1. RiffReporter /
  2. Wissen /
  3. Zwölf Corona-Irrtümer von Hendrik Streeck

Hendrik Streeck: Von Einsicht keine Spur

Wie kann es sein, dass ein Wissenschaftler, der so oft danebenliegt, ständig in Talkshows eingeladen wird? Zwölf Irrtümer des Virologen

von
09.02.2021
22 Minuten
Ein blonder Mann in schwarzem Sacko und weißem Hemd spricht mit einer Frau mit dunklen Haaren, die ihr bis zum Kinn reichen, in pfirsichfarbenem Oberteil. Im Hintergrund eine blaue Wand.

RiffReporter arbeitet bei diesem Beitrag mit Übermedien zusammen, dem unabhängigen Magazin für Medienkritik.

Von Joachim Budde und Christian Schwägerl

Seit Beginn der Corona-Pandemie gibt es in den deutschen Talkshows eine neue Kategorie von Gast: Virologinnen und Virologen sind zur Dauerpräsenz bei Maischberger, Lanz, Illner, Will und Plasberg geworden. Nie zuvor haben die Menschen in Deutschland und auf der ganzen Welt Wissenschaftlerïnnen so an den Lippen gehangen. Kein Wunder: Es geht um Leben und Tod, um Einschränkungen im Alltag, um reale und vermeintliche Gefahren, um harte politische Entscheidungen.

Einer dieser Experten hat sich von Anfang an immer wieder bei seinen Aussagen über das Virus extrem weit aus dem Fenster gelehnt: Hendrik Streeck, Leiter des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Bonn. Sein Renomée, die Selbstgewissheit, mit der er sich äußert, und seine telegene Ausstrahlung machen ihn aus Sicht der Redaktionen zu einer Idealbesetzung.

Erst am 3. Februar war er wieder bei Markus Lanz zu Gast, zuvor am 27. Januar bei Sandra Maischberger. Der Forscher, der zuerst mit der umstrittenen Medienagentur Storymachine kooperierte und inzwischen vom Medienberater Wolfram Winter betreut wird, verbringt viel Zeit in Fernsehstudios und erreicht so ein Millionenpublikum. Im ZDF gibt es am 16. März eine ganze „ZDFzeit“-Doku mit Hendrik Streeck. Laut Sender soll er „die Zuschauerinnen und Zuschauer mit auf eine Reise in die geheimnisvolle und gefährliche Welt der Viren“ nehmen.

Bis zur Corona-Pandemie war Streeck als HIV-Forscher und als Kuratoriumsmitglied der Deutschen AIDS-Stiftung eher selten in den Medien gewesen. Das änderte sich schlagartig, als er begann, sich zur Corona-Krise zu äußern.

Allerdings gab bereits eine der ersten dieser Äußerungen einen Vorgeschmack auf das, was kommen würde. Am 30. Januar 2020, also an dem Tag, an dem die Weltgesundheitsorganisation WHO für das neue Sars-Coronavirus die Gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite ausrief, schrieb Streeck auf Twitter:

