1. RiffReporter /
  2. International /
  3. Tunesien schwingt sich aufs Rad

Tunesien schwingt sich aufs Rad

von
28.02.2020
7 Minuten
Mehrere Fahrräder im Lokal des Vereins Solibikes auf der südtunesischen Insel Djerba

„Wir hatten einfach genug“, fasst Stéphanie Pouessel zusammen, was den Ausschlag dafür gab, in Tunesien eine richtiggehende Fahrradbewegung anzustoßen. Genug von schlechter Verkehrsinfrastruktur, überfüllten Straßen und einem öffentlichen Nahverkehr, der nicht annähernd in der Lage ist, die Bewohner der tunesischen Hauptstadt einigermaßen pünktlich von A nach B zu transportieren. Deshalb wollen die Fahrradaktivisten das Radfahren demokratisieren.

Angefangen hatte alles mit einer abendlichen Fahrradtour durch Tunis, organisiert von Pouessel und einigen tunesischen Mitstreitern im April 2017. „Wir hatten damit gerechnet, dass vielleicht vier, fünf Leute kommen. Es waren einhundert“, erzählt sie, und staunt bis heute ein bisschen darüber, wie schnell damals alles ging. Das Interesse war so groß, dass aus der Fahrradtour durch die Hauptstadt ein monatliches Happening und aus der spontanen Bewegung der Verein Vélorution wurde.

Empfohlener Redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie externen Inhalt von [YouTube], der den Artikel ergänzt. Sie können sich externe Inhalte mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.

Wir können leider nicht beeinflussen, welche Cookies durch Inhalte Dritter gesetzt werden und welche Daten von Ihnen erfasst werden.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Mit der monatlichen Rundfahrt wollen die Fahrradaktivisten auf sich aufmerksam machen.

Tunis ist mit dem Fahrrad besser“ – und gefährlich

Ein klein bisschen aus der Puste ist Oussama Tangara schon, als er bei Vélorution ankommt. 17 Kilometer ist er gerade von sich zu Hause zum Verein geradelt, über eine vierspurige Schnellstraße. „Das dauert eine gute halbe Stunde. Sonst müsste ich einen Bus nehmen, dann die Straßenbahn, nochmal umsteigen und dann noch einen Kilometer zu Fuß gehen.“ Das würden den 24-jährigen Studenten im besten Fall anderthalb Stunden Zeit kosten. Doch er ist fahrradverrückt, sagt er. Drei Räder hat im Wechsel im Gebrauch, mehr als zwei Dutzend weitere alte Sammlerstücke stehen bei ihm zu Hause in der Garage. Radfahren hat er als Kind gelernt, „quasi gleichzeitig mit dem Laufen.“ Am Wochenende gibt er beim Verein kostenlose Kurse in Fahrradreparatur. Er erklärt, wie man Probleme erkennt, Bremsen einstellt, Reifen oder die Kette wechselt oder sich selbst ein Schutzblech baut.

Oussama Tangara in der Fahrradwerkstatt des Vereins Vélorution in Tunis, Tunesien.
In seiner Freizeit erklärt Oussama Tangara, wie man Fahrräder repariert.
Oussama Tangara vor einer Pinnwand mit Bildern der verschiedenen Aktionen des Vereins
Seit drei Jahren will Vélorution das Fahrradfahren in Tunesien demokratisieren
Banderole am Lokal des Vereins
Tunesien ist auf dem Fahrrad besser, so der Slogan des Vereins.
Schutzhelme und reflektierende Westen
Ohne Helm und Weste fährt keiner los.
Anis Mchaya im Lokal von Solibikes auf Djerba, Tunesien.
Sein erstes Geburtstagsgeschenk, an das sich Anis Mchaya erinnert, ist ein Fahrrad.
Verwaschenes Fahrradweg-Zeichen auf überwuchertem Weg
Auch der einzige Fahrradweg der Hauptstadt Tunis hat schon bessere Zeiten gesehen.

Kostenfreien Newsletter bestellen

Sie möchten regelmäßig über neue Beiträge dieses Projektes informiert werden? Dann bestellen Sie hier unseren kostenlosen Newsletter.

Kaufen Sie diesen Artikel.
Sarah Mersch

Sarah Mersch

Sarah Mersch berichtet als freie Korrespondentin aus Tunesien. Sie ist Mitglied von Weltreporter.net.


Afrika-Reporter

Afrika ist ein vielfältiger Kontinent, der häufig pauschal dargestellt wird. Obwohl er sich rasant verändert, überwiegen oft überholte Stereotype. Wir vermitteln Ihnen ein aktuelles, alltagsnahes, differenziertes Bild.

Als freie Korrespondentinnen des Netzwerks weltreporter.net leben und arbeiten wir seit Jahrzehnten in afrikanischen Ländern. Im Online-Magazin „Afrika-​Reporter“ bündeln wir unsere langjährige Kompetenz. 

Unsere Beiträge gibt es im Einzelkauf, im Afrika-Reporter-Abo und als Teil der RiffReporter-Flatrate.

Kostenloser monatlicher Newsletter | Leseproben | Twitter | Über uns

Verantwortlich im Sinne des Presserechts

Sarah Mersch

c/o Weltreporter.net
Hoheluftchaussee 53a
20253 Hamburg

E-Mail: mersch@weltreporter.net

www: https://weltreporter.net/mersch

Weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Redaktion: Bettina Rühl