Der Goldschakal ist jetzt Deutscher

Mit Fuchs oder Wolf verwechselt, hat sich der Goldschakal unbemerkt von Südosteuropa nach Deutschland vorgearbeitet. Der Klimawandel half wahrscheinlich bei der Neubesiedlung.

7 Minuten
Porträt eines Goldschakals in einer Wiese

Deutschland hat eine neue Tierart. Auf ganz leisen Sohlen hat sich der Goldschakal aus seinen südosteuropäischen Verbreitungsgebieten nach Norden vorgearbeitet. Das beweisen die sich häufenden Zufallsnachweise dieses scheuen und überwiegend nachtaktiven Wolfsverwandten. Goldschakale können mit Wölfen und mit Füchsen verwechselt werden. Färbung und Gestalt gleichen verblüffend denen von Wölfen, seine Größe mit einer Schulterhöhe von meist unter 50 Zentimetern liegt viel näher beim Fuchs, genauso wie sein Gewicht von etwa 15 Kilogramm. Biologisch gehört der Goldschakal aber wie der Wolf zur Familie der Hunde. Die nächsten traditionellen Vorkommen gibt es in Ungarn.Unbekannt war bisher, ob die Sichtungen in Deutschland mehr belegen, als ein unter vielen Tierarten übliches Erkunden neuer Siedlungsgebiete durch sporadische Vorstöße.

Ein Vierteljahrhundert nach der ersten Sichtung gibt es jetzt den Beweis für Fortpflanzung

Nun gibt es aber einen ersten sicheren Nachweis dafür, dass sich die Art auch hierzulande fortpflanzt. In Baden-Württemberg konnte anhand von genetischen Untersuchungen an Schakal-Kot nachgewiesen werden, dass sich im Schwarzwald ein Familienverband etabliert hat. Zusammen mit Fotos von mehreren Tieren und sogar eines Welpen ist damit der erste Nachweis einer erfolgreichen Reproduktion erbracht – ein Vierteljahrhundert nach der ersten Beobachtung eines einzelnen Goldschakals in Deutschland.

Gibt es vielleicht auch schon andere Regionen, in denen der Goldschakal bei uns heimisch ist? Spielt der Klimawandel bei der Einwanderung eine Rolle? Und: Werden die Neubürger eine ähnlich emotionale Debatte auslösen, wie sie über den großen Verwandten, den Wolf, geführt wird? Darüber haben wir mit Jörg E. Tillmann gesprochen. Er ist stellvertretender fachlicher Leiter der Naturerbe GmbH der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), wo er die Themen Offenland- und Wildmanagement betreut. Mit der Ausbreitung des Goldschakals in Deutschland beschäftigt er sich seit längerem.

Jörg Tillmann hält einen jungen Wiedehopf in der Hand.
Jörg Tillmann ist bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt für den Schutz von Tierarten des Offenlandes zuständig, hier mit einem jungen Wiedehopf.
Ein Wolf an einer toten Kuh.
Großer Verwandter: Der Wolf ist deutlich größer und stärker als ein Goldschakal. Dennoch werden die Arten oft verwechselt.
Ein Goldschakal läuft mit einem Apfel im Maul auf einem Pfad.
Goldschakale sind Alesfresser. Wie ihre großen Verwandten, die Wölfe, lieben sie frisches Obst.

Verantwortlich im Sinne des Presserechts

Thomas Krumenacker

Herrnholzweg 7
13469 Berlin

E-Mail: hthomas.krumenacker@gmail.com

Weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Lektorat: Christiane Habermalz