Das Streben nach einem gesunden Kind

Der Bluttest für Trisomie 21 ist mittlerweile Kassenleistung. Jetzt folgt der nächste Test: diesmal Mukoviszidose. Was müssen Eltern über ihr ungeborenes Kind wissen? Ein Zukunftsszenario

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Ein fröhliches Mädchen mit Down-Syndrom lachend auf einer Wiese  vor blauem Himmel

Stellen wir uns einmal vor, die vorgeburtliche Diagnostik wird immer besser. Paare, die sich für eine künstliche Befruchtung entscheiden, können den Embryo genetisch auf Krankheiten untersuchen lassen, noch bevor er in die Gebärmutter eingepflanzt wird. Es ist ein urmenschlicher Wunsch, ein gesundes Kind zu bekommen. Aber wie weit wollen und dürfen wir dafür gehen? Und ab wann ist ein Mensch eigentlich krank? Ein Zukunftsszenario der ZukunftsReporter.

In vier Wochen beginnt meine Schwangerschaft. Wir haben jetzt die Ergebnisse aller erforderlichen Untersuchungen. Es wird ein Mädchen werden. Ich hätte lieber einen Jungen gehabt, aber der gesamtumfassende genetische Score liegt für das Mädchen um zwölf Prozentpunkte besser als bei den männlichen Embryos, die zur Auswahl standen. Ich schreibe das mit einem Schmunzeln auf den Lippen. Trotz aller Vorsorgeuntersuchungen bleibt das Geschlecht des Kindes doch ein bisschen dem Zufall überlassen. So wie früher, als man Kinder noch im Bett zeugte. Ich hatte gedacht, ich würde bei unserem ersten genetisch kontrollierten Kind vor allem das Geschlecht auswählen, aber die Beratung unserer Ärztin hat mir schnell gezeigt, dass die Gesundheit doch wichtiger ist. Deshalb bekomme ich jetzt ein Mädchen. Vielleicht wird das zweite Kind ja ein Junge.

Ich habe zu Beginn des Studiums meine Eizellen einfrieren lassen. Damals war ich 20 Jahre alt. Das biologische Material einer jungen Frau ist zu diesem Zeitpunkt einfach besser als im Alter von über 30, wenn ich meine Kinder bekommen möchte. Drei Dutzend Eizellen lagerten zehn Jahre in den Kühlräumen, genug für drei Kinder, genug für meine Lebensplanung. Meinen Mann kannte ich damals noch nicht, aber ich war mir sicher, dass ich einmal Kinder haben wollte. Heute bin ich sehr verliebt. Benedikt ist der richtige Mann als Vater meiner Kinder.

In zwei Monaten, wenn alles geklappt hat, werde ich meinen Chef über die Schwangerschaft informieren. Für die Karriereplanung ist es sehr hilfreich, wenn ich meine erste Babypause frühzeitig plane. Ich möchte das Muttersein genießen, eine zeitlang übernimmt eine Projektassistentin meine Arbeit. Weil Schwangerschaften nicht mehr überraschend passieren, hat die Personalabteilung ein gutes Konzept entwickelt. Es ist ein bisschen so, als würde man Urlaub beantragen, nur die Zeiträume sind länger. Die Kolleginnen unter den Führungskräften unseres Unternehmens bekommen ihre Kinder nach einem gut durchdachten Planungsprozess. Früher mussten Schwangerschaften verhindert werden oder wurden sehnsüchtig erhofft. Für die Paare war das eine schlimme Situation. Wir haben uns von diesen Zwängen befreit und befruchten die Eizellen, wenn es zu unserem Leben passt. Der Druck auf uns Frauen hat abgenommen. Es gibt nicht mehr die körperliche Uhr, die immer weiter tickt und irgendwann abläuft. Für mich ist das ein Beispiel für angewandte Emanzipation. Die meisten jungen Frauen handhaben das ähnlich wie ich. Wir fühlen uns freier.

Seit ein paar Jahren übernimmt der Staat die Kosten für eine kontrollierte Schwangerschaft. Benedikt und ich mussten im Gegenzug zusagen, aus den zwölf befruchteten Embryos ein möglichst gesundes Kind auszuwählen. Ganz nebenbei verschwinden dadurch ein paar Krankheiten, zum Beispiel erblich veranlagter Brustkrebs. Kinder, die dieses veränderte Gen tragen, werden nur noch selten geboren. Die Kosteneinsparungen im Gesundheitssystem gleichen den Aufwand für kontrollierte Schwangerschaften längst aus. Wer glaubt, dass kontrollierte Schwangerschaften zu einheitlichen Kindern führen, hat die Regeln der Genetik nicht verstanden. Es sind immer noch die Eltern, die die genetische Ausstattung des Kindes bestimmen. Spätere Manipulationen am Erbgut sind verboten, und wer sich für eine Befruchtung entschieden hat, darf das Kind nicht ablehnen.

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