Welche Therapie hilft am besten? Erfahrungen sind für die Bewertung von Behandlungen oft irreführend

Warum wir kontrollierte Studien brauchen

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Auf blauem Hintergrund liegen viele Puzzle-Teile.

„Wer heilt, hat Recht“ – hört sich erst mal plausibel an, oder? In Sachen Gesundheit können dich der Augenschein und Erfahrungswerte aber schnell auf die falsche Spur bringen.

Erkältungen sind elend. Die Nase ist zu, das Lieblingsessen schmeckt nicht mehr und der Kopf dröhnt auch. Kein Wunder, dass viele Menschen in dieser Situation unbedingt etwas tun wollen: Am liebsten ein Mittel einnehmen oder anwenden, das die Beschwerden schneller verschwinden lässt.

Aber was passiert eigentlich, wenn du nichts machst? Richtig: Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass es dir in einer Woche schon viel besser geht. Denn das ist der natürliche Verlauf der meisten Erkältungen. Und was würde passieren, wenn du im Verlauf der Erkältung etwas Homöopathisches einnimmst oder deine Hausärztin überredest, dir ein Antibiotikum zu verschreiben? Auch dann würde es dir vermutlich nach einer Woche besser gehen. Aber du hättest den Eindruck, die Verbesserung kommt von dem Mittel, das du eingenommen hast: Unabhängig davon, ob eine Wirksamkeit gegen die virusbedingte Erkältung überhaupt plausibel, geschweige denn nachgewiesen ist.

Du ahnst schon, worauf dieses Beispiel hinausläuft: Wenn du ein Mittel einnimmst und es geht dir danach besser, muss das nicht unbedingt an dem Mittel liegen. Denn es gibt noch zahlreiche andere Erklärungen und Phänomene, die dabei eine Rolle spielen. Die sind wichtig zu kennen, wenn du etwas zur Entstehung von gesichertem Wissen in der Medizin erfahren willst.

Die Grafik beschreibt das erste von drei Missverständnissen bei der Bewertung von Behandlungen: „Mir hat es geholfen“
Wenn es um die Bewertung von Behandlungen geht, helfen Erfahrungswerte nicht weiter.
Missverständnis #2: „Bewährtes Mittel“
Alte Mittel müssen nicht unbedingt die besseren Medikamente sein.
Die Grafik beschreibt das dritte von drei Missverständnissen bei der Bewertung von Behandlungen: „Behandeln ist immer besser als Nicht-Behandeln“
Behandeln wäre nur dann immer besser als Nicht-Behandeln, wenn es null Risiken für Nebenwirkungen gäbe und die Behandlung weder Zeit noch Geld kosten würde. In der Regel ist das nicht der Fall.

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