Zukunftsgarten: „Wenn man Vielfalt fördern möchte, muss man Randzonen vergrößern“

Selbstversorgung – und das in einem naturnahen Garten. Gar nicht so einfach. Petra Römisch zeigt in Eschweiler, wie das mit Permakultur-Prinzipien erfolgreich möglich ist. Teil 2 einer Serie über „Zukunftsgärten“.

14 Minuten
Petra Römisch, Expertin für Permakultur in ihrem Garten in Eschweiler

Eine 1.800 Quadratmeter große grüne Wiese: eine Kuhweide am Ortsrand von Eschweiler. Darauf hat sie vor 21 Jahren mit ihrem Mann ihr Haus gebaut – und einen Garten eingerichtet. Heute ist Petra Römisch Permakultur-Designerin und in der Nachhaltigkeitsbildung tätig. Ihr Garten ist ein eingewachsener Permakultur-Garten und zugleich Ort für wissenschaftliche Studien, Fortbildungen in Permakultur-Design und nachhaltiger Bildung.

Dabei hatte Petra Römisch nicht gleich Permakultur im Sinn, als sie überlegte, wie sie den Garten anlegen wollte. Klar war: sie wollte einen naturnahen Garten – mit Selbstversorgung. Und sie wollte systemisch vorgehen: „Es reicht nicht zu sagen: Ich brauche einen Baum.“ Denn die Frage sei doch: Passt er noch in den Garten, wenn er groß wird? Passt das Klima in zwanzig Jahren auch noch zum Baum?

Licht und Schatten, Boden und Wasser gestalten verschiedene Zonen im Permakultur-Garten von Petra Römisch..
Licht und Schatten, Boden und Wasser gestalten verschiedene Zonen im Garten.

Der Permakultur-Garten: immer schön, immer in Veränderung

Schnell stellte Petra Römisch fest, dass die von David Holmgren entwickelten Design-Prinzipien für Permakultur ihr dabei halfen, diesen großen, systemischen Blick zu bekommen. „Ein Ökosystem ist stabil. Das heißt nicht, dass es starr ist. Es erhält sich dadurch, dass es immer wieder auf äußere Einflüsse reagiert.“ Genau das versuche man so zu integrieren, dass ein weitgehend sich selbst regulierendes und erhaltendes System entsteht.

Genügt es dem Garten beim Wachsen zuzusehen? „Ganz selbst erhaltend geht es nicht“, sagt Petra Römisch, denn „in dem Moment, in dem der Mensch Kultur schafft, muss er sich auch drum kümmern.“ Die Hühner beispielsweise kämen zwar im Sommer im Garten fast allein zurecht, doch im Winter sei es für sie einfach zu kalt und die Nahrungssuche schwierig: Die Würmer vergraben sich tiefer in die Erde, es gibt keine Beeren mehr.

Hühner lieben Kisten und Heu – in einem Hühnerhaus sind sie in der Nacht vor dem Fuchs sicher.
Das Hühnerhaus bietet in der Nacht Schutz, unter Tag einen ruhigen Rückzugsort – und im Winter einen warmen Raum.

Wasser – das Lebenselixier des Gartens

Die zwölf Permakultur-Prinzipien sind relativ abstrakt – und sollten in Bezug zueinander verstanden werden. Um sie anzuwenden, sagt Petra Römisch mit einem kleinen Augenzwinkern, reiche oft gesunder Menschenverstand.

Für den Garten gibt es eine Zisterne mit 7.500 Litern, die in einen Erdhügel neben der Garage versenkt ist. Das Regenwasser wird für den Garten, die Toiletten im Haus und die Waschmaschine genutzt. Über diesen Erdhügel lässt sich das begrünte Dach der Garage erreichen, das gleichzeitig als Terrasse dient.

