Long-COVID: „Im Zweifelsfall wäre es doch angemessen, den Patienten zu glauben“

Der Stigma-Forscher Georg Schomerus kritisiert einen teilweise „infamen“ Umgang von Ärzten und Medien mit Long-COVID-Erkrankten. Als Gegenmittel setzt er auf Aufklärung – und auf Protest. Ein Interview.

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Cartoon-Zeichnung: Aus dem Bildrand zeigen ausgestreckte Finger auf einen offenbar erkrankten Mann, der seinen Kopf mit den Händen abstützt.

Wie kommt es zur Stigmatisierung von Menschen mit bestimmten Krankheiten – und wie wirkt sie sich aus? Das ist ein Forschungsschwerpunkt von Georg Schomerus, Psychiatrie-Professors am Universitätsklinikum Leipzig. Im Gespräch erklärt er, weshalb er sich neuerdings mit Long-COVID befasst.

Herr Schomerus, werden Long-COVID-Erkrankte stigmatisiert?

Eindeutig. Wir müssen nur zuhören, was Betroffene berichten. Sie machen so viele extrem entwertende Erfahrungen, die sich mit dem Konzept der Stigmatisierung treffend beschreiben lassen.

Wie äußert sich das?

Stigmatisierung entsteht, wenn eine Gruppe von Menschen mit einem Etikett versehen und daraufhin mit Stereotypen in Verbindung gebracht wird. Die Reaktion auf ein solches Zerrbild ist Ausgrenzung, ein „Wir gegen die“. Viele Long-COVID-Betroffene berichten genau das: Sie werden als „die Anderen“ abgewertet. Das beginnt oft schon in der Arztpraxis.

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