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IPCC: Wie realistisch sind die Klimaziele noch?

Eine Presseschau zum Weltklimabericht

4 Minuten
Schwarz-weißes Bild eines Kraftwerks mit rauchenden Schornsteinen

Die Temperatur steigt schneller als gedacht und macht Wetterextreme wahrscheinlicher, sagt der Weltklimarat. Journalist:innen sind sich uneinig, was daraus folgt.

Schon vor sieben Jahren, in seinem letzten Sachstandsbericht AR5, hielt der Weltklimarat IPCC fest: Um den Klimawandel zu begrenzen, müsse man die Emissionen von Treibhausgasen „substanziell und nachhaltig“ reduzieren. Denn wenn die Emissionen in den folgenden Jahrzehnten gleichbleiben würden, werde man das 2-Grad-Ziel im Laufe des Jahrhunderts deutlich reißen. Doch die Welt hat auf diesen Wink mit dem Zaunpfahl nicht wirklich reagiert.

Zwischen 2010 und 2019 sind die globalen Emissionen aus fossilen Brennstoffen sogar um zehn Prozent gestiegen. Wie muss da erst das neue Fazit der Klimaforscher:innen ausfallen? Nun ja, sie wiederholen die Botschaft mit anderen Worten und konkreteren Angaben: Eine „starke und nachhaltige“ CO2-Reduktion könne den Klimawandel begrenzen. Und die 2-Grad-Marke werde schon zur Mitte des Jahrhunderts überschritten, wenn die Emissionen auf dem aktuellen hohen Niveau verharren.

Was machen wir Journalist:innen aus dieser längst bekannten Expertise? Wir arbeiten erst einmal die – wenigen – Neuigkeiten heraus. Ein zentraler Punkt: Die Temperaturen steigen derzeit schneller als gedacht. Viele Artikel beginnen damit, dass die Temperaturen weltweit schon in zehn Jahren 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau liegen dürften – und damit zehn Jahre früher als zuletzt vom IPCC vorhergesagt. So zu lesen beispielsweise bei der Tagesschau und dem Deutschlandfunk. Und so kurzfristig können wir Menschen kaum noch auf das Klima Einfluss nehmen. Dieser Temperaturanstieg lasse sich zwar durch drastische CO2-Einsparungen verlangsamen, aber nicht mehr verhindern, berichtet Die Zeit und folgert daraus: „Es scheint damit kaum mehr möglich, die Erderwärmung bei diesem Wert zu halten.“ Doch in diesem Punkt ist die Berichterstattung ambivalent.

Screenshot aus dem sechsten Sachstandsbericht des IPCC: fünf mögliche Temperatur-Szenarien für das 21. Jahrhundert werden gezeigt.
In seinem neuen Bericht stellt der IPCC fünf Szenarien dar. Die beiden blauen würden das 2-Grad-Ziel einhalten, gelten aber als kaum noch erreichbar. Die beiden roten sind ebenfalls nicht sehr wahrscheinlich. Der aktuelle Trend und die geplanten Maßnahmen zum Klimaschutz deuten auf das mittlere Szenario (in Gelb) als das derzeit realistischste hin. Es führt zu einem wahrscheinlichen Temperaturanstieg von 2,7 Grad bis zum Ende des Jahrhunderts.

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Alexander Mäder

Alexander Mäder

Alexander Mäder unterrichtet Journalismus an der Hochschule der Medien in Stuttgart. Er ist in zwei RiffReporter-Projekten aktiv: Klima wandeln und die ZukunftsReporter.


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