Aber in längeren Trockenzeiten reicht die Zisterne nicht aus. In den Dürrejahren 2018,2019 und 2020 wurde es knapp: Deshalb hat sie eine Reserve eingerichtet. Sie verweist auf die vier großen Wasser-Kunststofftanks, sogenannte IBC-Container. Sie lehnen zwei über zwei gestapelt an der Hauswand und sind miteinander verbunden: „Die Wasserversorgung kommt vom Hausdach, geht in die Regenrinne und fließt in die Tanks: Die speichern 4.000 Liter.“ Weitere 1.000 Liter sammelt sie in Regentonnen von den Dächern ihrer Gartenhäuschen.

„Wie viel Niederschlag habe ich im Jahr? Wie viel kann ich auffangen? Was brauche ich an Speicher-Behältern?“ – das waren die Vorüberlegungen von Petra Römisch. Sie spiegeln sich in dem Permakultur-Prinzip Sorge für Stabilität und Krisenfestigkeit wider. Denn „sollte das Wasser mal ausfallen, habe ich immer noch Regenwasser zum Händewaschen“, erklärt Römisch.

Die Garage

Eine Garage ist eine Garage, eine Garage, eine Garage. Bei Petra Römisch ist die Garage eine Garage, eine Stützwand für den Erdhügel, eine Terrasse direkt vor der Küche und ein begrünter Dachgarten.

An der Garagenrückseite ist ein Wassertank in einen Erdhügel versenkt.
In dem mit Obststräuchern bepflanzten Erdhügel befindet sich ein Wassertank. Ein Weg führt über den Hügel auf das Garagendach.

Über den mit Obststräuchern bewachsenen Erdhügel, der den Wasserspeicher einschließt, geht es auf das begrünte Garagendach direkt neben dem Haus.

Die begrünte Dachterrasse bietet Platz für ein Hochbeet.
Auf der Garage bietet die Terrasse Platz für eine Bank, Tisch, Stuhl sowie einen kleinen Dachgarten mit Hochbeet.

Ein Tischchen, eine Bank, zwei Stühle auf Holzdielen: das ist die Terrasse vor der Küche. Daneben befindet sich ein kleiner Dachgarten und ein mit Holzlatten eingefasstes Hochbeet: Hier ist alles für ein heißes Frühbeet vorbereitet. Eine Schubkarre mit Pferdemist steht bereit. Der Mist soll in eine Schicht in das Beet eingearbeitet werden, um Wärme für die Tomaten zu erzeugen.

Wärmebeet für Tomaten auf dem Garagendach.
Der Mist für das „heiße Frühbeet“ muss nur noch eingearbeitet werden, um den kleinen Tomatenpflänzchen den richtigen Schub zu geben.

Zwar hat Petra Römisch auch ein kleines Gewächshaus, doch „wenn ich nur da die Tomaten anbaue und es in diesem Jahr viel Feuchtigkeit im Gewächshaus gibt, faulen sie und dann kann ich keine ernten. Wenn ich hingegen Tomaten an drei Standorten, also im Gewächshaus, im Beet und im Wärmebeet mache, ist es wahrscheinlicher, dass ich am Ende des Sommers etwas ernten kann.“ Das Permakultur-Prinzip Sorge für Stabilität und Krisenfestigkeit zeige sich in den verschiedenen Standorten für Wassersammeln oder für den Anbau von Tomaten.

Rundlauf für die Hühner

Der Blick vom Garagendach geht in zwei Richtungen: In einen kleinen Vorgarten mit Bienenhaus und Hühnern sowie in den Hauptgarten mit Teich, Weide, einer Streuobstwiese sowie einem 100 Quadratmeter großen Selbstversorgergarten. Im Frühjahr legen die sieben Hühner jede Woche etwa 45 Eier, die in den Verkauf gehen. Im Sommer sind es nur rund 30 Eier, im Winter nur noch 10. „Sie werden natürlich gehalten und nicht künstlich gewärmt und beleuchtet, “ erklärt Petra Römisch.

