Wann kommt das Mega-Erdbeben? Kalifornien zwischen Angst und Gleichgültigkeit

In Kalifornien ist das nächste Mega-Erdbeben überfällig. Doch Übungen sind rar und freiwillig – und die Bürger zeigen kaum Interesse.

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Ein Park in San Francisco voller Menschen

In Sacramento, der Hauptstadt Kaliforniens, fürchten die Wissenschaftler nicht nur Erdbeben, sondern auch finanzielle Erschütterungen. Falls der Gouverneur anruft, soll bei der Kommission für Seismische Sicherheit deshalb niemand ins Stottern geraten. Auf zwei Seiten haben die Mitarbeiter vorsorglich alle Fakten gesammelt, die ihrer Meinung nach für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze sprechen.

Dass ausgerechnet eine so wichtige Behörde um ihre Existenz bangt, hängt mit der hohen Staatsverschuldung zusammen. Von den Sparmaßnahmen könnten auch diejenigen betroffen sein, die einsturzgefährdete Gebäude ausfindig machen, Tsunamis erforschen und die Öffentlichkeit wachrütteln sollen. Aus geologischer Sicht nämlich ist es allein eine Frage der Zeit, bis „The Big One“, das nächste Mega-Erdbeben, die amerikanische Westküste erschüttert.

Doch wozu der ganze Aufwand? Das fragen sich viele Kalifornier, die mit ihrer bekannt lockeren Lebensweise die Sorgen der Seismologen kaum teilen. Von rund 40 Millionen Einwohnern, die im bevölkerungsreichsten US-Bundesstaat leben, haben nur 10,4 Millionen beim letzten „California ShakeOut“ mitgemacht, einer Großübung, die das nächste Mega-Erdbeben simuliert.

Der Anteil der Privatpersonen, die sich zu einer bestimmten Uhrzeit unter ihren Schreibtischen verkriechen, dürfte verschwindend gering sein. Die meisten Teilnehmer befinden sich in öffentlichen Gebäuden und in Schulen, in denen Kinder seit jeher das Verhalten bei Erdbeben üben.

Ein Mann sitzt am Schreibtisch.
Richard McCarthy soll Kalifornien erdbebensicher machen. Doch seine Behörde leidet unter Sparzwängen.
Straßenszene in San Francisco.
Stromleitungen, Laternenmasten, Ampeln: Gerade in den weniger betuchten Vierteln (hier in San Francisco) ist die Infrastruktur brüchig.
Ein Auto auf einer Küstenstraße mit Klippen, dahinter das Meer.
Sehnsuchtsort Kalifornien: Wer denkt da schon gerne an Katastrophen?
Ein blaues Tsunami-Warnschild vor Bäumen und blauem Himmel.
Erdbeben sind nicht die einzige Gefahr: Durch die Erdstöße können sich Tsunamis bilden.

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Steve Przybilla


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