„Ich finde die Entscheidung ist falsch. Nach den bisherigen Daten ist die #influenza dieses Jahr eine größere Gefahr als das neue #coronavirus. Die meisten Menschen scheinen nur milde Symptome zu haben.“
Eine weißhaarige Frau in kurzärmligem Topp und violetter Hose trägt zwei Einkaufstaschen an einem Kunstwerk vorbei, das aus fünf roten englischen Telefonzellen besteht, die wie Dominosteine gegeneinanderfallen. Im Vordergrund ein Schild mit der Aufforderung, zwei Meter Abstand zu halten.
Kettenreaktion auf dem Weg zur „Herdenimmunität“? – „Zwei Meter Abstand halten“ fordert ein Schild im Sommer 2020 in der englischen Hauptstadt London. Die roten Telefonzellen im Hintergrund gehören zum Kunstwerk „Out of Order“, das der britische Künstler David Mach im Jahr 1989 in London geschaffen hat. Am 11. Januar 2021 warnte die leitende Wissenschaftlerin der WHO, Soumya Swaminathan, in diesem Jahr werde es noch keine Herdenimmunität geben.
Drei Männer und eine Frau sitzen in einem in Brauntönen gehaltenen Fernsehstudio und sprechen miteinander. Im Hintergrund ein großes Foto, auf dem Menschen in Anzägen in Zweierreihen einen Korridor entlanggehen.
Hendrik Streeck (2. von links) bei Markus Lanz (links). Der Virologe ist zusammen mit dem Landrat des Kreises Heinsberg Stephan Pusch und Bernild Braun, der Leiterin des ASB-Seniorenzentrums Mainz Gast in der Sendung „Markus Lanz – das Jahr 2020“. Auf dem Foto im Hintergrund ist Streeck neben NRW-Ministerpräsident Armin Laschet auf dem Weg zur Pressekonferenz an Gründonnerstag zu sehen, in der er seine „Zwischenergebnisse“ aus der Stadt Gangelt vorstellte.
„Ihr fehlt uns. Bleibt gesund!“ und „Wir vermissen euch.“ – Zwei Tafeln neben der Tür einer Kneipe sind mit einem Gitter versperrt.
Diese Gaststätte in Hannover ist wegen des Lockdowns den Winter über geschlossen.
Ein Krankenbett mit einem Patienten in weißem Hemdchen. Rundherum medizinische Geräte mit Bildschirmen. Eine Person in blauem Schutzanzug mit Schütze, Gesichtsmaske, Haube, Handschuhen und Skibrille beugt sich über den Patienten.
Schweres Gerät, harte Arbeit: In einem Infektionszimmer für Covid-19-Patienten auf der Intensivtherapiestation der Universitätsmedizin Rostock versorgt diese Krankenpflegerin einen Patienten im künstlichen Koma. Sie und ihre Kollegïnnen arbeiten unter großem psychischen Druck. Je höher die Infektionszahlen, desto höher die Belastung.
Ein Mann im Ganzkörperanzug, mit Gesichtsmaske und Handschuhen schiebt einen hellen Holzsarg auf einem Rollwagen in eine Kammer. Darin sind weitere Särge zu sehen.
Niklas Grube schiebt im Krematorium „Die Feuerbestattungen Celle“ einen Sarg in eine Kühlkammer, in der bereits Särge von Menschen stehen, die mit oder an dem Corona-Virus gestorben sind. Das Krematorium in Celle verzeichnet seit November 2020 einen Anstieg von Einäscherungen von Corona-Toten.
Das Bild ist ausgefüllt von einer menschlichen Zelle mit zahlreichen Ausstülpungen. Sie ist übersäht mit Hunderten kleiner Pünktchen.
Winziger Killer: Diese Aufnahme per Rasterelektronenmikroskop zeigt eine tote Zelle (rosa) die schwer mit Sars-CoV-2 infiziert ist. Jedes türkise oder violette Pünktchen ist ein Viruspartikel. Mutationen, die Forscherïnnen erstmals in Südafrika, Brasilien und Großbritannien entdeckt haben, sorgen dafür, dass diese Varianten des Covid-19-Erregers ansteckernder sind. Das Bild ist nachträglich eingefärbt.
Ein grauhaariger Mann in schwarzem Anzug, blauem Hemd und Krawatte steht hinter einem Pult mit der Aufschrift „The White House“. Im Hintergrund das Logo des Weißen Hauses und eine amerikanische Fahne an einer Stande, die von einem goldenen Adler gekrönt ist.
So sieht Erleichterung aus: Anthony Fauci, Direktor des National Institute of Allergy and Infectious Diseases und einer der führenden US-Experten für Infektionskrankheiten, auf einer Pressekonferenz im Weißen Haus. Er fühle sich befreit, dass er unter der Regierung von Präsident Joseph Biden die wissenschaftliche Wahrheit sagen könne über das Coronavirus. Unter dessen Vorgänger habe das ein Nachspiel gehabt.
Ein Mann mit dünnem weißem Haar und weißem T-Shirt sitzt in einer gläsernen Kabine und schaut zu einer Frau in weißem Kittel und Schutzmaske, die an einem Computer arbeitet.
Erholung vom „Entzündungssturm“: Eine Mitarbeiterin der Rehaklinik Heidelberg-Königstuhl misst bei dem von einer Corona-Erkrankung genesenen Patienten in einer Lungentest-Kabine die Lungenfunktion. Viele Patientïnnen leiden über Monate an Beschwerden durch die Covid-19-Erkrankung.
Zwei Männer in Anzügen und eine Frau im lachsfarbenen Blazer sitzen in einem in Blautönen gehaltenen Fernsehstudio. Im Hintergrund sind Bilder des Sars-Coronavirus-2 an der Wand.
Politiker versus Wissenschaftler: In Talkshows wie „Maischberger • Die Woche“ geht bei weniger darum, einen Wettstreit belegbarer Positionen auszutragen, sondern um Kontroversen – hier zwischen dem SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach und dem Virologen Hendrik Streeck. Der Bonner Forscher nutzt diese Aufmerksamkeit immer wieder dafür, längst widerlegte Positionen zu wiederholen. Widerspruch um des Widerspruchs willen.

Kostenfreien Newsletter bestellen

Sie möchten regelmäßig über neue Beiträge dieses Projektes informiert werden? Dann bestellen Sie hier unseren kostenlosen Newsletter.

Logo des Magazins Übermedien.
Übermedien ist das unabhängige Magazin für Medienkritik
Kaufen Sie diesen Artikel.
Joachim Budde

Joachim Budde

Joachim Budde ist freier Wissenschaftsreporter und arbeitet zu allem rund um Insekten. Twitter: @buddepiept


Covid-19: Ein Virus bedroht die Welt

Die neuesten Erkenntnisse und Entwicklungen zur Corona-Pandemie – recherchiert und präsentiert von sachkundigen Wissenschaftsjournalistïnnen und von Korrespondentïnnen auf fünf Kontinenten. Recherchen für dieses Projekt wurden vom Recherchefonds der Wissenschaftspressekonferenz e.V. und von der Andrea von Braun Stiftung gefördert.

Wir freuen uns über den Otto-Brenner-Preis für kritischen Journalismus 2020 für unsere Berichterstattung zu "Streeck, Laschet, StoryMachine: Schnelle Daten, pünktlich geliefert".

Verantwortlich im Sinne des Presserechts

Joachim Budde

Arndtstraße 12
53113 Bonn

E-Mail: ich@joachimbudde.de

www: https://www.joachimbudde.de

Tel: +49 228 92894745