Ölpest in Peru: Ums Haar

Andrang beim Friseur, Demos vor der Raffinerie: Die Ölkatastrophe im Pazifik hat die Menschen in Lima wachgerüttelt. Unterwegs mit der neuen Umweltbewegung.

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Sicht von oben auf einen kleinen Ausschnitt Sand und Wasser – Strand. Dort zwei Gummistiefel, eine Schaufel, die braunen Schaum abschöpft. Daneben eine schmutzige, ehemals weisse Stoffbarriee

Immer wieder kommt es zu Erdölunfällen im Amazonasgebiet Perus. Doch erst seit ein Tanker Erdöl vor der Küste der Hauptstadt Lima verloren hat, nehmen Menschen dies dort als Problem wahr. Eine neue Umweltbewegung kämpft um das Meer vor der Haustüre.

Zum Friseur geht man normalerweise der Schönheit wegen. Nicht umsonst heißen die Friseurläden in Peru “Schönheitssalons”. Doch am 18. Januar nahm Julio Andia für einen hehren Zweck auf dem Friseurstuhl Platz. Der 23-jährige Verwaltungsangestellte ließ sich seine Mähne schneiden, um damit das Meer zu retten. “Sein” Meer, wie er es nennt, den Pazifik vor seinem Viertel Ventanilla im Norden der peruanischen Hauptstadt Lima.

So wie Julio Andia sind Tausende meist junge Menschen in ganz Peru dem Aufruf von Gemeinden und Nichtregierungsorganisationen gefolgt und haben sich ihre Haare schneiden lassen. Denn das menschliche Haar, so hieß es, würde am besten das Erdöl aufhalten, das seit drei Tagen die Küste vor Lima bedrohte.

Für Felix Maquin bedeutete dies die Bedrohung seiner Existenz.

Erdöl statt Fisch im Netz

Wie jeden Tag in aller Frühe warf Felix Maquin am Montag, den 17. Januar, seine Netze aus. Das Meer vor Ancón, einem Badeort rund 40 Kilometer nördlich von Lima, ist mit großem Fischreichtum gesegnet. Selbst wenn man wie Maquin kein eigenes Boot hat, sondern nur vom Strand oder einem Felsen ein Netz oder eine Angel auswirft, bleibt normalerweise noch genügend hängen, um auf einen bescheidenen Tagelohn zu kommen. "Handwerkliche“ Fischer nennt man die Menschen wie Felix Maquin, im Gegensatz zu industriellen Fischern.

Doch an jenem Montag fing Felix Maquin keinen Fisch. Eine braune, übel riechende und ölige Brühe schwappte gegen die Felsen und den Strand.

Zwei Tage vorher war der italienische Tanker Mare Doricum am Entladen seiner Fracht vor der Raffinerie von Pampilla, als unerwartet hoher Wellengang den Vorgang unterbrach und Erdöl entwich. Dies behauptet die spanische Erdölfirma Repsol, die Eigentümerin der Anlage. Auslöser sei der unterseeische Vulkanausbruch im fernen Tonga gewesen – höhere Gewalt, an der Repsol völlig unschuldig sei.

Drei tote schwarze Vögel und eine tote Möwe liegen an einem Strand. Sicht von oben auf die Vögel.
Die sichtbarsten Opfer der Erdölkatastrophe vor der Küste Limas sind verendete Vögel.
Felsen am Meer, darauf sitzen neun Frauen mit weissen Anzügen, Rangerhüten und Stoffmaske und wischen mit weissen Tüchern das Erdöl ab.
Frauen aus dem benachbarten Ventanilla werden angestellt, um mit Spezialtüchern die erdölbedeckten Felsen zu säubern.
Strand, Felsen, darauf Vögel. In einer kleinen Lagune stehen acht Menschen, in einer Art Schlage, um die Vögel von den Felsen zu retten.
Freiwillige Helfer versuchen, Vögel von den Felsen in Sicherheit zu bringen vor dem Erdöl.
Ufer eines kleinen Flusses, am Ufer eine grüne Böschung. Das Wasser im Fluss ist dunkel- bis hellbraun vom Erdöl. Auf der rechten Seite des Bildes watet ein junger Mann mit hochgekrempelten Hosen durch das Wasser.
Ein Bewohner des Amazonas-Dorfes Nuevo Progreso in Nord-Peru im vom Erdöl verschmutzten Fluss. Das Wasser ist nicht mehr zu gebrauchen, an Fischfang nicht zu denken.
Ein meterhoher weisser runder Erdöltank, davor stehen in einer Reihe indigene Menschen, gekleidet in Jeans und T-Shirt, alle tragen eine Lanze.
Indigene protestieren vor einer Pumpstation der staatlichen Petroperu gegen die Erdöl-Lecks. In der Hauptstadt finden sie nur wenig Gehör.
Menschen protestieren mit Plakaten auf einer Strasse, im Hintergrund sieht man eine Industrieanlage, eine Raffinerie.
Gut 1000 Menschen protestierten am 23. Januar vor den Toren der Raffinerie von Pampilla im Norden Limas, gegen den Erdölkonzern Repsol.
Zwei Hände halten ein Plakat in die Höhe, darauf steht in spanisch: „Ni podemos comer dinero, ni beber el petroleo“ – Wir können weder das Geld essen, noch Erdöl trinken"
„Weder können wir Geld essen, noch Erdöl trinken“ steht auf einem Plakat der Demonstrierenden vor der Erdölraffinerie Pampilla im Norden Limas.

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