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Auf der Suche nach den Bodentierchen

Gerhard Richter untersucht in seinem Workshop den Boden in der Region Wittstock/ Dosse

05.06.2021
3 Minuten
Eine grüne Wiese mit hohem Gras. Ein Mann mit grauen Haaren hockt auf der Wiese und lächelt in die Kamera. Er hält ein kleines Glas in der Hand.

Journalismus und Bibliotheken haben ein gemeinsames Anliegen: Möglichst viele Menschen sollen an verläßliche Informationen gelangen, neue Themen und Interessen entdecken, sich eine eigene Meinung bilden.

In der vierten Runde der von der Robert Bosch Stiftung geförderten „Masterclass Wissenschaftsjournalismus“ entwickeln deshalb 12 Journalistinnen und Journalisten in Kooperation mit Bibliotheken in ganz Deutschland Veranstaltungsformate.

Einer der Fellows ist Gerhard Richter. Von 10. bis 12. Juni richtet er in der Stadtbibliothek Wittstock die „Bodentage“ aus. Gerhard Richter ist renommierter Wissenschaftsjournalist, langjähriger Autor von Reportagen und Features für Deutschlandfunk Kultur, SWR, BR und WDR und 3Sat sowie preisgekrönter Mediencoach beim Schüler-Wettbewerb Tat:funk der Stiftung Zuhören.

Bei Riffreporter ist er seit 2018 als Gründer und Autor des Themenmagazins „Field-Writing – ein Selbstversuch über das Verhältnis zur Natur" aktiv.

Gerhard, warum geht es in Deinem Projekt um Bodentiere?

Unter unseren Füßen liegt ein Lebensraum für unterschiedlichste Lebewesen. Wir wissen sehr wenig über die Zusammenhänge in diesem Kosmos. Dabei ist ein gesunder und artenreicher Boden die Grundlage für unsere Ernährung. Nicht umsonst heißt der Planet auf dem wir leben, genauso wie diese dünne krümelige Schicht: Erde!

Springschwänze und andere Bodentiere sind aber sehr lichtscheu. Aus diesem Grund hat kaum jemand dieses Gewimmel aus Asseln, Milben, Spinntieren, Würmern, Springschwänzen, Fadenwürmen, Algen, Bakterien und Pilzen je bei der Arbeit beobachtet. Bodentiere spielen eine gewichtige Rolle im Erdsystem. Welchen Nutzen haben die Tiere? Welche Wirkung auf Böden haben sie? Welche Rolle spielen sie in der Klimakrise? Wie können wir das Bodenleben fördern? Das sind alles lebenswichtige Fragen.

Was erwartet die Teilnehmerinnen und Teilnehmer?

Ich lade alle BesucherInnen ein, eine Handvoll Boden mitzubringen. Wir nutzen gemeinsam ein Mikroskop, dessen Bild per Beamer auf eine Leinwand projiziert wird, schauen uns die Bodenlebewesen an und diskutieren über diesen unbekannten Lebensraum. Welche Architektur hat der Boden? Wer haust darin? Und warum sollten wir Springschwänzen dankbar sein?

Fachleute werden ausgesuchte Bodenproben einer tiefen Analyse unterziehen und die Ergebnisse vorstellen. Unterschiedliche Nutzer von Böden kommen miteinander ins Gespräch und haben die Möglichkeit, sich auszutauschen. Naturschützer und Landwirte, Kleingärtner und Biologen, Schüler und Experten. Eine moderierte Diskussionsrunde hilft Sichtweisen auszutauschen.

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Mit welcher Bibliothek arbeitest Du zusammen?

Partner der Auftaktveranstaltung ist die städtische Bibliothek in Wittstock/Brandenburg. Ich lebe selbst in der Region und freue mich darauf, mit meiner örtlichen Bibliothek zu kooperieren. Anschließend will ich das Format als Teil von „RiffLive“ Bibliotheken in ganz Deutschland anbieten.

Was ist Dein Ziel?

Ziel ist es, eine neue Perspektive auf die Lebewesen unter unseren Füßen zu bekommen, deren Wert für die Bodenbildung zu verstehen und in größeren geologisch-ökologischen Skalen zu denken. Es geht dabei auch um unser Verantwortungsgefühl gegenüber der Bodenökologie. Der Blick in den Boden ist trendy und unter unseren Füßen wartet ein unerforschter Kosmos voller bizarrer Wesen. Und alle haben dazu beigetragen, dass wir auf diesem Planeten über eine fruchtbare Bodenschicht verfügen: Erde!

Idealerweise wird sich im Nachgang ein Monitoring etablieren, das die Entwicklung ausgewählter Böden langfristig begleitet.

Worauf freust Du Dich?

Ich freue mich auf viele Begegnungen mit Menschen, die ihre eigenen Beobachtungen und Sichtweisen mitbringen. Sicherlich gibt es die unterschiedlichsten Erfahrungen mit Böden und wie man ihn bearbeitet. Gern lasse ich mich überraschen.

Was hat Dir die Masterclass bislang gebracht?

Die Masterclass hat mir Lust darauf gemacht, Live-Abenteuer zu starten und gemeinsam mit dem Publikum spontanen Situationen Gewinn abzuringen. Die Masterclass hat mir gezeigt, dass das Thema Boden Unterhaltungswert hat. Die Masterclass hat mich in meiner Vermutung bestärkt, dass Menschen Freude an neuem Wissen haben und sich gern auf Entdeckungsreise begeben. Auch neu für mich: Bibliotheken sind offen für neue Formate jenseits klassischer Nutzung als Medienverleihanstalt.

Wann und wo genau finden die Bodentage statt?

Die Bodentage Wittstock finden vom 10. bis 12.6.2021 in der städtischen Bibliothek in Wittstock (Kettenstrasse 24–26, 16909 Wittstock) statt. Ich bin am Donnerstag und Freitag von 17 bis 22 Uhr und am Sonnabend von 14 bis 18 Uhr vor Ort.

Was sollten Bibliotheken tun, die Dein Format anbieten wollen?

Interessierte Bibliotheken können das Format und Konditionen bei . Ich stehe dann gerne für Gespräche, Planung und Umsetzung zur Verfügung.

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RiffReporter eG

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Die RiffReporter vereint mehr als hundert Journalistinnen und Journalisten mit der Mission, unabhängigen Journalismus zu Umwelt, Gesellschaft, Weltgeschehen, Wissenschaft und Tech zu bieten. Für unser innovatives Journalismusmodell haben wir den Grimme Online Award und den Netzwende-Award erhalten. Den Vorstand bilden Tanja Krämer und Christian Schwägerl, Aufsichtsratsvorsitzende ist Eva Wolfangel.


Journalismus im Dialog

Journalistinnen und Journalisten sollen der Gesellschaft verläßliche Informationen, nützliche Analysen und klärende Kommentare bieten. Doch darüber wird heftig diskutiert: Welche Rolle spielt der Journalismus für Gesellschaft und Demokratie?

Dazu bieten wir in diesem Themenmagazin Beiträge und zudem Einblicke in die Werkstatt der RiffReporter. Denn wir sind als Kooperative mit zahlreichen Projekten – allen voran der Masterclass Wissenschaftsjournalismus – im direkten Dialog zu unseren Themen, zu Arbeitsweisen im Journalismus, zu den Gefahren von Desinformation. Dabei kooperieren wir bereits mit Bibliotheken in ganz Deutschland, weil sie Orte des gesellschaftlichen Lernens und Miteinanders sind.

Verantwortlich im Sinne des Presserechts

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