Folgen des Ukraine-Kriegs in Nigeria: Brot wird knapp, Dünger selbst produziert

Der Krieg in Osteuropa hat Auswirkungen bis nach Westafrika. In Nigeria, Afrikas bevölkerungsreichstem Land, sind die Folgen in der gesamten Produktionskette von Lebensmitteln spürbar. Bäcker pumpen beispielsweise Luft in ihr Brot, um den Weizenmangel zu verbergen. Aber auch positive Folgen der Krise deuten sich an: Landwirte wenden sich organischem Dünger zu, und neue Unternehmen hoffen, durch den Konflikt entstandene Geschäftslücken füllen zu können.

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Ein Brotverkäufer steht neben Laiben des beliebten Agege-Brotes in Lagos, Nigeria

Abilan Waliu ist einer von Hunderten von Bäckern, die in kleinen Länden in Isolo arbeiten, einem Stadtviertel am Rand der nigerianischen Wirtschaftshauptstadt Lagos. Das Viertel ist ein Gewirr von Straßen, in denen kleine Fabriken mit holz- oder dieselbetriebenen Öfen neben Häusern aus der Kolonialzeit stehen. Bei einigen sind die ehemaligen Besitzer auf der Veranda bestattet. In Isolo lassen sich die Händlerïnnen von den kulturellen Begräbnisriten, die gleich nebenan stattfinden, nicht in ihrer Geschäftigkeit stören. In diesem Viertel finden jeden Tag Tausende von Brotlaiben ihren Weg in die Häuser und in die Mägen der Bewohnerïnnen. Doch nun hat der Krieg zwischen Russland und der Ukraine, der tausende von Kilometern entfernt geführt wird, die Backverfahren von Waliu und seinen Kollegïnnen verändert. Waliu ist der einzige von mehreren Bäckern der zugibt, dass er den Luftanteil in seinem Brot erhöht, um den gestiegenen Preis für Mehl auf diese Weise auszugleichen.

Die beiden kriegführenden Länder exportieren mehr als ein Viertel des weltweiten Weizens.Wie Waliu erklärt, können er und seine Kollegïnnen trotz der gestiegenen Weizenpreise auf dem Weltmarkt wirtschaftlich nur überleben, wenn sie das Getreide in ihren Broten zum Teil mit Luft ersetzen und so die Laibe auf die Vorkriegsgröße bringen.

“Seit März ist Mehl das größte Problem. Im Januar konnten wir einen Sack Mehl für 15.000 nigerianische Naira kaufen, jetzt sind es 23.000. Alles ist teuer geworden. Wenn man Diesel, Butter und Zucker hinzurechnet… Ein Laib, den wir früher für N100 verkauft haben, kostet jetzt 150. Der ehemalige 200-Naira-Laib kostet jetzt 300 Naira”, sagt Waliu.

Laibe des beliebten „Agege-Brotes“ werden in einer Straße in Lagos, Nigeria, ausgestellt. Die Kunden können es mit Butter, Margarine, Mayonnaise oder sogar mit Bohnen und Kochbananen essen.
Die nigerianischen Agege-Brote werden in der Regel „nackt“ angeboten, weil die Kunden sich für eine Größe entscheiden, das Brot dann aufschneiden und mit Butter, Margarine, Mayonnaise oder sogar Bohnen und Kochbananen bestreichen, bevor sie es für den Kunden einpacken.
Ein Reisbauer spaziert durch die Ernte in Kebbi, Nordnigeria.
Die nigerianischen Reisbauern rechnen damit, dass der Konflikt in Europa die Düngemittelpreise auch über die aktuelle Trockenzeit hinaus beeinflussen wird.
Eine Reisbäuerin inspiziert ihre Ernte auf einem großen Feld im Bundesstaat Kebbi, Nordnigeria
Die Preise für Düngemittel werden in der kommenden Agrarsaison voraussichtlich deutlich höher sein, solange Nigeria die durch den Krieg in Osteuropa entstandenen Versorgungslücken nicht ausgleichen kann.

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