„Die biologische Vielfalt in Deutschland schmilzt wie Schnee in der Sommersonne“

Zur Lage der Natur in Deutschland: Eindrücke vom 34. Deutschen Naturschutztag in Kiel

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Aufnahme aus einem Hörsaal mit vielen Besuchern.

Fangen wir mit den guten Nachrichten an. Das Blaukehlchen, vor Jahren noch einer der seltensten Vögel Deutschlands, breitet sich stark aus. In renaturierten Salzwiesen an der Ostseeküste fassen Kreuz- und Wechselkröte wieder Fuß. Über 30.000 Biber, Nachkommen der 120 in den 1960er Jahren ausgesetzten, bauen vor allem in Bayern immer neue Dämme – und schaffen Lebensräume, in denen die Artenvielfalt förmlich explodiert. Insekten, noch vor Kurzem selbst von vielen Naturfreunden als eklig und lästig betrachtet, sind zu neuen Sympathieträgern geworden; immer mehr Städte und Gemeinden schließen sich der Initiative „Pestizidfreie Kommunen“ an. Und im Koalitionsvertrag der amtierenden Bundesregierung steht so viel über Biodiversität wie nie zuvor.

Selten habe ich in so kurzer Zeit so viel Erfreuliches zum Thema Naturschutz gehört wie in den letzten Septembertagen. Von erfolgreichen Renaturierungs- und Artenschutzprojekten war die Rede, von vielversprechenden Forschungsansätzen, ermutigenden politischen Initiativen. Die sich manchmal, wie im Fall der Proteste gegen die Rodung des Hambacher Forsts, sogar durchsetzen – zumindest vorläufig.

Aber so richtig euphorisch bin ich trotzdem nicht geworden.

Ich habe den 34. Deutschen Naturschutztag besucht, der in diesem Jahr in Kiel stattgefunden hat. Zwei Tage lang habe ich mir knapp zwei Dutzend Vorträge und Diskussionen angehört, zu so verschiedenen Themen wie Küstenvogelschutz, Insektenschwund, Biodiversitätsstrategien, Stadtnatur, Gänsemanagement und Pestizidverordnungen. Und das war nur ein schmaler Ausschnitt aus dem Programm, dessen Schwerpunkt in diesem Jahr, passend zum Tagungsort, auf Meeres- und Küstenschutz lag. (Eine spontane Solidaritätskundgebung für die Besetzer des Hambacher Forsts gab es natürlich trotzdem).

Panoramaaufnahme einer sehr großen Menschengruppe.
„Reden statt roden“ – die Teilnehmer des Deutschen Naturschutztages zeigten sich bei einer spontanen Kundgebung solidarisch mit den Aktivisten vom Hambacher Forst.
Jan Philipp Albrecht, Minister für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung des Landes Schleswig-Holstein bei einer Rede am 34. deutschen Naturschutztag.
„Wir wollen das ökologische Gleichgewicht und die Artenvielfalt unserer Meere bewahren.“ – Jan Philipp Albrecht, Minister für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung des Landes Schleswig-Holstein, hielt die Festrede auf dem Deutschen Naturschutztag.
Blick auf das Foyer der CAU mit der Ausstellung der Verbände und Organisationen
Im Foyer des Audimax' der Christian-Albrechts-Universität Kiel stellten Verbände und Organisationen Informationen über ihre Naturschutzarbeit aus.

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