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Die #50Annalenas bewerten Merkels Klimapolitik

28.07.2021
4 Minuten

Von Carla Moritz

„Ich glaube, dass wir sagen können, dass Deutschland für den Klimawandel vieles gemacht hat. Mein politisches Leben ist eigentlich gekennzeichnet, ab 1994, als ich Umweltministerin wurde, von der Arbeit für Maßnahmen gegen den Klimawandel“, sagt Angela Merkel hat bei ihrer voraussichtlich letzten Sommerpressekonferenz.

Luisa Neubauer hingegen sagt in der “Neuen Osnabrücker Zeitung”, dass Merkel “immer wieder Prioritäten gegen unsere Lebensgrundlagen, gegen ökologische Rechte und die Chancen künftiger Generationen gesetzt”. Auf der einen Seite Neubauer, die mit Greta Thunberg fürs Klima streikt . Auf der anderen Seite Merkel, die durchaus selbstkritisch auf das eigene Handeln zurückblickt. Wer hat recht, Merkel oder Neubauer? Wir haben unsere nicht-repräsentative Wahlcommunity, die #50Annalenas gefragt, wie sie deutsche Klimapolitik bewerten würden.

Die Community macht es sich nicht einfach und schlägt sich auf eine Seite. Die #50Annalenas beurteilen Merkels Handeln differenziert. Eine Annalena (23, aus Albbruck im Schwarzwald) findet Merkels Politik in Ordnung:

⭐⭐⭐☆☆

„Es hätte auf jeden Fall mehr getan werden können, aber ich denke nicht, dass irgendein anderer Politiker es besser gemacht hätte“ 😅

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Auch Annalena (20, aus Leipzig) hätte sich vor allem mehr Tempo gewünscht:

⭐⭐☆☆☆

“Also ich hätte es gut gefunden, wenn der Kohleausstieg schneller bzw. näher wäre, als er jetzt als Ziel angesetzt ist.”

Anna-Lena (33, aus Langenbach in Bayern) fand, Merkel hätte mit ihrer Macht weniger auf freiwillige Verbesserungen warten sollen:

⭐⭐☆☆☆

“Merkel hätte zumindest so viel Kraft aufwenden müssen, dass zukunftsfähige Kompromisse zustande kommen – für die Wirtschaft und die Umwelt. Manchmal helfen von staatlicher Seite keine Bitten um guten Willen, sondern Zwang oder Strafe. Aktuell ist das aus meiner Sicht der Fall. Unternehmen sollten bis 2025 50% ihres CO2-Ausstoßes einsparen, bis 2030 75%, bis 2040 100%. Wenn sie es nicht schaffen, sollte es jedes Jahr steigende Bußgelder geben. Um den Zwang leichter umzusetzen, sollte der Staat kostenlose Beratung und Fördermittel bereitstellen. Ich persönlich würde am liebsten Herrn Söder zwingen, endlich diese bescheuerte 10H-Regel abzuschaffen.”

Anna Lena (20, aus Schkopau in Sachsen-Anhalt) stört vor allem die fehlende Planung der Zukunft, zum Beispiel beim Kohleausstieg.

⭐⭐⭐☆☆

“Mir hat ein bisschen der Weitblick gefehlt. Ja, Atomkraftwerke und Braunkohlewerke sollten weg. Aber sie zu schließen, ohne vorhandene Alternativen zu haben und dann Strom aus neuerbauten Atomkraftwerken in Frankreich beziehen zu müssen, ist auch nicht das Gelbe vom Ei.”

Merkel betont, wie viel Kraft sie fürs Klima eingesetzt habe. Anna-Lena (40, Ihlow in Niedersachsen) nimmt ihr das nicht ab.

⭐⭐☆☆☆

“Ich frage mich gerade, wo die Kraft denn eingesetzt wurde… die CO2-Steuer? Die höheren Spritpreise? Die Investition in E-Autos als einzige Alternative? Die insgesamt gestiegenen Lebenshaltungskosten? Ist doch alles nur Gewäsch! Es muss mehr mit den hiesigen Landwirten zusammen gearbeitet werden, um keine Lebensmittel zu importieren, die unter zweifelhaften Bedingungen hergestellt werden. Und bessere Fahrradwege – die sind teilweise katastrophal und ich nehme dann lieber das Auto, weil Öffis gibts hier auch kaum. Der Bus fährt 2 x morgens in die eine Stadt, sonst nix 😏”

Anna-Lena (31, aus Lüneburg) gibt der Klimaaktivistin Luisa Neubauer recht.

