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Vertragen sich Menschen und Roboter?

Ein Thema, zwei Blickwinkel: Elon Musk hat den TeslaBot vorgestellt, Nobelpreisträger Ishiguro beschreibt das Zusammenleben von Mensch und Maschine.

von
07.09.2021
4 Minuten
Der TeslaBot ist ein neuer Roboter, auf dem Bild ist nur eine Simulation zu sehen, in der ein Mensch steckt.

Elon Musk hat den Tesla Bot vorgestellt: Ein Roboter, der sich gefahrlos unter Menschen bewegen soll und ihnen Arbeiten abnimmt. Nobelpreisträger Kazuo Ishiguro schildert in einem tiefgehenden Roman das Zusammenleben von Mensch und Roboter. Es wird nicht einfach werden.

Tesla-Chef Elon Musk hat wieder einmal große Neuigkeiten angekündigt. Im Jahr 2022 will der Multimilliardär den Prototypen eines menschenähnlichen Roboters vorstellen. In einigen Aspekten wirkt das Design der Maschine schon sehr konkret. Der TeslaBot soll recht beweglich sein, etwa 1,73 Meter groß und 56 Kilo schwer. Elon Musk hat klare Vorstellungen, wie sich unser Leben durch technische Innovation verändern wird. Körperliche Arbeit müsse nicht mehr notwendigerweise von Menschen ausgeführt werden, sagt er. Der Roboter soll gefährliche oder sich wiederholende, langweilige Aufgaben erledigen. Die Bedienung des Roboters, der mit Hilfe künstlicher Intelligenz lernen soll, sei kinderleicht: „Man kann mit ihm sprechen und sagen: ‚Bitte nimm diese Schraube und befestige sie am Auto‘“, erklärt Musk. Oder man schickt ihn einkaufen.

Es ist müßig zu diskutieren, ob die Tesla-Ingenieure die eigenen technischen Anforderungen jemals erfüllen können. Bestimmt nicht im Jahr 2022. Die bisher aktiven Roboter sind eher Spezialisten als Generalisten. Sie können einige wenige, vorher definierte Aufgaben erledigen, mehr nicht. Ein Prototyp, der schrauben, kochen und auch einkaufen gehen kann, ist noch in weiter Ferne. In den meisten Firmen arbeiten Roboter und Mensch heutzutage räumlich getrennt. Musk will das ändern. Sein Tesla Bot bewegt sich wie ein autonom fahrendes Auto unfallfrei in der Welt der Menschen. Vom Roboter soll keine Gefahr ausgehen. Menschen können ihn umwerfen oder davonlaufen.

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Der TeslaBot ähnelt äußerlich einem Menschen, doch Emotionen bleiben ihm vorenthalten: Statt eines Gesichtes ist die Vorderseite des Kopfes bestückt mit Kameras, Sensoren und einem faktenorientierten Bildschirm. Elon Musk will offenbar nicht zu viel Menschlichkeit. Der Technik-Guru glaubt zudem, dass Roboter den Menschen automatisch gefallen werden, wenn sie zuverlässig funktionieren. Dieses Thema beschäftigt derzeit auch Kulturschaffende, die allerdings Zweifel äußern. Hinter dem Zusammenleben zwischen Menschen und einer den Menschen nachahmenden Maschine steckt nämlich mehr als nur die Erfüllung von Aufgaben.

Nobelpreisträger Kazuo Ishiguro sitzt mit verschränkten Händen an einem Tisch.
Nobelpreisträger Kazuo Ishiguro erzählt vom Zusammenleben einer Familie mit einem Roboter als künstliche Freundin.

Der Kinofilm „Ich bin dein Mensch“ von Maria Schrader erzählt die Erlebnisse von Alma, die einen Roboter als Lebensgefährten testen möchte. Tom soll den perfekten Partner verkörpern, doch die KI verhält sich anders, als Alma erwartet. Das neue Buch des Literatur-Nobelpreisträgers Kazuo Ishiguro widmet sich sehr detailliert und berührend dem Lebensgefühl von Mensch und Maschine. In „Klara und die Sonne“ zieht ein Roboter als künstliche Freundin (KF) bei einer Familie ein, um die alleinerziehende Mutter bei der Betreuung ihrer kränkelnden Tochter Josie zu unterstützen. Ein normaler Vorgang in der Zeit, in der das Buch spielt. KF Klara erzählt die Geschichte aus ihrer Sicht. Sie ist demütig, freundlich und lernwillig.

Die Lesenden ahnen die Schwächen eines Roboters im Umgang mit Menschen, erfahren aber auch, wie die künstliche Intelligenz jedes Erlebnis auswertet. „Du machst dir zu viele Gedanken“, mahnt die Managerin des Spielzeugladens, in dem Klara verkauft wird, noch im ersten Teil des Buches. Der Ratschlag bleibt ohne Wirkung. Klaras Gedanken zum Verhalten von Menschen mit Menschen und Umwelt wirken plausibel, aber sie sind verstörend anders. Künstliche und menschliche Intelligenz sind eben nicht das Gleiche.

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Als Klara bei Josie einzieht, entwickelt sich zunächst ein harmonisches Zusammenleben. Aber KF, Mutter und Josie haben ganz verschiedene Vorstellungen, was für die Tochter das Richtige ist. Kazuo Ishiguro bringt die Lesenden dazu, Partei für eine Seite zu ergreifen und Sympathie für die Maschine zu entwickeln. Er erzählt eindringlich, das Buch gewinnt von Kapitel zu Kapitel an Tempo. Dem japanisch-britischen Autoren gelingt es, ein wachsendes Beziehungsgeflecht aufzubauen, so als habe er schon mit einer künstlichen Intelligenz zusammengelebt. Als die Mutter des kranken Kindes ihre Ausflüge lieber mit der KF unternimmt als mit der eigenen Tochter, scheint die Situation endgültig zu kippen. Können Roboter einen Menschen ersetzen? Wer wollte angesichts dieser Option nicht den Stecker ziehen? Doch das Buch macht deutlich, wie schnell eine Maschine akzeptiert werden könnte.

Ishiguro konfrontiert die Lesenden mit verschiedenen Alternativen. Einige Ideen der Menschen erscheinen noch stärker fehlgeleitet als Klaras teils absurden Vorschläge beispielsweise zur Kontaktaufnahme mit der Sonne. Doch wie stark können wir den Plänen einer Maschine vertrauen, deren Hintergründe Menschen nicht verstehen können? Der Autor geht diesem Konflikt nicht aus dem Weg, am Ende steht eine klare Lösung.

Man darf vermuten, dass Elon Musk das Buch über das Leben mit der künstlichen Freundin nicht gelesen hat. Er hätte sonst mehr dazu gesagt, wie intensiv TeslaBot an unserem Leben teilnehmen soll. Bleibt es ein super-intelligenter Akkuschrauber mit integriertem universellen Werkzeugkasten, oder entwickelt er sich doch zum Arbeitskollegen?

Das Cover des Buchs „Klara und die Sonne“ ist rot mit einem Ausschnitt des Himmels, den die Sonne streift.
Klara und die Sonne von Kazuo Ishiguro
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Rainer Kurlemann

Rainer Kurlemann

Rainer Kurlemann ist promovierter Chemiker und arbeitet seit mehr als 30 Jahren als Journalist. Er schreibt nicht nur über Wissenschaft, sondern sucht als Moderator auch den Dialog mit Menschen und Innovationen für die Diskussion über Wissenschaft. „Der Geranienmann“ ist sein erster Wissenschaftskrimi, weitere Bücher werden folgen.


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