Intransparente Fischerei in Mexiko: ein Einfallstor für Betrug und Kriminelle

Wer in Mexiko Fisch kauft, läuft Gefahr, die Mafia zu unterstützen. Das hat die NGO Oceana herausgefunden. Mithilfe namhafter Küchenchefs soll nun mehr Transparenz in die Lieferkette von Meeresprodukten kommen.

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Gelbe Fische vor einem bunten Korallenriff.

In den kristallklaren Wassern des Golfs von Kalifornien tobt ein blutiger Kampf. Es geht dabei um den Totoaba – oder Umberfisch. Er gilt in der chinesischen Küche als Aphrodisiakum und Verjüngungsmittel. Außerdem wird das Kollagen aus seiner Schwimmblase für bestimmte Suppenzubereitungen benötigt und gilt bei reichen Chinesen als Geldanlage und Prestigeobjekt. Deshalb zahlen Schmuggler mexikanischen Fischern zwischen 500 und 3.000 US-Dollar pro Kilogramm Schwimmblase. In China und Hongkong kostet die gleiche Menge dann bis zu 80.000 US-Dollar. Das ist mehr als Kokain kostet. Die Totoaba-Schwimmblase ist deshalb auch als „Meeresdiamant“ oder „Kokain der Meere“ bekannt. Ihre Vermarktung in Mexiko ist seit 1993 verboten, doch die Fischmafia schert das nicht. Sie attackiert sogar Boote von Umweltschützern im Golf von Kalifornien.

60 Prozent in der Grauzone

Was vom Fisch übrig bleibt, landet bei Fischhändlern, und dann – umetikettiert – auf Großmärkten und in Restaurants. Die geringe Transparenz der Fischerei in Mexiko öffnet der organisierten Kriminalität, dem Betrug an den Käufern und der Plünderung der Meeresressourcen Tür und Tor. Bei rund 60 Prozent der Vermarktung von Fischen geht es nicht mit rechten Dingen zu, hat die Umweltorganisation Oceana Mexiko in einer Studie ermittelt. „Man verkauft uns eine minderwertige Art als eine teurere, man gibt uns eine importierte oder in Aquakultur gezüchtete Art, als ob sie in mexikanischen Gewässern gefangen worden wäre, oder man verkauft uns gefährdete oder illegal gefangene Arten“, so der Bericht.

Viele Fischerboote im Morgenlicht am Strand. Fischer entladen Kisten voller Fisch.
Fischer landen mit ihrem Fang am Strand von Cancún-Mexiko.
Ein Fischer repariert sein Netz, auf einer Kiste sitzend im Boot, dahinter die türkisblaue Karibik.
Ein Fischer repariert sein Netz vor dem Hintergrund der türkisblauen Karibik.

„Eine gute Küche braucht ein gutes Produkt, und das gibt es nicht, wenn die Erzeuger davon nicht überleben können.“

Gerardo Vásquez

Köchin Moreno und Koch Vásquez, an einem Tisch sitzend, in der Mitte Oceana-Mitarbeiterin Aziz.
Pressekonferenz von Oceana bei der Vorstellung der Initiative vom Boot auf den Tisch in Mexiko-Stadt im September 2022.

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