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Die zehn größten Schlaf-Mythen

Was ist wirklich dran?

15.07.2019
13 Minuten
Ein Geschäftsmann schläft sitzend an seinem Schreibtisch.

Rund um den Schlaf kursieren die seltsamsten Tipps und Behauptungen. Erfahren Sie hier, was Wissenschaftler von den hartnäckigsten Mythen halten.

Die einen schwören auf den Schlaf vor Mitternacht, die anderen auf ein Gläschen Wein vor dem Einschlafen. Schlecht für den Schlaf sollen hingegen Sport oder eine schwere Mahlzeit am Abend sein. Doch was ist wirklich dran an solchen Mythen?

Forscher der New York University werteten unlängst 8000 Internetseiten aus und ermittelten die häufigsten Vorurteile zum Thema Schlaf [1, 2]. Dazu zählt der Glaube, fünf Stunden Schlaf seien genug (stimmt für 99 Prozent der Menschen nicht); wer nachts wach werde, solle liegenbleiben, um rasch wieder einzuschlafen (stimmt zumindest dann nicht, wenn man bereits länger als fünfzehn Minuten wach liegt, denn dann sollte man eher aufstehen und sich ablenken); ein guter Schläfer könne überall und zu jeder Zeit sofort einschlafen (ist im Gegenteil sogar ein Symptom für chronischen Schlafmangel) und es sei egal, zu welcher Tages- oder Nachtzeit man schlafe (stimmt nicht).

Doch es gibt noch weit mehr solcher hartnäckiger Mythen über den Schlaf. Einige haben einen wahren Kern, andere stimmen gar nicht. Hier folgt der Faktencheck zu zehn besonders wichtigen Beispielen.

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Mythos Nr. 1: Schlaf ist wichtig für unsere Erholung

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Natürlich erholen wir uns im Schlaf. Aber das ist schwerlich sein ursprünglicher Zweck. Erstens erholen wir uns auch im Wachzustand, sofern wir faul genug sind. Zweitens sind wir im Schlaf hochaktiv. Er ist kein „kleiner Tod“, wie die alten Griechen früher dachten. Verschiedene internationale Teams von Schlafforschern machten in den vergangenen Jahren faszinierende Entdeckungen. Die Wissenschaft beginnt, eines der größten Rätsel der Biologie zu lösen: Warum müssen wir überhaupt schlafen? Weitgehend unbewusst bekämpfen wir im Schlaf Infektionen und räumen im Gehirn auf. In großem Maße bauen wir Nervenzell-Verknüpfungen ab, damit nur noch die entscheidenden verbleiben. Wichtige Eindrücke werden zudem verfestigt [3]. Und der Zwischenraum zwischen den Nerven vergrößert sich, damit Abfallprodukte wegtransportiert werden können [4].

Fazit: Vor allem Gehirn und Immunsystem laufen im Schlaf auf Hochtouren. Es ist vermutlich kein Zufall, dass beide sich erinnern müssen – an Ereignisse und an Krankheitserreger, wie auch der bekannte Schlafforscher Jan Born von der Universität Tübingen denkt [5]. Seine These: Schlaf ist vor allem wichtig für unser Gedächtnis.

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Mythos Nr. 2: Man muss jeden Tag zur gleichen Zeit aufstehen und ins Bett gehen

Bestimmen die Arbeitszeiten unseren Schlafrhythmus, schlafen die meisten von uns kürzer und früher als an freien Tagen. Mehr als achtzig Prozent der Bevölkerung stellt sich deshalb an Arbeitstagen einen Wecker. An den freien Tagen schlafen wir anders, nämlich eher so, wie es dem größtenteils genetisch fixierten individuellen inneren Schlaf-Wach-Rhythmus entspricht. Experten nennen diesen Rhythmus den Chronotyp. Es gibt Spätschläfer, Frühschläfer und durchschnittliche Schläfer (siehe dazu auch den Erbe&Umwelt-Artikel „Eule oder Lerche?“).

