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Nicht nur Männersache

Die größten Vorurteile über ein lautes Problem: das Schnarchen

27.09.2018
11 Minuten
Es ist dunkel, man sieht lediglich das Leuchten von ein paar bunten unscharfen Lichtern

Ein Auszug aus „Das Schnarchbuch. Ursachen, Risiken, Gegenmittel bei Schnarchen und Schlafapnoe.“

Der typische Schnarcher ist ein älterer, etwas fülliger Mann, lautet ein angeschnarchtes Vorurteil. Dabei geben auch schlanke, durchtrainierte Jünglinge nachts nicht immer Ruhe. Und sogar Kinder und Frauen sägen sehr viel häufiger als vermutet.

Charles Dickens war ein guter Beobachter. Der englische Schriftsteller schilderte detailliert das Leben ganz normaler Menschen, überzeichnete sie humorvoll mitsamt ihren Schrullen und Eigenarten. In den berühmten, 1836 erschienenen Pickwick Papers stellte er einige solcher Personen vor. Und es erstaunt nicht, dass eine davon so treffend dargestellt ist, dass sie auch noch 120 Jahre später für die Medizin interessant erschien: „Fat Joe“ – der dicke Hans – ist eine der ersten modernen Beschreibungen eines Extremschnarchers. Der arme Laufbursche hatte deutliches Übergewicht, nickte auch am helllichten Tage bei jeder Gelegenheit ein und sägte heftig.


Vorurteil Nummer eins: Schnarcher müssen dick sein

Britische Ärzte benannten 1956 sogar eine Krankheit nach Dickens Buch: das Pickwick-Syndrom. Ursachen des Leidens seien heftiges Übergewicht zusammen mit einer verminderten Belüftung der Lungenbläschen, die Sauerstoffmangel auslösen würde. Heute weiß man, dass die eigentliche Krankheit der Extremschnarcher das Auftreten häufiger nächtlicher Atempausen ist. Seit 1965 trägt sie den Namen Obstruktives Schlafapnoesyndrom, kurz OSAS, und sollte eigentlich immer behandelt werden, da sie sonst das Risiko für zahlreiche gefährliche Folgekrankheiten erhöht und die Lebenserwartung deutlich reduziert. Als Goldstandard gilt dabei die sogenannte CPAP-Therapie (für Continuous Positive Airway Pressure). Dabei wird mit Hilfe einer Maske im Schlaf ein konstanter leichter Überdruck in den Atemwegen erzeugt, der verhindert, dass diese sich im Schlaf verschließen und es zu den auf Dauer und im Übermaß gefährlichen Atempausen kommt.

Ein Mann sitzt zurückgelehnt am Schreibtisch und schläft tief und fest.
Schlafen bei der Arbeit ist gut für Leistungsfähigkeit und Kreativität.
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Kunstdruck mit der Aufschrift „Defensive Sleeping“
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Dr. Peter Spork

Dr. Peter Spork

Seit 30 Jahren freier Wissenschaftsjournalist, Vortragsredner und Sachbuchautor, darunter der Spiegel-Bestseller Gesundheit ist kein Zufall und Der zweite Code. Sein aktuelles Buch Die Vermessung des Lebens ist das erste populärwissenschaftliche deutsche Sachbuch zur Systembiologie.


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