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Corona-Impfung für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren: Was junge Menschen und Eltern jetzt wissen sollten

Die Impfung ist zwar zugelassen, die Expertïnnen der Ständigen Impfkommission empfehlen sie aber bislang nicht generell – was bedeutet das?

von
28.05.2021
3 Minuten
Eine Krankenschwester spritzt einem 13-jährigen Jungen einen Corona-Impfstoff in einer amerikanischen Impfklinik.

Aktuell wird in Deutschland sehr kontrovers über die Frage diskutiert, ob Kinder und Jugendliche gegen Covid-19 geimpft werden sollen. Bund und Länder hatten sich am 27. Mai darauf geeinigt, dass die Impfung mit dem Corona-Impfstoff Comirnaty von BioNTech/Pfizer auch für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren möglich sein soll, sobald die Priorisierungen aufgehoben sind – das ist in vielen Bundesländern seit dem 7. Juni der Fall. Voraussetzung: die Zulassung für diese Altersgruppe, die die europäische Zulassungsbehörde EMA am 28. Mai erteilt hat. In den USA ist der Impfstoff für diese Altersgruppe seit dem 10. Mai freigegeben. Die Ständige Impfkommission (STIKO) in Deutschland hat in ihrer Veröffentlichung vom 10. Juni 2021 die Impfung jedoch nicht allgemein für diese Altersgruppe empfohlen, sondern nur für ausgewählte Gruppen. Gleichzeitig hat sie in diese Empfehlung die 16– und 17-Jährigen einbezogen, für die die STIKO bislang nicht explizit Pro und Contra abgewogen hatte.

Warum wird ein zugelassener Impfstoff nicht allgemein empfohlen?

Die Antwort auf diese Frage liegt in den unterschiedlichen Aufgaben und Fragestellungen, mit denen sich EMA und STIKO beschäftigen:

Die europäische Zulassungsbehörde prüft, ob der Impfstoff in der Altersgruppe erstens wirksam und zweitens ausreichend sicher ist, der Nutzen also größer ist als die Risiken. Nur wenn die EMA das bejaht, bekommt der Impfstoff die EU-Zulassung.

Die STIKO entwickelt dagegen speziell für Deutschland Empfehlungen, wie und ob zugelassene Impfstoffe am besten eingesetzt werden. Dazu wägt sie Nutzen und Risiken für die Einzelnen, aber auch für die gesamte Bevölkerung ab. Und sie passt diese Empfehlungen immer wieder neuen Entwicklungen an.


Die Stiko wägt verschiedene Fragen gegeneinander ab

Im Fall der Corona-Impfung für Kinder und Jugendlichen spielen für die STIKO-Empfehlung mehrere Faktoren eine Rolle. Dazu gehören:

  • Wie groß sind die Risiken einer Covid-19-Erkrankung und ihrer längerfristigen Folgen für Kinder und Jugendliche und wie sicher sind die Erkenntnisse dazu?
  • Welche Rolle spielen dabei bestimmte Vorerkrankungen?
  • Welcher konkrete Nutzen des Impfstoffs steht für diese Altersgruppe welchen Nebenwirkungen des Impfstoffs gegenüber und wie sicher sind die Erkenntnisse dazu?
  • Welche anderen Maßnahmen stehen zur Verfügung, um Kinder und Jugendliche vor einer Infektion mit SARS-CoV-2 zu schützen und wie wirkungsvoll sind sie im Vergleich zur Impfung? Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass Kinder und Jugendliche sich überhaupt anstecken?
  • Welchen Beitrag könnte die Impfung der 12– bis 15-Jährigen zum Schutz vulnerabler Bevölkerungsgruppen leisten, und gäbe es nicht noch andere und effektivere Möglichkeiten, diesen zu erreichen?
  • Inwiefern verschlechtern die Impfungen für Kinder und Jugendliche die Impfstoffverfügbarkeit für stärker gefährdete Personen?


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Ähnliche Abwägungen hat die STIKO bei den Altersbeschränkungen für die Corona-Impfstoffe Vaxzevria von AstraZeneca sowie von Johnson&Johnson vorgenommen. Für ihre Empfehlungen wertet die Kommission Studien aus, lässt aber auch Modellierungen durchführen. Laut Infektionsschutzgesetz „sollen“ die Landesgesundheitsbehörden die STIKO-Empfehlungen als Grundlage heranziehen, eine darüber hinausgehende Verpflichtung gibt es jedoch nicht.

Üblicherweise ist eine STIKO-Empfehlung die Voraussetzung dafür, dass die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für eine Impfung übernehmen. Für die Corona-Impfung bei den 12– bis 17-Jährigen ist die fehlende allgemeine STIKO-Empfehlung in dieser Hinsicht nicht relevant, da die Kosten vollständig der Bund trägt.

Laut STIKO ist eine Impfung von 12– bis 17-Jährigen möglich, auch wenn sie nicht den empfohlenen Gruppen angehören, wenn die Jugendlichen und die Sorgeberechtigten das nach ärztlicher Beratung wünschen. Wie die Impfung in dieser Altersgruppe organisiert ist, also ob sie im Impfzentrum möglich ist oder nur in einer kinderärztlichen Praxis, unterscheidet sich teilweise von Bundesland zu Bundesland. Nach den aktuellen Beschlüssen von Bund und Ländern sollen Kinder und Jugendliche ohne Vorerkrankung nicht priorisiert werden, auch soll es kein Impfstoff-Kontingent für sie geben.

Dr. Iris Hinneburg, Stand 14.6.2021

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