Prozess gegen russischen Soldaten: Der junge Mann im Glaskäfig zeigt Reue

Zum Auftakt des Verfahrens wegen der Tötung eines Zivilisten bemüht sich die Ukraine um den Eindruck von Fairness. Die nach Russland gebrachten Soldaten aus dem Asowstalwerk können damit nicht rechnen

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Ein abgesperrter Raum aus Glas im Gerichtssaal, darin der Angeklagte. Ein Polizist und eine Frau stehen daneben.

Die Witwe Jekaterina Schelipowa ist gefasst, vielleicht tut ihr der junge Soldat gar leid. Am Mittwoch hatte er berichtet, er sei der russischen Armee beigetreten, um seine Mutter finanziell unterstützen zu können. Dass er in der Ukraine kämpfen soll, wusste er angeblich nicht, als seine Panzerkolonne am 24. Februar im Gebiet Sumy einmarschierte. Die Essensration hätte für drei Tage gereicht, berichtet Schischimarin. Am vierten Tag gerieten sie in einem Hinterhalt der Ukrainer und verloren ihren Panzer. Mit fünf Kameraden beschlagnahmte der junge Panzerkommandant aus Sibirien einen VW und sie fuhren damit Richtung Russland, als sie im Dorf Tschapachiwka einen Radfahrer trafen, der am Handy telefonierte.

Sie seien überzeugt gewesen, dass der Radfahrer sie an die ukrainische Armee verrate, sagt Schischimarin vor Gericht. Der Fahrer, ein gewisser Makejew, und der Beifahrer hätten ihm befohlen, den Zivilisten zu erschießen. Das habe er gemacht, sagt der 21-Jährige mit gesenktem Kopf.

Landkarte mit der Ortschaft Sumy östlich von Kiew nahe der russischen Grenze
Der Angeklagte sagt, dass er zurück nach Russland fahren wollte. In Sumy tötete er den Mann auf dem Fahrrad.

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