Klimaschützer in Namibia: „In dieser Epoche geht es ums Überleben“

Namibia leidet unter den Folgen der Klimakrise: Dürren sind häufig, Armut verbreitet. Junge Aktivisten fordern von ihrer Regierung einen Paradigmen-Wechsel: Man müsse sich jetzt auf das vorbereiten, was noch komme. Ein Gespräch über große Herausforderungen und viele kleine Schritte zur Lösung.

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Der junge Mann lächelt in die Kamera, er sitzt in Winterjacke vor einem Bambuszaun

In eine dicke Steppjacke eingemummelt sitzt Reinhold Mangundu im Innenhof eines Cafés in Windhoek. Es ist kühl an diesem Morgen in Namibias Hauptstadt, die auf rund 1.600 Metern über dem Meeresspiegel liegt. Die Winter hier sind kurz, die Sonnenstunden lang, Regen selten. Namibia gehört zu den trockensten Ländern im südlichen Afrika, bekannt für seine weiten Wüstenlandschaften.

Eine Sanddüne in der Nachmittagssonne vor blauem Himmel
Düne in Ausläufern der Namib Wüste in Namibia

Mangundu ist im vergleichsweise grünen Norden des Landes aufgewachsen. Der Lebensstil und die Lebensgrundlage seines Heimatdorfes sei eng mit der Natur, den Pegelständen der Flüsse und den Regenfällen verbunden gewesen, erzählt er. Die Bevölkerung dort lebt vom Fischfang und kleinbäuerlicher Landwirtschaft. „Mein Vater hat uns Kindern immer Geschichten von wunderschönen Wäldern erzählt, die dort einmal wuchsen“, erinnert sich der 26-Jährige. „Aber ich habe diese Wälder nie gesehen“.

Das sei der Grundstein für sein Interesse und seine Leidenschaft für den Umweltschutz gewesen. Schon früh habe er ein “Wertesystem verinnerlicht”, dessen Kern es sei, die Natur für künftige Generationen zu bewahren und dafür zu sorgen, dass sie sich regenerieren kann. Während andere Kinder Bilder mit Gesichtern glücklicher Familien gemalt hätten, habe er „die Gesichter des Waldes“ gemalt.

Der Aktivist hat aus seiner Leidenschaft einen Beruf gemacht

Seiner Leidenschaft folgend, bewarb er sich nach der Schule im Nachbarland Südafrika beim renommierten Sustainability Institute. Dort wird Nachhaltigkeit nicht nur gelehrt, sondern auch gelebt. Das Institut liegt inmitten des Lynedoch Eco-Village, einer multikulturellen Gemeinschaft, die ihre Häuser aus nachhaltigen Naturmaterialien gebaut hat, ihre Lebensmittel ökologisch anbaut, eigene Wasser- und Recyclingsysteme aufgebaut hat. Wer wie Mangundu in diesem Umfeld studiert, wendet sein neu erworbenes Wissen direkt in der Praxis an.

Die Zeit dort habe ihn geprägt, sagt er: „Heute habe ich mein ganzes Leben und meine berufliche Laufbahn in den Dienst der Menschen und unseres Planeten gestellt“. Zwei Wochen im Monat arbeitet er für The AridEden Project, im namibischen Wolwedans, das nach eigenen Angaben auf nachhaltigen, resilienten und inklusiven Tourismus in Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung setzt. Die anderen zwei Wochen verbringt Reinhold Mangundu in der Hauptstadt Windhoek, widmet sich dem Umwelt-Aktivismus, unter anderem im Rahmen der namibischen Fridays for Future Bewegung.

Kleine Häuschen stehen in einer trostlosen Wüstenlandschaft an der Küste
Siedlung am-Stadtrand der Küstenstadt Swakopmund in Namibia

Der Umwelt-Aktivismus sei vergleichsweise neu in Namibia, sagt er. Sein Heimatland gehört zu den Staaten der Welt mit einer besonders ausgeprägten sozialen Ungleichheit, die Armut ist groß. Insofern sind viele Menschen mit dem unmittelbaren Kampf ums Überleben beschäftigt – und nicht dem künftigen. Bevölkerungsgruppen wie die indigenen San seien zudem seit Jahrzehnten marginalisiert, betont Mangundu: „Das Leben im Einklang mit den natürlichen Systemen ihrer Umwelt gehört zu ihrer Kultur. Aber sie bleiben oft stumm oder ihre Stimmen werden nicht gehört. Deshalb ist es wichtig, dass Leute wie wir für sie einstehen“.

Zwei Frauen hocken vor einer Plane und sortieren die Früchte des Schakalbeerenbaums, die dort zum Trocken ausgebreitet sind
Frauen sortieren Früchte des Schakalbeeren-Baums
Der Fischer sitzt in seinem Makoro, dem traditionellen Einbaumboot der San
Kachire Xhoro auf dem Okavango
Ein paar Elefanten, darunter ein Junges, waten durch das Wasser. Im Vordergrund steht ein trinkender Elefant. Am Ufer der Wasserstelle wachsen Bäume.
Elefanten lieben das riesige Feuchtgebiet
Ein Schreiseeadler hat die Beine gen Wasseroberfläche ausgestreckt, kurz davor einen Fisch zu greifen
Schreiseeadler am Okavango
Der Khwai Fluss mäandert durch die bewaldete Landschaft
Am Khwai Fluss

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