Wie man mitten in der Großstadt aus der Menschenwelt ausbrechen kann

Von Markus Hofmann

privat Vögel gegen blauen Himmel

14. Dezember 2016

Eine Frau und ein Mann schauen uns mit fragend-spöttischem Blick an. Unsere Ferngläser sind nach oben gerichtet. Obwohl der Oktober gerade erst begonnen hat, hat es in der Nacht geschneit. Hier oben, auf einem Pass in den Berner Alpen, liegt die Landschaft unter einer weissen Decke begraben. Langsam bricht die Sonne durch die Wolken. Herrliches Ausflugswetter. Während sich das Paar für einen Spaziergang auf den verschneiten Wegen rüstet, haben wir, eine Gruppe von Vogelbeobachtern, nur Augen für den Himmel. Der Mann tritt an uns heran und fragt, was wir sehen würden.

Wir sehen: das Offensichtliche. Hunderte von Zugvögeln – Finken, Tauben, Drosseln, Greifvögel – fliegen vom Norden her teilweise nur wenige Meter über unseren Köpfen in Richtung Mittelmeer. Die beiden Wanderer legen ihre Köpfe in den Nacken. Und jetzt erkennen sie auch, was wir sehen: die vielen schwarzen Punkte, die in stetigem Auf und Ab über den weißen Bergrücken navigieren. Man spürt förmlich, wie die beiden etwas gewahr werden, was sie nie zuvor beachtet haben.

Das "Da Draußen" – mitten in der Stadt

Mit einem entspannten Lächeln im Gesicht verabschieden sie sich bald wieder von uns und machen sich auf den Weg in die winterliche Landschaft. Über ihnen und uns ergießt sich weiterhin ein schier endloser Strom von Vögeln in den Süden. Eines der spektakulärsten Naturereignisse spielt sich hier vor aller Augen ab – und doch sehen es nur wenige.

Um einen Blick in die Welt der Vögel zu werfen, muss man aber gar nicht die Mühe auf sich nehmen, während des Vogelzugs auf einen Pass zu steigen. Denn Vögel sind immer und überall. Jederzeit erlauben sie es einem, sich bewusst zu werden, dass „da Draußen“ noch etwas anderes ist als die Menschenwelt; etwas, das nach eigenen Gesetzmäßigkeiten abläuft und uns wohl nie alle seine Geheimnisse preisgeben wird. Diese Erfahrung – diesen Ausbruch aus der Menschenwelt – kann man paradoxerweise auch am menschlichsten aller Orte machen, mitten in der Stadt.

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