Kernfusion: Physiker fordern mehr Geld, breitere Ausbildung und sanfte Regeln

Schon in 20 Jahren könnte in Deutschland ein Fusionskraftwerk gebaut werden, wenn die Politik mitspiele, meinen Experten. Unklar bleibt die Rolle der Fusionsenergie in der Energiewende.

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Montage der Grafitkacheln im Plasmagefäß des Fusionsreaktors Wendelstein 7-X in Greifswald.

Des Hypes verdächtig sind die Experten kaum, die der Deutsche Bundestag vor Kurzem zum Thema Kernfusion anhörte. Trotzdem machen sie ein großes Versprechen: In 20 Jahren könne die Energiequelle der Sonne auf der Erde zur Stromproduktion dienen.

Allerdings zählten die 20 Jahre ab dem Zeitpunkt, an dem man richtig investiere und das nötige „Ökosystem“ aufbaue, schränkt Hartmut Zohm vom Max-Planck-Institut für Plasmaphysik ein, der an der Planung eines Demonstrations-Fusionskraftwerks mitwirkt, das nach 2035 gebaut werden soll. Was sie als nötig ansehen, um dieses Ziel zu erreichen und welche Fallstricke es gibt, legten die acht Experten vor dem Bundestagsausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung dar.

Sichere und praktisch unerschöpfliche Energie

Die Kernfusion gilt als praktisch risikofreie und unerschöpfliche Energiequelle. In einem Fusionsreaktor verschmelzen Atomkerne verschiedener Wasserstoffarten zu Helium. Dabei wird viel Kernbindungsenergie frei, eine besonders starke Energieform.

„Ein Kilogramm Brennstoff reicht aus, um ein Großkraftwerk einen Tag lang zu betreiben“, sagt Thomas Klinger, Direktor am Teilinstitut Greifswald des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik, wo der Forschungsreaktor Wendelstein 7-X entwickelt wird. „Wie auch immer wir das zum Laufen kriegen, das ist es wert“, meint der Plasmaphysiker.

Fusionskraftwerke produzieren keine langlebigen radioaktiven Abfälle. „Und es gibt kein Havarierisiko“, sagt Klinger. Denn anders als in Kernkraftwerken gibt es keine Kettenreaktion, die sich verselbständigen könnte. Vielmehr hängt die Fusion des Brennstoffs von einer Energiezufuhr von außen ab, die sich bei einem Fehler abschalten lässt.

Mehr private und staatliche Gelder fließen in die Fusionsforschung

Fusionsenergie könnte helfen, den wachsenden Energiehunger der Menschheit CO2-neutral zu stillen. Strom soll immer mehr zum universellen Energieträger werden, also möglichst alles antreiben, auch Autos und Heizungen. In Deutschland könnte der Strombedarf bis 2050 um 60 Prozent steigen.

Skizze des Magnetfusionsreaktors ITER im südfranzösischen Cadarache.
Skizze des Magnetfusionsreaktors ITER im südfranzösischen Cadarache.
Skizze des Reaktorgebäudes von des im Bau befindlichen Fusionsreaktors ITER in Südfrankreich. Die Zeichnung enthält alle Geräte, Versorgungsleitungen und elektrische Kabel und gibt einen Eindruck von der hohen Komplexität der Anlage.
Skizze des Reaktorgebäudes des im Bau befindlichen Fusionsreaktors ITER in Südfrankreich. Die Zeichnung enthält Geräte, Versorgungsleitungen und elektrische Kabel und gibt einen Eindruck von der hohen Komplexität der Anlage.

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