⭐☆☆☆☆

“Ich denke schon, dass Frau Merkel sich teilweise auch bemüht hat, aber an vielen Stellen ging ihre Politik nicht weit genug und an einigen Stellen definitiv auch gegen unsere Lebensgrundlage. Beim Skandal um VW und Co hat die Autolobby nach viel vor viel zu großen Einfluss… Generell könnten beim Thema Verkehr (z.B. auch ein Tempolimit) deutlich bessere Entscheidungen getroffen werden, die sich positiv auf das Klima auswirken könnten. Auch Veränderungen in der Landwirtschaft sind viel zu dürftig. Glyphosat ist noch immer erlaubt, Massentierhaltung, zu viel Nitrat im Grundwasser (Düngeverordnung), Antibiotikaresistenzen, weil die Tiere damit quasi zugefüttert werden… Ist zwar nicht alles direkt zum Thema Klimawandel, aber es zeigt mir ganz klar ein Versagen der Politik.

Anna-Lena (23, aus Leonberg) kann Neubauers Aussage hingegen nicht zustimmen:

⭐️⭐️⭐️⭐️

“Merkel hat sich stets für globale Lösungen engagiert und wichtige Ziele für einen globalen Klimaschutz erreicht. In Deutschland sind in den vergangenen Jahren trotz fortschreitender Technologisierung die CO2-Emissionen nicht gestiegen, sondern etwas gesunken. Selbstverständlich ist das nicht ausreichend, aber ihr vorzuwerfen 'Prioritäten gegen unsere Lebensgrundlage gesetzt’ zu haben, ist schlichtweg falsch und unverschämt. “

Anna-Lena (31, aus Amelsen) in Niedersachsen gesteht Merkel zu, dass es im Rückblick leichter ist zu kritisieren.”

⭐️⭐️☆☆☆

"Der Klimaschutz ist – zumindest für den Allgemeinverbraucher – ein Kind seiner Zeit. Mit steigender Notwendigkeit steigt die Akzeptanz. Merkel hat mit Sicherheit gedacht, dass sie richtig handelt. Zumindest in all den Jahren. Im Nachhinein ist es zu wenig.

Die #50Annalenas bewerten Angela Merkels Klimapolitik durchaus unterschiedlich. Das ist auch kein Wunder. Christian Schwägerl schreibt in seinem Kommentar: “Es hat schon immer zwei Angela Merkels gegeben: Die eine Angela Merkel ist eine Physikerin, die alle diese Berechnungen der Klimaforscher versteht (…). Die andere Angela Merkel ist Machtpolitikerin, deren Position davon abhing, im Netzwerk der Mächtigen Interessen zu bedienen.”

Nun ist die Frage, wer sich als nächstes der Herausforderung stellen darf: Armin, Olaf oder Annalena. Und wie wir über ihre Klimapolitik in 16 Jahren, im Jahr 2037, urteilen werden.

Hinweis 2.8.2021: Wir haben das Zitat von Angela Merkel nach einem Leser:innenhinweis dem originalen Wortlaut angepasst.

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tactile.news ist ein journalistisches Innvoationslabor mit Sitz in Lüneburg. Als Partner für Redaktionen bietet das Lab Workshops, Design Sprints und Formatentwicklungen an. Im Team mit Entwickler*innen, Maker*innen, Designer*innen und Social-Media-Expert*innen entsteht Treibstoff für überraschenden, einzigartigen Journalismus – ausgezeichnet etwa mit dem Deutschen Reporterpreis oder nominiert für den Grimme Online Award.

Für tactile.news schreiben aktuell Carla Moritz, Lisa Göllert, David Bartels, Astrid Csuraji, Jakob Vicari und Bertram Weiß.


#50Annalenas

Schon immer hießen Mädchen in Deutschland Lena und Anna. In den 90ern fügten sich Teile zusammen, die vorher unversöhnlich waren. Aus Liam und Noel wurde Oasis. Aus Ost und West wurde ein Deutschland. Aus Bündnis 90 und den Grünen wurde Bündnis 90/Die Grünen. Und aus Anna und Lena wurden immer mehr Annalenas. Eine dieser Annalenas könnte die neunte deutsche Bundeskanzlerin werden. Wie wird die Annalena-Republik aussehen? 

Wir fragen die, die die Annalena-Perspektive längst haben. #50Annalenas sucht den Dialog mit 50 Menschen, die ganz zufällig eins gemeinsam haben: Ihren Vornamen. Von der 16-jährigen Schülerin bis zur 72-jährigen Rentnerin wollen wir wissen, was sie ärgert, wovon sie träumen und welche Themen Annalenas wichtig sind. Und wieviel Annalena in Deutschland steckt.

Bis zur Bundestagswahl im September stellen wir den 50 Annalenas Fragen über ihren Kanal der Wahl. Die Fragen drehen sich um Politik, Entscheidungen, Verantwortung, Humor und was uns spontan sonst noch interessiert. 

Im Gegensatz zu anderen Redaktionen, wollen wir keine repräsentative Wahl-Community oder anonyme Politbarometer. Wir suchen kein Mini-Abbild, in dem es mathematisch-statistisch so zugeht wie in der deutschen Bevölkerung. Wir wollen echte Stimmen! 

Und fragen: Was denken 50 Annalenas im Wahljahr über Deutschland?

Ab dem 1. Juli 2021 geht es los.

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