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Wie unterscheiden sich die einzelnen Corona-Impfstoffe?

Corona-FAQ

von
13.03.2021
3 Minuten
Eine Frau sitzt im Warteraum eines Impfzentrums und wartet auf die Corona_impfung.

In Deutschland sind aktuell drei verschiedene Impfstoffe gegen Sars-CoV-2 zugelassen und verfügbar. Zwei davon, „Comirnaty“ von Biontech/Pfizer und „mRNA-1273“ von Moderna, sind so genannte RNA-Impfstoffe. Der Dritte ist ein Vektor-Impfstoff, „AZD1222“, den ForscherInnen der Universität Oxford zusammen mit der Firma AstraZeneca entwickelt haben.

Alle diese Impfstoffe benutzen die Bauanleitung für ein Eiweiß, das in exakt dieser Form nur bei dem Krankheitserreger vorkommt, das sogenannte Spike-Protein (oder Teile davon). Über das Spike-Protein verschafft sich das Virus während einer Infektion Zugang zu den menschlichen Körperzellen. Ziel ist es, mit Hilfe dieses körperfremden Eiweißes das Immunsystem der Geimpften darin zu trainieren, das Virus bei einer Infektion zu erkennen und schnell zu bekämpfen. Die eigentliche Herstellung des Impfproteins übernehmen die Körperzellen nach der Impfung selbst.

Bei allen diesen Impfstoffen sind für den Schutz zwei Impfdosen in unterschiedlichen Abständen nötig. Allerdings reagiert die Immunabwehr auch bereits nach der ersten Impfung mit einer Antikörper-Antwort und es werden wichtige Immunzellen, die T-Zellen, aktiviert.

So funktionieren mRNA-Impfstoffe

Die beiden RNA-Impfstoffe enthalten die Bauanleitung für das Spike-Protein von Sars-CoV-2 in Fettpartikel verpackt.

Ein entscheidender Vorteil dieser Impfstoffe ist, dass sie rasch produziert werden können. RNA-Impfstoffe können außerdem unkompliziert an ein sich wandelndes Virus angepasst werden, indem man die geimpfte RNA den Mutationen entsprechend ebenfalls modifiziert.

Nachteile: Vorher gab es noch keine zugelassenen Impfstoffe aus dieser völlig neuen Klasse, es gibt also weniger Erfahrungen als mit anderen Impfstoff-Typen. Sie sind zudem nicht sonderlich robust und müssen deshalb rasch verbraucht beziehungsweise stark gekühlt transportiert oder aufbewahrt werden. Der RNA-Impfstoff der Firma Curevac funktioniert nach dem gleichen Grundprinzip, eine Zulassung in den nächsten Monaten ist zu erwarten.

So funktioniert der Impfstoff von AstraZeneca

Bei dem AstraZeneca Impfstoff kommen abgeschwächte Adenoviren zum Einsatz, die als Kuriere die Information des Spike-Proteins von Sars-CoV-2 in die Muskelzellen tragen. Nach der Ausführung dieses Auftrages verschwinden die Genkuriere rasch. Mit dieser Technologie sind bereits andere Impfstoffe zugelassen, die vor Ebola schützen. Vektorimpfstoffe sind günstiger und robuster als RNA-Impfstoffe. (Am 15. März setzte die Bundesregierung in Folge einer aktuellen Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts die Corona-Impfungen mit AstraZeneca vorsorglich aus. Informationen über mögliche, aber sehr seltene. Nebenwirkungen erhalten Sie im Beitrag "Welche Nebenwirkungen kann die Corona-Impfung auslösen?" )

In Vorstudien waren nach der Impfung mit dieser Vakzine sogar IgA-Antikörper auf den Schleimhäuten aufgetaucht. Diese schnell reagierenden Antikörper könnten eventuell eine Infektion mit dem Virus bereits in den Atemwegen verhindern. Ob das auch praktische Auswirkungen hat, etwa auf die Ansteckungsfähigkeit von Geimpften, und ob es hier Unterschiede zu den mRNA-Impfstoffen gibt, ist bislang nicht vollständig geklärt. Gegenwärtig gibt es Hinweise, dass alle drei zugelassenen Impfstoffe nicht nur die Erkrankung Covid-19 verhindern können, sondern auch die Weitergabe des Virus unwahrscheinlicher machen. Da diese Frage offen ist, müssen Geimpfte sich aber weiter vollständig an die Hygieneregeln halten.

Ein Nachteil dieser Impfstoffgruppe: Möglicherweise leidet der Impferfolg, wenn Menschen bereits vorher in ihrem Leben Kontakt zu den Adenoviren hatten. Es könnte sein, dass deren Körperabwehr die Impfviren rasch beseitigt, bevor sie überhaupt ihre Fracht, also die Information für das Spike-Protein, in die Körperzellen hineintragen konnten. Für das Schimpansen-Adenovirus, das AstraZeneca nutzt, ist das allerdings unwahrscheinlich.

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Weitere Impfstoffe stehen vor der Zulassung

Nach einem vergleichbaren Prinzip funktionieren auch die Impfstoffe der Firma Johnson&Johnson und „Sputnik V“ des russischen Gamaleya-Instituts, die möglicherweise ebenfalls bald in Europa zugelassen werden. Eine bedingte Zulassung des Johnson&Johnson-Impfstoffs empfahl die Europäische Arzneimittelagentur am 11. März 2021.

Damit Sie eigenständig eine informierte Impfentscheidung treffen können, haben wir eine Reihe verlässlicher Informationsquellen zusammengestellt, die darüber aufklären, was wir über die verfügbaren Corona-Impfstoffe wissen und welche Daten noch fehlen.

(Dr. Ulrike Gebhardt, Stand 15.3.2021)

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