Die Rhythmus-Verschiebung zwischen Arbeitstag und Wochenende raubt Schlaf und ist ungesund. Schlafforscher Kenneth Wright aus Colorado, USA, und Kollegen fanden in einer aktuellen Studie, heraus, dass der Stoffwechsel leidet, wenn wir den Rhythmus wechseln [6]. Es wäre allerdings die verkehrte Reaktion, den Kurzschlaf der Wochentage auf freie Tage auszudehnen und sich auch noch am Wochenende einen Wecker zu stellen. Das Team um Schlafforscherin Elizabeth Klerman, Dallas, USA, zeigte im Jahr 2018, was man bereits aus vielen früheren Analysen wusste [7]: Reaktionszeiten verdoppeln sich, Fehlerraten verfünffachen sich, wenn man über längere Zeit zu kurz schläft. Das schlimmste dabei: Die Probanden selbst merken nichts davon!

Fazit: Möglichst oft ungefähr zur gleichen Zeit zu schlafen, ist sinnvoll – aber nur, wenn es dem individuellen Biorhythmus entspricht und man insgesamt ausreichend schläft. Extra frühes Einschlafen kann man sich nicht antrainieren, wenn es dem Chronotyp widerspricht. Seinen Schlaf auch an freien Tagen mit dem Wecker künstlich zu verkürzen, beeinträchtigt die Gesundheit und Leistungsfähigkeit.

Mythos Nr. 3: Man braucht im Alter weniger Schlaf

Mythos Nr. 4: Man kann Schlaf am Wochenende nachholen

Der internationale Flughafen von Venedig in Italien am 14. September 2011: Fluglotsen arbeiten bei Nacht.
Fluglotsen arbeiten nachts am Flughafen von Venedig. Sie gehören ähnlich wie Notfallmediziner, Pflegekräfte, Polizei- und Feuerwehrangestellte zu jenen Berufsgruppen, die regelmäßig Nacht- und Schichtarbeit leisten müssen. Das führt fast zwangsläufig zu chronischem Schlafmangel, der an arbeitsfreien Tagen unbedingt ausgeglichen werden sollte.

Mythos Nr. 5: Sport am Abend ist schlecht für den Schlaf

Mythos Nr. 6: Der Schlaf vor Mitternacht ist der gesündeste

Mythos Nr. 7: Schnarchen ist lästig aber harmlos

Mythos Nr. 8: Es ist schlimm, wenn man den Schlaf unterbricht

Schlafende Frau
Erwachsene benötigen sechs bis zehn Stunden Schlaf pro 24 Stunden, Jugendliche mindestens acht bis zehn, manche sogar mehr.

Mythos Nr. 9: Ein Glas Wein oder Bier hilft beim Einschlafen

Mythos Nr. 10: Leichtes Essen am Abend ist gut für den Schlaf

Verschiedene Arten von Blattsalat.
Manchen Menschen mit Schlafproblemen hilft es, wenn sie abends eher etwas leichtes essen, zum Beispiel Salat.

Quellen und Lesetipps

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Dr. Peter Spork

Dr. Peter Spork

Seit 30 Jahren freier Wissenschaftsjournalist, Vortragsredner und Sachbuchautor, darunter der Spiegel-Bestseller Gesundheit ist kein Zufall und Der zweite Code. Sein aktuelles Buch Die Vermessung des Lebens ist das erste populärwissenschaftliche deutsche Sachbuch zur Systembiologie.


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Wenn Sie in den Spiegel schauen, sehen Sie ein fantastisches Wesen. Sie sind perfekt. Was Sie nicht sehen, ist das untrennbare Zusammenspiel von Erbe, Umwelt und Vergangenheit. Es hat Sie zu dem gemacht, was Sie sind: ein hochgradig vernetztes biologisches System aus 37 Billionen Körperzellen inmitten des noch umfassenderen Systems, das alles Lebendige und manches Leblose miteinander verbindet.

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