Anthropozän: „Zum ersten Mal in der Erdgeschichte hat eine einzelne Spezies eine derartige Dominanz“

Die Entscheidung darüber, ob wir wirklich in einer geologischen „Erdepoche des Menschen“ leben, geht in die heiße Phase, berichtet Colin Waters von der „Anthropocene Working Group“ im Interview

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Zuschauerreihen der Allianz Arena in München mit einer riesigen Zahl von Menschen

Mitte Mai treffen sich in Berlin führende Expertinnen und Experten aus der Wissenschaft, um nach jahrelangen Untersuchungen die finale Entscheidung über ein neues Kapitel in der Erdgeschichte vorzubereiten: Unsere Zeit soll nicht mehr Holozän heißen, sondern Anthropozän, die „Erdepoche des Menschen“. Im Mittelpunkt des Berliner Treffens steht die Suche nach einem Ort auf der Erde, der das Anthropozän auf Dauer repräsentiert.

Der Vorschlag für das Anthropozän geht auf den Chemie-Nobelpreisträger Paul Crutzen zurück. Ziel ist es, die zahlreichen vom Menschen verursachten Veränderungen auf der Erde und ihre langfristigen Spuren naturwissenschaftlich zu erfassen. Darüber hinaus nutzen viele Menschen und zudem verschiedenste Institutionen, etwa das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen und das Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, das Anthropozän als neues Paradigma.

Leiter der Anthropozän-Arbeitsgruppe ist der Geologe Colin Waters.

Ein wirr wirkendes Mosaik von bunten kreisrunden Flächen, jede davon ist der Radius einer Bewässerungsanlage.
Moderne Agrarlandschaft in Texas vom Weltall aus gesehen – diese Art der Nutzung greift auch tief in den Wasserhaushalt im Untergrund ein.
Luftbild mit dem Rhein als schwarzer, geschlängelter Linie, großen urbanen Flächen in grau und landwirtschaftlicher Nutzfläche in bunten Farben
Das Rheintal vom Weltall aus gesehen – eine von menschlicher Aktivität überformte Landschaft.

Wir Geologen machen es uns mit einer neuen Erdepoche nicht leicht, der Entscheidungsweg ist lang und führt durch mehrere Instanzen.

Colin Waters
Zwei Gesteinsproben mit Schichten, die mit Kugelschreiber markiert sind und ein Portraitfoto von Waters
Geologische Proben von Kandidaten für den Ort, der das Anthropozän repräsentieren soll: Anthropozän-Arbeitsgruppenchef Colin Waters
Weltkarte mit 12 Orten, darunter Buchten, Riffe, Höhlen, Moore, Maare und Eisflächen.
Diese Orte sind Kandidaten dafür, das Anthropozän für die Geologie zu repräsentieren.
Eine vegetationsfreie Landschaft aus kleinen spitzen Hügeln, an deren Seite die geologischen Schichten gut erkennbar und in Lila und Ocker besonders farbenfroh sind.
Geologische Ablagerungen im Petrified Forest National Park im US-Bundesstaat Arizona: Wie wird die Schicht des Anthropozäns aussehen?

Wenn die Temperaturen über längere Zeiträume hinweg mit den derzeitigen Raten ansteigen, könnte das fortschreitende Abschmelzen insbesondere der grönländischen und antarktischen Eisschilde schließlich zu einer „Treibhauswelt“ ohne dieses Eis führen.

Colin Waters
Schwarze Kohlebergbaulandschaft mit klein wirkenden orangefarbenen Baggern
Wir graben tiefe Löcher in die Erde und heizen mit der Verbrennung der Rohstoffe die Atmosphäre auf.
Der typische Atompilz mit einem Stiel und einem Feuerball obenauf über dem Meer.
Ein Atompilz steigt nach der Explosion einer Atombombe 1971 über der zu Französisch-Polynesien gehörenden Pazifikinsel Mururoa in die Höhe. Radioaktiver Fallout gehört zu den wichtigen geologischen Kennzeichen des Anthropozäns.
Ein großer Haufen Elektroschrott vor blauem Himmel
Künftige Technofossilien?

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Lektorat: Petra Ahne