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Kommt nach dem Insektenschwund das Vogelsterben?

Die Gefahr ist real – aber man muss genau hinsehen und auch positive Trends beachten

von
25.10.2017
7 Minuten
Deutsche Wespe (Vespula germanica)

Die Biomasse fliegender Insekten hat in ausgewählten deutschen Naturschutzgebieten binnen 27 Jahren um Dreiviertel abgenommen – das ist ein erschreckender Befund, der massive Auswirkungen nicht nur für die Bestäubung und Vermehrung von Wild- und Nutzpflanzen hat, sondern für die Natur insgesamt. Insekten stehen am Beginn der Nahrungskette, sie bilden die Lebensgrundlage für Reptilien, Amphibien, viele kleine Säugetiere und vor allem für Vögel. Ist das der Beginn des post-natürlichen Zeitalters, das uns in Kinofilmen wie „Blade Runner 2049“ plastisch vorgeführt wird?

Nachdem Forscher des Entomologischen Vereins Krefeld, der Radboud-Universität in Nijmegen und der Universität von Sussex am 18. Oktoker ihre Insekten-Daten publiziert hatten, legte der Naturschutzbund mit ebenso beunruhigenden Zahlen aus der Vogelwelt nach. Der „Nabu“ zitierte den Nationalen Bericht der Bundesrepublik an die EU-Kommission zur Vogelschutzrichtlinie von 2013. Dieser besagt, dass die Zahl der Vogelbrutpaare in Deutschland in nur 12 Jahren, zwischen 1998 und 2009, von 98,5 Millionen auf 85 Millionen gefallen sei, also um 15 Prozent.

Eine Reihe von Vogel-Monitoring-Studien zeigen einen starken Rückgang von Brutvögeln vor allem der intensiv genutzten offenen Agrarlandschaften. Zahlen liefert der Dachverband Deutscher Avifaunisten DDA, der seit den 1990er Jahren Brutvögel in Deutschland zählt, und europaweit der European Bird Census Council. Auf dem Land sind die Vögel seit 1980 um etwa 50 Prozent zurückgegangen – das ist in der ganzen EU ein Minus von 300 Millionen Brutpaaren. In Deutschland belief sich der Rückgang bei einzelnen Arten wie Bluthänfling oder Braunkehlchen sogar auf 70 Prozent.

Ein Braunkehlchen fotografiert von sehr nah dran.
Ein typischer Insektenfresser: Das Braunkehlchen (Saxicola rubetra) sitzt gerne auf Warten, wie etwa Zaunpfählen, um von dort Vorbeifliegendes zu ergattern, ernährt sich aber auch von Larven und Würmern. Die Art lebt bevorzugt in extensiv bewirtschaftetem und feuchtem Grünland – ein Biotoptyp, der bei uns selten geworden ist.

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Eine große Blutbiene (Sphecodes albilabris)
Die Große Blutbiene (Sphecodes albilabris) gehört im Insektenreich zu den Spezialisten. Sie ist ene sogenannte Kuckucksbiene, das heißt sie legt ihre eigenen Eier in die Brutzellen einer anderen Bienenart, auf deren Kosten sich dann ihr Nachwuchs ernährt. In Deutschland gibt es nach Angaben des Museums für Naturkunde Berlin rund 30.000 Insektenarten – und nur wenige Experten, die sich mit dieser Vielfalt gut auskennen.
Eine Insektenfalle mitten in der Landschaft:
Eine Insektenfalle mitten in der Landschaft: Mit solchen zeltartigen Fangapparaturen haben Forscher des Entomologischen Vereins Krefeld zwischen 1989 und 2016 an insgesamt 63 Standorten die Biomasse fliegender Insekten gemessen. Die Publikation der Ergebnisse hat zu einer intensiven Debatte über den beobachteten Insektenschwund geführt.
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Christiane Habermalz

Christiane Habermalz

Christiane Habermalz ist Journalistin und beobachtet Vögel seit ihrer Kindheit. Sie arbeitet als Korrespondentin für Kultur- und Bildungspolitik im Hauptstadtstudio des Deutschlandfunks und schreibt als freie Wissenschaftsautorin über Vögel und Insekten, Natur- und Artenschutz. Im Mai 2020 erschien ihr Buch „Anstiftung zum gärtnerischen Ungehorsam – Bekenntnisse einer Guerillagärtnerin“ im Heyne-Verlag. @habermalz




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