Im Vorgarten: Hühner, Bienen sowie eine Blumenwiese und Hochbeete
Der kleine Vorgarten: Hochbeete und Hühner, Bienen und Blumen auf einem nährstoffarmen Boden.

Die Hühner halten sich nicht nur im Vorgarten auf, sondern dürfen um den Garten herum, an einer Naturhecke entlang, in einem eingezäunten Areal alles bearbeiten – Unkräuter sind hier keine zu sehen. Außer Gehölze und Bäume sind im März keine anderen Pflanzen zu sehen.

Beachte natürliche Muster heißt ein weiteres Permakultur-Prinzip. Die erfahrene Hühnerhalterin erklärt: „Hühner scharren, graben und wälzen sich gerne in trockener Erde, um das Ungeziefer loszuwerden. Das muss ich berücksichtigen, wenn ich ein Hühnergelände plane. Wenn ich ihnen zu wenig Platz gebe, muss ich damit rechnen, dass ich irgendwann eine Wüste habe.“

Hühner halten den Boden verlässlich frei.
Wenn Hühner eng gehalten werden, halten sie den Boden verlässlich frei.

Im hinteren Gartenbereich steht das Hühnerhäuschen. Pünktlich zum Sonnenuntergang sind alle Hühner im Haus – eine Zeituhr-gesteuerte Falltür schließt es sicher ab. Dann sind die Hühner schon längst im Haus, einfach weil sie sich dort in der Dämmerung sicherer fühlen. Denn ab und zu kommt nachts ein Fuchs vom angrenzenden Feld vorbei. Das muss als Schutz reichen, denn „wenn ich das Gelände fuchssicher mache, kommen nachts keine Igel vorbei“, sagt Petra Römisch.

Einen Hahn gibt es nicht. Nicht mehr. Das Ende kam, als auf dem Nachbargelände neu gebaut wurde. Das Krähen in der Nacht wurde dem neuen Nachbarn rasch zu viel.

100 Quadratmeter Selbstversorgung

Der große Garten teilt sich in verschiedene Permakultur-Zonen auf. Vom Erdhügel an der Garage hinab geht es an einem großen Teich entlang zum eingezäunten Gemüsegarten. Es ist Mitte April. Der Garten strahlt in der Frühlingssonne. Gelbe Schlüsselblumen zieren den Weg – einmal ausgesät haben sie sich später selbst vermehrt.

Wege zur Zone 1 in der Permakultur müssen kurz sein: Hier der Weg zum Gemüsegarten.
Der kurze Weg zum Selbstversorger-Garten. Im Hintergrund die Trauerweide.

Im Gemüsegarten sieht es zu dieser Jahreszeit noch sehr übersichtlich aus – für die Katze ist im Beet genügend Platz. Der Garten ist die Zone 1: „Bereiche, die täglich Aufmerksamkeit brauchen, sollten so an wie möglich ans Haus heran“, erklärt Petra Römisch. Für Zone 2 genügt es, einmal in der Woche nachzuschauen. In den weiteren Zonen nimmt die Fürsorge weiter ab – bis zur Zone 5, dem Wildnisbereich, der kaum Beachtung benötigt.

Das Permakultur-Prinzip Finde für jedes Element den optimalen Platz im System hilft beim Planen zu entscheiden, was wo in welche Zone passt. Da der sonnenbeschiene Gemüsegarten auf der ehemaligen Kuhweide und gleichzeitig nah am Haus steht, hat er seinen optimalen Standort gefunden.

Angeblich mögen Schnecken kein rotes Gemüse. Der Katze ist es egal.
Schnecken mögen kein rotes Gemüse, zumindest nicht im Gemüsebeet von Petra Römisch.

