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Mehr als 1 Millionen Corona-Impfungen täglich im Schnitt: Schaffen Bund und Länder bis Ende des Jahres ihr Impfziel?

RiffReporter-Impfmonitor: So viele Impfungen gegen Covid-19 sind schon verabreicht, so viele müssen es bis Ende des Jahres noch sein. Status: Das Ziel könnte erreicht werden

4 Minuten
Menschen warten in einer langen Schlange vor dem Eingang zum Impfzentrum. Auf dem Schild werden Boosterimpfungen ohne Termin in Hannover angeboten.

Impfen, impfen, impfen – egal, ob zum ersten, zweiten oder dritten Mal. Auf diesen Appell können sich Wissenschaft, Politik und weite Teile der Gesellschaft im Kampf gegen die Viruskrankheit Covid-19 einigen.

Der neue Bundeskanzler Olaf Scholz hat bereits am 2. Dezember ein konkretes Ziel ausgegeben. Nach einem Treffen von Bund und Ländern teilte er auf Twitter mit:

Wir wollen bis Ende des Jahres 30 Millionen Bürgerinnen und Bürger impfen und boostern. Darauf haben wir uns heute bei der #MPK geeinigt. Die Impfung ist das wichtigste Mittel, das wir haben.

Um zu verfolgen, wie die Impfkampagne als zentrales Projekt der neuen Ampelkoalition vorankommt, werten wir bis Jahresende regelmäßig die Daten des Impfdashboards der Bundesregierung aus:

Aktueller Stand: 18. Dezember 2021, 14.30 Uhr

  • In der vergangenen Woche wurden vier Tage in Folge mehr als eine Million Impfdosen verabreicht
  • 18.11.-17.12. ingesamt verabreichte Impfungen: 24.418.540
  • Differenz zum Ziel 31.12.2021: 5.581.460
  • Nötiger Tagesschnitt, um bis Ende 2021 auf 30 Millionen Impfungen zu kommen: 398.676
  • Aktueller 7-Tages-Schnitt: 1.018.038
  • Davon Erstimpfungen 7 Prozent / Zweitimpfungen 7 Prozent / Drittimpfungen 86 Prozent

Status und Ausblick: Positiv

Das momentane Tempo des Impfens ist ausreichend, um das 30-Millionen-Ziel bis Jahresende zu erreichen. 68 Prozent der Periode 18.11–31.12. sind verstrichen und 81 Prozent des Ziels sind erreicht.

Um zum Impfziel zu gelangen, sollte die durchschnittliche Zahl der Impfungen der letzten 7 Tage auf diesem Niveau bleiben, zumal während der Weihnachtstage eventuell weniger geimpft wird.

Der Anteil von Erstimpfungen an den Impfungen bleibt allerdings weiter sehr niedrig. Im Moment sind die Menschen, die bereits zweimal geimpft sind, sehr bemüht, die dritte Impfung zu bekommen. Die Appelle an Ungeimpfte, mit der Impfreihe zu beginnen, fruchten noch nicht im nötigen Maß, weshalb die offizielle Impfquote* bei knapp über 70 Prozent liegt und damit von dem von der Wissenschaft für nötig gehaltenen Niveau von über 90 Prozent noch entfernt ist.

In blau sind die Impfungen summiert, die seit dem Stichtag der Bund-Länder-Konferenz (18.11.2021) verabreicht wurden. Orange zeigt die Zahl der nötigen Impfungen, um das angestrebte Ziel von 30 Millionen Dosen bis 31.12.2021 (rot) zu erreichen.
In blau sind die Impfungen summiert, die seit dem Stichtag der Bund-Länder-Konferenz (18.11.2021) verabreicht wurden. Orange zeigt die Zahl der nötigen Impfungen, um das angestrebte Ziel von 30 Millionen Dosen bis 31.12.2021 (rot) zu erreichen.
So viele Impfdosen (blau) werden laut Impfdashboard täglich verabreicht. Um das 30-Millionen-Ziel von Bund und Ländern zu erreichen, ist aktuell die rechts in rot eingetragene Anzahl von täglichen Impfungen nötig. Der orangefarbene Balken zeigt den Durchschnitt der letzten vier Tage.
So viele Impfdosen (blau) werden laut Impfdashboard täglich verabreicht. Um das 30-Millionen-Ziel von Bund und Ländern zu erreichen, ist aktuell die rechts in rot eingetragene Anzahl von täglichen Impfungen nötig. Der orangefarbene Balken zeigt den Durchschnitt der letzten vier Tage.

