1. RiffReporter /
  2. Gesellschaft /
  3. Wer will ein Designerbaby?

Zukunftsreporter unterwegs – wer will ein Designerbaby?

Bericht von einer Zeitreise beim Sommer des Wissens

von
05.07.2019
5 Minuten
Ein junger Mann stellt im Zelt beim Sommer des Wissens eine Frage zu Crisprbabys.

Journalisten sollten die eigene Arbeit nicht in den Mittelpunkt ihrer Texte stellen. Wir Zukunftsreporter wollen das heute dennoch tun, denn zu unserem Konzept gehört nicht nur das Recherchieren und Schreiben von Artikeln. Wir wollen neue Methoden entwickeln, um unser Publikum zu Debatten über die Zukunft anzuregen. Sechs Veranstaltungen haben wir dazu in diesem Jahr geplant. Die Körber-Stiftung hat uns in Hamburg im Rahmen ihres Programms „Technik braucht Gesellschaft“ die erste Gelegenheit dazu gegeben. Die Zukunftsreporter waren Gast beim „Sommer des Wissens", einer Veranstaltung anlässlich des 100. Geburtstags der Universität. In unserem Beitrag ging es um den Eingriff in die menschliche Keimbahn, um die Möglichkeiten das Erbgut in Ei- und Samenzellen zu verändern, damit Eltern „gesunde“ oder „verbesserte“ Kinder bekommen können. Zum Thema Designerbaby ist schon viel geschrieben und gelesen worden, aber eine Debatte vor Ort löst doch mehr Emotionen aus. Das kühle Gerüst der wissenschaftlichen Möglichkeiten soll sich mit dem persönlichen Empfinden vermischen.

Der Weg zum optimierten Baby

Wir haben deshalb im Vortragszelt auf dem Hamburger Rathausmarkt eine Zeitreise unternommen und zwei sehr gegensätzliche Vorschläge präsentiert. Am Vormittag mit zwei Schülergruppen, am Nachmittag mit Erwachsenen. Plan A folgt der Idee von optimierten Babys mit all ihren Konsequenzen. Ein Vertreter der fiktiven Firma „Messias“ empfiehlt jungen Frauen und Männern, sich im Alter von 20 Jahren Eizellen und Sperma entnehmen zu lassen. So bekommen die Wissenschaftler genug Zeit für eine umfassende Analyse des Erbguts. Daraus entwickeln sie einen detaillierten Plan für Änderungen in der DNA, den sie in Abstimmung mit den zukünftigen Müttern und Vätern umsetzen, bis diese den passenden Partner für den Kinderwunsch gefunden haben. „Messias“ ist übrigens eine Abkürzung und steht für menschlich, einfach, sicher, selbstbewusst, individuell, angepasst und Schwangerschaft.

Empfohlener Redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie externen Inhalt von [YouTube], der den Artikel ergänzt. Sie können sich externe Inhalte mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.

Wir können leider nicht beeinflussen, welche Cookies durch Inhalte Dritter gesetzt werden und welche Daten von Ihnen erfasst werden.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Kostenfreier Newsletter: Die Zukunftsreporter

Tragen Sie sich hier ein – und erhalten Sie Infos zu den neuesten Beiträgen der Zukunftsreporter sowie zum Projekt.

Keine Untersuchungen während der Schwangerschaft

Dagegen hat sich Plan B als Alternative von der Kontrolle der Embryos verabschiedet. Ein Sprecher der ebenso fiktiven Bürgerinitiative „Demut“ berichtet mit Stolz, dass wesentlich mehr Eltern auf entsprechende Voruntersuchungen verzichten und Kinder so akzeptieren wollen, wie sie geboren werden. Das sei auch gut so, weil die Orientierung am Leistungsprinzip das gesellschaftliche Klima vergifte. Ein außergewöhnlich talentierter Skispringer, der sich im Jahr 2031 nach einem Unfall das Leben nimmt, weil er befürchtet, nicht mehr in der Weltspitze mithalten zu können, dient dem Elternvertreter als abschreckendes Beispiel.

Zwei Umfragen vor und nach der Diskussion sollen einen ersten Eindruck geben, ob die Debatte das Meinungsbild verändert. Natürlich ist das Ergebnis nicht mehr als ein Stimmungsbarometer, aber ein paar Details sind schon interessant. Mehr als 80 Prozent der Teilnehmer bewerteten den Einfluss der Gene auf die Gesundheit als groß oder sehr groß. Keiner schätzte ihn als gering oder sehr gering ein. In beiden Gruppen wuchs die Ablehnung einer Gen-Veränderung an Embryos, anfänglich waren immerhin zwischen 20 und 40 Prozent der Teilnehmer dazu bereit. Die Debatte zeigt, wie wichtig es ist, dass wir über solche Themen sprechen, Argumente austauschen, diskutieren. Die Zukunftsreporter werden das noch häufig tun.

Wissenschaftlicher Hintergrund

Zum Thema gentechnische Veränderung der eigenen Kinder haben die Zukunftsreporter und ihre Kollegen bereits einige Szenarien geschrieben und Konferenzen besucht.

Empfohlener Redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie externen Inhalt von [Riffreporter], der den Artikel ergänzt. Sie können sich externe Inhalte mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.

Wir können leider nicht beeinflussen, welche Cookies durch Inhalte Dritter gesetzt werden und welche Daten von Ihnen erfasst werden.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Unterstützen Sie „die ZukunftsReporter“ mit einem Betrag Ihrer Wahl. Sie unterstützen so gezielt weitere Recherchen.
Rainer Kurlemann

Rainer Kurlemann

Rainer Kurlemann ist promovierter Chemiker und arbeitet seit mehr als 30 Jahren als Journalist. Er schreibt nicht nur über Wissenschaft, sondern sucht als Moderator auch den Dialog mit Menschen und Innovationen für die Diskussion über Wissenschaft. „Der Geranienmann“ ist sein erster Wissenschaftskrimi, weitere Bücher werden folgen.


die ZukunftsReporter

Unsere Zukunft beginnt nicht irgendwann, sondern schon heute. Wenn wir sie gestalten wollen, müssen wir unsere Optionen diskutieren. Die ZukunftsReporter zeigen auf, welche Herausforderungen auf uns warten, und sprechen mit Menschen, die dafür Lösungen entwickeln. Wir schreiben keine Science Fiction, sondern alltagsnahe, wissenschaftlich fundierte Zukunftsszenarien. Wir rechnen nicht damit, dass uns technische Erfindungen retten werden, und setzen uns für einen differenzierten Umgang mit Innovationen ein.

Die ZukunftsReporter laden auch zu öffentliche Debatten ein, denn uns interessiert die Meinung der Menschen. Wir sind überzeugt, dass wir die Zukunft gemeinsam gestalten können, wenn wir ehrlich über mögliche Optionen diskutieren. Sie möchten Kontakt zu uns aufnehmen? Schreiben Sie uns:

Verantwortlich im Sinne des Presserechts

Rainer Kurlemann

Kronprinzenstraße 36
40217 Düsseldorf

E-Mail: rainer.kurlemann@gmail.com

www: https://www.rainerkurlemann.de

Tel: +49 211 8308069

Weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Redaktion: Alexander Mäder
Lektorat: Carina Frey