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Das Merkel-Lexikon: Von Nachfolger über Naturwissenschaften bis NSA

28.04.2019
28 Minuten
Die Hände von Kanzlerin Merkel, zur Raute geformt.

Nachfolger

Merkel hat betont, sie stehe auf jeden Fall für die gesamte Legislaturperiode zur Verfügung – ohne vorgezogene Neuwahlen wäre dies bis 2021. Sie hatte bereits 2013 angekündigt, die gesamte Legislaturperiode im Amt bleiben zu wollen. Diese Terminierung bis zum jeweils nächsten Wahltermin erlaubte ihr, nicht über einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin reden zu machen. Im Oktober 2018 kündigte sie aber an, spätestens 2021 endgültig Schluss zu machen und auch nicht mehr für den Bundestag kandidieren zu wollen.

Wirklich amüsiert hat sich Merkel über Spekulationen, dass sie aussteigen werde, um mit ihrem Mann eine Transamerika-Reise zu unternehmen – garniert war der Artikel mit dem Hinweis, dass man ein Dementi ruhig als Bestätigung auffassen solle.[1] Aber die Spekulation deutete letztlich nur auf ein Dilemma, vor dem Merkel tatsächlich stand. Es ist das Paradox der Macht: Je länger ein Kanzler regiert, desto schwerer fällt es, aufzuhören. Bei den einen entsteht das Gefühl der eigenen Unersetzlichkeit, vielleicht kommt auch Angst vor der Leere danach auf. Bei den anderen baut sich ein Verantwortungsgefühl auf, andere nicht mit einem Rückzug belasten zu können. Bei der CDU wuchs jedenfalls mit jedem Merkel-Kanzlerjahr die Angst, dass ein Ende ihrer Karriere gleichzeitig das Ende der Regierungszeit für CDU/CSU bedeuten könnte. Dennoch war allen klar, dass irgendwann Schluss sein muss.

Im Laufe der Zeit ist viel über das Thema spekuliert worden – was auch viel über Medien aussagt. Bereits im August 2010 glaubte etwa Spiegel Online zu wissen, dass Ursula von der Leyen die von Merkel erwählte Nachfolgerin sei. „Idealerweise“ sollte Merkel im Herbst 2011, spätestens aber 2012 den Staffelstab übergeben. „Mit von der Leyen hat Merkel demnach Größeres vor“, hieß es damals.[2] Kurz danach wurden Roland Koch und Karl-Theodor zu Guttenberg als mögliche Kanzler gehandelt – was den dann gescheiterten CSU-Politiker Guttenberg zu der immerhin weisen Antwort trieb, dass es „völlig anmaßend [sei], über Dinge nachzudenken, über die manche in bizarren Gedankenwelten gerade nachdenken“.[3]

Im Juli 2014 wurde dann erstmals die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer zur möglichen Nachfolgerin hochstilisiert.[4] Nachdem diese die Saarland-Wahl am 26. März 2017 klar gewonnen hatten, wiederholten sich die Spekulationen. Und seit Kramp-Karrenbauer im Dezember zur CDU-Chefin gewählt wurde, gilt sie vielen bereits als die Frau, die bei der nächsten Wahl Kanzlerkandidatin der Union werden dürfte. Einige Medien spekulieren sogar auf einen Wechsel zu „AKK“ noch vor 2021.

Merkel selbst blieb bei dem Thema schon früher stoisch: „Es wird sich immer jemand finden, der Bundeskanzler oder Bundeskanzlerin von Deutschland wird“, sagte sie im Mai 2013.[5] Später sagte sie: „Ich habe irgendwie gelernt, dass man sich mit seinen eigenen Nachfolgern möglichst wenig beschäftigen sollte. Das macht dann schon die Partei.“[6]


  • [1] Vgl. Hans-Ulrich Jörges, Merkels letzte drei Jahre, Stern, 8. August 2013.
  • [2] Vgl. Christoph Schwennicke, Ich bin dann auch mal weg, Spiegel Online, 10. August 2010.
  • [3] Vgl. Nico Fried, Ein Gedanke namens Guttenberg, Süddeutsche Zeitung, 16. Oktober 2010.
  • [4] Vgl. Georg Löwisch/Constantin Magnis/Alexander Marguier/Christoph Schwennicke, Die Stunde Null, Cicero, Juli 2014.
  • [5] Merkel in Brigitte-Veranstaltung, 2. Mai 2013. Im Deutschlandfunk/Phoenix-Interview sagte sie: „Es hat sich immer noch jemand gefunden, der es werden wollte in Deutschland“, 14. August 2013.
  • [6] Merkel auf der Pressekonferenz nach der Saarland-Wahl am 27. März 2017 in Berlin.
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Andreas Rinke

Andreas Rinke

Andreas Rinke ist seit 2011 Chefkorrespondent der Nachrichtenagentur Reuters in Berlin. Der promovierte Historiker hat zuvor als Redakteur bei der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung und als Politikkorrespondent in Berlin beim Handelsblatt gearbeitet. Mit Christian Schwägerl hat er das Buch „11 drohende Kriege“ (2012, aktualisiert 2015) verfasst. Sein Buch „Das Merkel-Lexikon“ ist im Herbst 2016 beim Verlag zu Klampen erschienen. Bei RiffReporter entwickelt er das „Merkel-Lexikon“ zu einem ständig aktualisierten und erweiterten Projekt fort.


Merkel als Lexikon

Mein Name ist Andreas Rinke, ich bin Berliner Chefkorrespondent einer großen Nachrichtenagentur und berichte seit vielen Jahren über Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Union.

Mein RiffReporter-Projekt „Das Merkel-Lexikon" bietet Ihnen eine einmalige, stets aktuelle Sammlung von Fakten, Wissen und Hintergründen über Bundeskanzlerin Angela Merkel. Das Lexikon ist aus „Süddeutscher Zeitung" und „Tagesthemen" bekannt.

Bereits seit 2005 regiert Merkel Deutschland. Die mächtigste Frau Europas hat dabei auch die EU maßgeblich geprägt. Doch nicht immer ist es einfach, die Kanzlerin zu verstehen. Als Journalist beobachte ich Angela Merkel seit ihrem Amtsantritt. Mein Beruf als „Kanzler-Korrespondent“ bringt es mit sich, dass ich Merkel in manchen Wochen täglich erlebe, bei Presseterminen, Reisen und Gesprächen. Ich berichte aus der Nähe, aber mit kritischer Distanz und ohne eigene „Agenda". Dabei versuche ich, die langen Linien in Merkels Politik ebenso herauszuarbeiten wie kurzfristige Neuigkeiten. Meine Arbeit eröffnet mir eine Vielzahl von Eindrücken – und den Blick auf das große Ganze.

Das „Merkel-Lexikon“ ist zuerst 2016 im Verlag zu Klampen als Buch erschienen. Bei RiffReporter steht Ihnen exklusiv ein aktuelles Online-Lexikon zur Verfügung. Meine „Merkelpedia" hat mehr als 350 Stichworten – und ständig kommen neue hinzu. Meine laufenden Recherchen und aktuelle Ereignisse arbeite ich fortlaufend ein. Mit einer Einmalzahlung von 12 Euro oder einem RiffReporter-Abo bekommen Sie dauerhaften Zugang zum gesamten Lexikon.

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