Neuer Schwung durch Kinderimpfung??

Derzeit gibt es in der Corona-Politik einen Konsens: Booster-Impfungen sind nicht nur eine Vorsichtsmaßnahme, sondern derzeit enorm wichtig, um die bereits Geimpften so gut es geht gegen die nahende Omikron-Variante zu schützen. Erste Studienergebnisse weisen nämlich darauf hin, dass zwei Impfungen für einen effektiven Schutz nicht reichen und nur drei Impfungen ein Schutzniveau von zumindest 75 Prozent bieten können.

Zudem bleibt die Impfquote zentral, denn nur wenn sie in Richtung 100 Prozent steigt, kann mit einem Rückgang der Inzidenz gerechnet werden. Die Omikron-Variante bedeutet hier ein zusätzliches Risiko für Ungeimpfte, an Covid-19 zu erkranken, denn Wissenschaftler gehen davon aus, dass sie deutlich ansteckender ist als die Delta-Variante.

Das Impfziel von Bund und Ländern von 30 Millionen Impfungen zwischen 18.11. und 31.12.2021 bezieht sich auf alle Typen von Impfungen. Damit liegt es unter dem, was die Nationalakademie Leopoldina Ende November in einer Stellungnahme gefordert hatte. Die Fachleute forderten darin 30 Millionen Booster-Impfungen ab Ende November bis Jahresende, plus eine maximal hohe Zahl von Erst- und Zweitimpfungen. Bund und Länder haben dagegen ein Ziel von 30 Millionen Impfungen aller Art formuliert, also inklusive Erst- und Zweitdosis.

Wirklich Bewegung ist derzeit nur in den Booster-Impfungen, die den weitaus größten Teil der verabreichten Impfdosen ausmachen. Seit dem 18.11. wurden insgesamt 2,15 Millionen Erstimpfungen und 1,5 Millionen Zweitimpfungen verabreicht, die Impfquote liegt aber immer noch bei 70 Prozent. Neuer Schwung könnte jetzt durch die anlaufende Impfung von Kindern zwischen 5 und 12 Jahren ins Geschehen kommen.

Derzeit sind laut RKI noch immer 18,5 Millionen Menschen in Deutschland, die älter als 5 Jahre sind, nicht geimpft. Beim Tempo der Erstimpfungen, das zwischen dem 18.11. und 15.12. vorgelegt wurde, würde es rechnerisch rund 300 Tage dauern, bis alle diese Menschen ihre erste Dosis erhalten haben. Erschwerend kommt hinzu, dass Menschen aus unterschiedlichen Gründen eine Impfung ablehnen oder hinauszögern. Allerdings führt die Infektion mit dem Coronavirus, die Ungeimpfte mit hoher Wahrscheinlichkeit in den kommenden Monaten durchlaufen werden, in den allermeisten Fällen auch zur Ausbildung eines Immunschutzes – allerdings mit allen extremen Risiken, die mit einer Covid-19-Erkrankung einhergehen.

Anmerkung: In einer ersten Version dieses Artikels war der falsche Stichtag für den Beginn der Auswertung angegeben und zugrundegelegt worden. Der von Bund und Ländern gewählte Stichtag für den Beginn der Zählung der angestrebten 30 Millionen Impfdosen ist der 18.11.2021, nicht der 3.12.2021. Der Autor dankt dem Kollegen Markus Grill für den Hinweis und bittet, den Fehler zu entschuldigen.

Da im Impfdashboard auch regelmäßig Impfungen nachgemeldet werden und sich Tageswerte verändern, können zwischen einzelnen Graphiken in dieser Serie nachträglich Abweichungen zu den jeweiligen Tageswerten entstehen.

Hinweis des Impfdashboards: „Auf dem Impfdashboard werden die Impfquoten angegeben, die dem RKI über das Meldesystem DIM berichtet werden. Sie sind als Mindestimpfquoten zu verstehen, da eine hundertprozentige Erfassung durch das Meldesystem nicht erreicht werden kann. Das RKI geht davon aus, dass die tatsächliche Impfquote bis zu fünf Prozentpunkte höher liegt, als auf dem Impfdashboard angegeben.“

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