Nur im Winter dürfen die Hühner in diesen Bereich, um Schneckeneier zu picken. „Damit wird die erste Schneckengeneration deutlich dezimiert“, hat Römisch beobachtet. Die Frage sei, „wo Natur die Arbeit übernehmen kann“. Mit verschiedenen Standorten und Sorten hält sie die weiteren Schneckengenerationen in Schach: „Schnecken gehen nicht an roten Salat und rote Bohnen. Deshalb baue ich nur die dunkelvioletten Buschbohnen an. Außerdem muss ich ja auch nicht das ganze Gemüse für mich haben.“

Der Permakultur-Gemüsegarten Mitte April.
Eine eigener Bereich für den Gemüsegarten – Mitte April.

Im 100 Quadratmeter großen Gemüsegarten selbst gilt das Permakultur-Prinzip: Gestalte reich an Abwechslung. Die Pflanzen werden gemischt gepflanzt, sodass sie sich gegenseitig nutzen. Möhren und Zwiebeln passen zusammen, oder auch Tomaten und Petersilie. Zum Kohl passen Ringelblumen, die im Boden Nematoden fernhalten. Zu den Mischkulturen gehören auch die Drei Schwestern: Mais, Kürbis, Bohne. „Aber in Deutschland sind die Drei Schwestern schwer umzusetzen“, weiß Petra Römisch. Sie hat es vergangenes Jahr versucht, aber es hat nicht funktioniert: Der Mais ist unter der Last der schweren Bohnen einfach umgekippt. „Man braucht Bohnen, die nur 1,50 Meter hoch werden“, meint sie. Vielleicht klappt es ja mit dem nächsten Anlauf.

Der gute Boden

Grundlage jedes guten Gemüsegartens ist der Boden. Petra Römisch setzt auf Gründüngung, Kompost und Mulch. „Wenn ich den Boden unbedeckt lasse, kommen die Bodenlebewesen nicht nach oben und der Boden verarmt.“ Nach der Aussaat bedeckt sie den Boden ganz dünn mit Rasenschnitt, den sogenannten Mulch.

Bei der Gründüngung pflanzt sie Sorten an, die den Boden mit ihren Wurzeln lockern und bestimmte Nährstoffe heranholen. Bei Bedarf können sie jederzeit in den Boden eingearbeitet werden. So wird der Boden mit Humus angereichert.

Gründünger lockert den Boden auf und bildet Kompost.
Phazelien lockern als Gründünger nicht nur verdichteten Boden auf, sondern sind auch eine Trachtpflanze für Bienen.

Petra Römisch hat den Boden untersuchen lassen. Bodenkundler von der Universität Bonn waren hier, um den Boden des Permakultur-Gartens, der nicht umgegraben und nur gemulcht wird, mit konventionellen Böden der Landwirtschaft zu vergleichen, die regelmäßig gepflügt und gedüngt werden. Im Ergebnis wies der Permakultur-Boden deutlich höhere Nährstoffwerte auf. Doch die Werte seien nur schwer miteinander zu vergleichen, meint Petra Römisch, da die Anbaumethoden und -ziele zu unterschiedlich seien.

Der Boden bleibt locker und lebendigt mit Mulch, Gründünger und Kompost.
Mulch, Gründünger und Kompost für den lebendigen Boden. Umpflügen ist nicht nötig.

Das Saatgut bezieht Petra Römisch von Bingenheimer und Dreschflegel, über Saatgutbörsen und anderen Tauschaktionen und natürlich aus eigenen Beständen. Um den optimalen Zeitpunkt für Aussaat und Ernte zu bestimmen, nutzt Petra Römisch das System von Maria Thun, einer Vorreiterin des biologisch-dynamischen Pflanzenbaus. Sie hat das Gärtnern nach dem Mond entwickelt. Die Tage für die Aussaat richten sich nach dem Mondkalender. Thun unterscheidet die Pflanzen nach dem, was geerntet werden soll: Wurzeln, Blätter, Früchte oder Blüte. „Wenn der Wurzel-Tag kommt, bearbeite ich meine Wurzelpflanzen. Dann werden sie gesünder und kräftiger, lagern besser oder gehen besser auf bei der Saat“ meint Petra Römisch. Akribisch mache sie das nicht, „aber bei Zwiebeln funktioniert es auf jeden Fall“, sagt sie: „Die Zwiebeln, die ich an Wurzeltagen ernte, werden im Lager nicht faul und halten den ganzen Winter.“

