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Vogeltotenhaus BER

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17.02.2021
6 Minuten
Auf dem Bild ist der Abdruck eines Vogels an der Glasfront des Flughafens BER zu sehen, der entsteht, wenn das Tier mit der Scheibe kollidiert. Im Gebäude am Hintergrund als Werbung ein großer Mercedesstern.

Was lange währt, wird nicht immer gut. Zumindest für die Vögel nicht. Der Flughafen BER mit seinen spiegelnden Glasfassaden ist ein Vogelgrab. Denn während die meisten Flugzeuge coronabedingt noch am Boden bleiben, herrscht hier schon seit vielen Jahren anderweitig reger Flugverkehr. Leider in vielen Fällen mit tödlichem Ausgang für die Flieger. Bei einer Begehung am 18. Januar dieses Jahres fanden Vogelschützer fast 100 sogenannter Geisterbilder, Anprallspuren von Vögeln, die an den Scheiben zurückbleiben, wenn die Tiere mit Wucht gegen das für sie unsichtbare Hindernis knallen – ein bedrückendes Memento mori aus Talgrückständen des Gefieders, Exkrementen und Innereien. Viele von ihnen waren Tauben, doch es fanden sich auch Federreste von einem Waldkauz oder Sperber und von zahlreichen Kleinvögeln.

Auf dem Bild ist ein toter Eisvogel mit türkis-weiß-rotem Gefieder zu sehen, der auf dem Steinfußboden liegt. Er ist durch Glasscheiben hindurch fotografiert worden. Die Aufnahme stammt von David Wagner, der den toten Vogel bei seinem Besuch des neuen Hauptstadtflughafens entdeckte
„Er war wunderschön und er tat mir so leid“ – toter Eisvogel, fotografiert von David Wagner bei seinem Besuch des neuen Hauptstadtflughafens im Oktober 2020

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Auf dem Bild ist der weiße Abdruck eines Vogels an einer Glasscheibe  des Flughafenterminals zu sehen. Er besteht aus Talg aus dem Gefieder und Kot, der im Moment des Aufpralls an der Scheibe haften bleibt.
Brutaler Aufprall: Talg aus dem Gefieder und verspritzter Kot hinterlassen einen geisterhaften Abdruck des Todesmoments
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Christiane Habermalz

Christiane Habermalz

Christiane Habermalz ist Journalistin und beobachtet Vögel seit ihrer Kindheit. Sie arbeitet als Korrespondentin für Kultur- und Bildungspolitik im Hauptstadtstudio des Deutschlandfunks und schreibt als freie Wissenschaftsautorin über Vögel und Insekten, Natur- und Artenschutz. Im Mai 2020 erschien ihr Buch „Anstiftung zum gärtnerischen Ungehorsam – Bekenntnisse einer Guerillagärtnerin“ im Heyne-Verlag. @habermalz




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