7 Tricks, die wir von Schafen lernen können

Field-Writer Gerhard Richter besucht eine Schafherde und entdeckt, warum das glücklich macht

6 Minuten
Fotoproduktion I wish: Gerhard Richter, 57, Schriftsteller und Naturvermittler. „Unser Umgang mit der Natur ist größtenteils barbarisch. Ich bekomme davon regelrecht Bauchschmerzen. Mit jedem entwurzelten Baum zerstören wir einen Teil von uns selbst. Ich wünsche mir deutlich mehr Respekt vor jedem einzelnen Lebewesen und dessen – sagen wir ruhig – Heiligkeit!“
Land Brandenburg, Wittstock, 29.10.2021

Trick 1: Schafe leben im Wir-Gefühl

Kaum beginne ich, den Schreibtisch auf der Wiese aufzuklappen, rennen die Schafe davon. In sicherer Entfernung stehen sie still und beobachten mich. Nachdem ich eine Weile getippt habe, merken die ersten: alles harmlos. Ein Schaf senkt den Kopf und beginnt zu grasen. Die anderen tun es ihm nach.

Schafe haben ein großartiges Gemeinschaftsgefühl. Sie sind ständig miteinander verbunden und reagieren blitzartig aufeinander. Jedes Schaf hat immer wenigstens ein oder zwei andere Schafe im Blick. Was ich auf dieser Schafweide schon direkt erleben kann, ist das vielbeschworene Wir-Gefühl. Schafe haben eine intensive Bindung untereinander und funktionieren nur als Herde. Das zu erleben, fühlt sich gut an. Und übrigens: Die Tiere sind alles andere als Schlafschafe. Dieser Begriff zielt weit am Wesen der Schafe vorbei. Die Schafe sind die ganze Zeit über hochaufmerksam und unglaublich präsent. Sie haben als Herde ihre Ohren und Augen überall, registrieren jede Bewegung und reagieren darauf.

Trick 2: Schafe sind nicht ehrgeizig

Auf der Weide grasen 15 Rauhwollige Pommersche Landschafe und drei Ziegen. Ziegen und Schafe haben ziemlich unterschiedliche Charaktere. Das sieht man am besten am Heuspender.

Der Heuspender sieht aus wie ein Altglas-Container. Außen ist er grün, innen ist er vollgestopft mit Heu. An der Seite sind breite Schlitze, aus denen die Tiere Halme herauszupfen. Die paar Ziegen, die mitgrasen, stecken ihre Köpfe bis zum Anschlag in die Schlitze. Mit aller Kraft bohren sie ihre Köpfe in den Heuspender hinein. Sie sind sich sicher: je schwerer das Heu zu erreichen ist, desto leckerer muss es sein. Wenn Ziegen könnten, würden sie auch versuchen auf fremde Planeten zu gelangen, weil in ihrer Logik dort die saftigsten Halme wachsen müssen.

Schafe sind klüger und zupfen gemächlich das Heu, das von selbst aus den Schlitzen quilt. Es ist genug und ohne jeden Aufwand zu haben. Ich schüttele meinen Kopf über den lächerlichen Ehrgeiz der Ziegen. Die Schafe tun nicht einmal das.

Ein Rauhwolliges Pommersches Landschaf hat einen schwarzen Kopf und blaugraue dichte Wolle. Dieses Schaf blickt aufmerksam in die Kamera
Schwarzer Kopf, blaugraues Fell – etwas anderes würde diesem Schaf nicht besser stehen…
Ein Heuspender sieht aus wie ein grüner Altglascontainer.. An der Seite sind Schlitze, aus denen die Schafe und Ziegen das Heu herauszupfen können.
In der kalten vegetationsarmen Zeit freuen sich Schafe und Ziegen über Heu aus dem Heuspender.
Kleine Schafköttel  verwittern bei Regen und Sonne und zerfallen in kleine unverdaute Grasstückchen und in Dünger
Schafköttel zerfallen bei Regen und Sonne in kleine unverdaute Grasstückchen und Dung
Das Fell eines Schafes. Dichte Wolle, vom Regen gewaschen, von der Sonne gebleicht.
Im Fell eines Rauhwolligen Pommerschen Wollschafs bleiben Samen hängen und werden von den Schafen von einer Weide zur nächsten getragen
Eine kleine Herde Landschafe zwischen hohen Gräsern in der Landschaft. Im Hintergrund ein Fluss. Die Farbe der Schaffelle harmoniert mit den trockenen Gräsern.
Gehören eng zusammen: Landschaf und Landschaft

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Lektorat: Christiane Schulzki-Haddouti

Fotografie: Gerhard Richter, Gerhard Westrich