Zu den Blütenpflanzen zählen Brokkoli und Blumenkohl, zu den Wurzelpflanzen Kartoffeln, Mohrrüben und Rote Bete. Kohl, Salate, Mangold sind Blattpflanzen und zu den Früchten zählen Gemüse wie Paprika. „Je nachdem vor welchem Sternbild der Mond steht, hat er einen unterschiedlichen Einfluss auf unterschiedliche Pflanzenarten. Das hat Barbara Thun in jahrzehntelangen Versuchen nachgewiesen“, sagt Petra Römisch.

Das Gewächshaus

Im Gewächshaus lässt Petra Römisch den Feldsalat ausblühen, damit er sich selbst für den nächsten Winter aussät. Die Ackerbohnen sammeln Stickstoff in kleinen Wurzelknöllchen und verbessern so den Boden, damit dort Tomaten, Paprika und Gurken später besser wachsen. „Wenn die Pflanze den Boden düngt, muss ich das nicht tun, “ sagt sie.

Auch im Gewächshaus wird zwischen den Hochbeeten gemulcht.
Im kleinen Gewächshaus wachsen die ersten Pflänzchen heran.

Im Gewächshaus werden auch die Salate und der Rotkohl vorgezogen. Weißkohl und Kohlrabi hat Petra Römisch erst Mitte April ausgesät. Die Anzuchterde mischt sie jedes Jahr komplett neu aus ihrem eigenen Boden mit etwas eigenem Kompost. „Er wird nicht so heiß, dass er alle Unkrautsamen abtötet. Aber ich weiß bei den ersten grünen Spitzen, was ich ausjäten kann.“ Anders ist das bei Kompost aus dem Kompostwerk: „Hier kann man davon ausgehen, dass er steril ist.“

Sie gibt auch sterile Aussaaterde dazu, die mit Wurzelhormonen versehen ist. Die sorgen dafür, dass die Pflanzen schneller über die Wurzeln mit Nährstoffen versorgt werden können. Den Startzeitpunkt für die Aussaat bestimmen Licht und Temperaturbedingungen – und die Mondphase.

Mitte April hat sich der Rotkohl im Gewächshaus gut entwickelt.
Rotkohl im Gewächshaus, Mitte April.

Nischen in Zeit und Raum

Das kleine Gewächshaus ist eine Art Nische in Zeit und Raum, also ein Ort, der nach dem Verständnis von Permakultur zu ganz bestimmten Bedingungen genutzt werden kann. Eine natürliche Nische ist auch der schattige Platz unter der großen Trauerweide: Im März und April ist die Zeit der Frühblüher. Knoblauchsrauke und Bärlauch blühen in dieser Zeit und vermehren sich selbst. Die Wildtulpen werden später von Vexiernelken mit knallig-pinken Blüten abgelöst.

Bärlauch, Knoblausrauke und Zitronenmelisse gedeihen im Schatten unter der Trauerweide gut.
Bärlauch, Knoblauchsrauke und Zitronenmelisse gedeihen in der Schatten-Nische unter der Trauerweide im April.

