Marshall B. Webb, stellv. kommandierender General des JSOC, stellv. Nationaler Sicherheitsberater Denis McDonough, Außenministerin Hillary Rodham Clinton und Verteidigungsminister Robert Gates. Stehend, v.l.: Admiral Mike Mullen, Vorsitzender der Vereinigten Stabschefs, Nationaler Sicherheitsberater Tom Donilon, Stabschef Bill Daley, Tony Blinken, Nationaler Sicherheitsberater des Vizepräsidenten, Audrey Tomason, Direktorin für Terrorismusbekämpfung, John Brennan, Assistent des Präsidenten für innere Sicherheit und Terrorismusbekämpfung, und (außerhalb des Bildes) der Direktor der Nationalen Nachrichtendienste, James R. Clapper
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Steve Przybilla

Steve Przybilla

Steve Przybilla (Jg. 1985) ist freier Journalist. Zu seinen Schwerpunkten gehören USA-Reportagen sowie Mobilitäts- und Datenschutz-Themen. Seine Texte erscheinen u.a. in der Süddeutschen Zeitung, der NZZ und bei FAZ Quarterly.


USA-Reporter

"Amerika ist wunderschön -- wenn nur die Amerikaner nicht wären." Als Steve Przybilla seinen ersten USA-Flug buchte, fasste ein Reisebüro-Mitarbeiter das Land mit genau diesem Satz zusammen.

Das Erlebnis ist lange her, das Reisebüro längst geschlossen. Was geblieben ist, ist Steves unstillbare Neugier auf dieses verrückte, unbekannte, uns Europäern oft fremde und gerade deswegen so faszinierende Land. Seit 15 Jahren bereist Steve für verschiedene Medien (u.a Süddeutsche Zeitung, Neue Zürcher Zeitung, Spiegel online) als Reporter die USA.

In seinem Online-Magazin nimmt Sie Steve mit auf seine Recherchen. In unregelmäßigen Abständen erscheinen hier Reportagen, die eine Perspektive jenseits der üblichen Klischees bieten. Wir entdecken Amerika, indem wir Washington hinter uns lassen. Indem wir Kifferïnnen interviewen, Separatistïnnen besuchen, einem Botox-Doktor aufs Skalpell schauen und "Black Lives Matter"-Aktivistïnnen auch dann noch begleiten, wenn ihre Demo längst vorbei ist. Waffenrecht, Todesstrafe und Abtreibungsstreit? Auch das ist Amerika. Aber eben nicht nur.

Durch dieses Eintauchen ins pralle Leben entsteht ein mehrdimensionaler und trotzdem kritischer Blick auf ein Land, das sich ständig wandelt. Und Sie sind dabei.

Willkommen im Magazin für USA-Reportagen. Welcome to USA Reporter!

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