Die Trauerweide ist für Petra Römisch „ein wahr gewordener Kindheitstraum“, doch die Entscheidung für die Weide vor 21 Jahren sieht sie nach vier Rückschnitten inzwischen als „klassischen Fehler, den man nicht machen sollte“. Bis zu zwanzig Meter kann die Krone umfassen – „das habe ich nicht glauben wollen, denn das ist ja das halbe Grundstück.“

„Aber was passiert, wenn ich sie einfach wachsen lasse?“, fragt sie sich. „Was passiert mit dem Gemüsegarten, wenn er zunehmend beschattet wird? Pflanze ich einfach weniger an? Was geschieht mit dem Teich, wenn immer mehr Blüten und Blätter hineinfallen? Hole ich mir dann ein Teichnetz? Das sind die Konsequenzen, die ich dann tragen muss.“ Im letzten Jahr war sie bereits so weit, die Weide fällen zu lassen. Doch: „Es ist so ein schöner Baum, der einzige hohe Baum in der ganzen Siedlung.“ Noch steht er.

Eigentlich gehört es zur Permakultur, nicht alles gleichzeitig anzufangen, sagt Petra Römisch, sondern an einer Stelle anzufangen und dann zu schauen, ob das funktioniert, was man begonnen hat. Erst dann geht es weiter. Der Garten verändert sich so immer weiter.

Der Waldgarten

Ein Stück versetzt von der Weide steht eine kleine Streuobstwiese mit Obststräuchern und -bäumen. Sie soll sich zu einem Waldgarten entwickeln. „Das ist ein typisches Permakultur-Projekt, bei dem man versucht, mit möglichst vielen essbaren Pflanzen und Pflanzen, die sich gegenseitig unterstützen, Strukturen zu bilden“, erklärt Römisch.

Eine junge Streuobstwiese soll später ein kleiner Permakultur-Agroforst werden.
Eine junge Streuobstwiese ist der Beginn eines Waldgartens.

Da es in einem Wald verschiedene Etagen gibt, kann auf engem Raum eine große Vielfalt entstehen: Zuerst die Bodendecker, dann die Sträucher und schließlich die Bäume. „Damit kann ich die Randzonen vergrößern“, sagt Römisch mit Blick auf das Permakultur-Prinzip Nutze Randzonen und schätze das Marginale, das davon ausgeht, dass wichtige Veränderungen von den Randzonen her angestoßen werden, in denen eine größere Vielfalt herrscht. „Das ist ja auch in Städten so, wo sich verschiedene Kulturen treffen: Da passiert einfach was. Wenn man Vielfalt fördern möchte, muss man die Randzonen vergrößern.“

Die Randzonen beginnen im Permakultur-Agroforst am Boden.
Randzonen beginnen im Waldgarten am Boden.

Zukunftsgärten der Permakultur

Im Nachbargrundstück beginnt etwas zu surren. Ein kleiner autonomer Mähroboter fährt über die glatte Wiese.

Nachahmer hat der Garten von Petra Römisch im näheren Umfeld anscheinend noch nicht gefunden, obwohl sie regelmäßig Kurse gibt und Führungen organisiert – und auch nebenbei samenfestes Saatgut tauscht. Doch in der Region ist der von ihr gegründete Verein BINE e.V. mit Veranstaltungen zur Bildung für nachhaltige Entwicklung bekannt. Er betreibt auch ein großes Streuobstwiesenprojekt in der Städteregion Aachen.

Als aktives Mitglied des Permakultur-Instituts und der Permakultur Akademie, die Kurse zu „Permakultur Design“ anbietet, konkretisiert Petra Römisch die Gestaltungsprinzipien der Permakultur in verschiedenen Zukunftsprojekten, zum Beispiel für Tiny Forests, Bodenaufbau, Ernährung und gemeinschaftliches Gärtnern.

Deutschlandweit interessieren sich immer mehr Menschen für nachhaltiges Wirtschaften und Permakultur. Einige setzen es in solidarischer Landwirtschaft um, Petra Römisch hat sich der Multiplikatorenarbeit verschrieben. Wie lautet dazu nochmal das passende Permakultur-Prinzip? Nutze Randzonen und schätze das Marginale. Denn Veränderungen beginnen am Rand, auch in Eschweiler.

Diese Garten-Reportage entstand dank eines Stipendiums von „Neustart Kultur“.

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