1. RiffReporter /
  2. International /
  3. Tansania: Rückkehr zur Demokratie unter der neuen Präsidentin?

Neue Präsidentin in Tansania: Kehrt das Land zur Demokratie zurück?

Das ostafrikanische Tansania ist politisch in Bewegung, seit Samia Suluhu Hassan Mitte März dieses Jahres ihren Amtseid leistete.

von
06.05.2021
9 Minuten
Samia Suluhu Hassan am Rednerpult, eine Hand streckt sie gen Himmel, mit der anderen hält sie das Mikrofon.

Im ostafrikanischen Tansania scheint sich einiges zu verändern, seit Präsidentin Samia Suluhu Hassan am 19. März dieses Jahres ihren Amtseid leistete. Die 61-jährige bisherige Vize-Präsidentin übernahm das höchste Staatsamt von ihrem kurz zuvor verstorbenen Amtsvorgänger Präsidenten John Magufuli.

Eine junge Frau steht vor ihrem Marktstand. Bananen, Ananas, Papaya und Avocados sind sorgfältig angeordnet.
Die Händlerin Aliya Yusto hofft, dass die neue Präsidentin vieles verändert

Aliyc Yusto hat ihren Verkaufstand an einer der belebten Straßen im Zentrum von Dar es Salaam aufgebaut. Die 23-Jährige hat sich viel Mühe damit gegeben, ihre Ananas, Avocados, Bananen und Papayas so ansprechend zu arrangieren, dass Passanten ihrem Obst und Gemüse nicht widerstehen können. Wassermelonen und Ananas schneidet sie am frühen Morgen in mundgerechte Stücke, damit sie auch als Snack im Gehen gegessen werden können.

Viele Menschen sind erleichtert. (Maria Sarungi Tsehai, Journalistin)

Wie viele andere Bewohnerinnen und Bewohner der tansanischen Hafenstadt auch, hat sie die turbulenten politischen Ereignisse in ihrer Heimat in den vergangenen Wochen wie gebannt verfolgt. Die junge Händlerin blickt jetzt etwas zuversichtlicher in die Zukunft als vor dem überraschenden Wechsel im tansanischen Präsidentenamt. „Ich verspreche mir viel davon, dass wir nun zum ersten Mal überhaupt eine Frau an der Spitze des Staates haben“, sagt sie.

Erste Frau, erste Muslima

Präsidentin Samia Suluhu ist außerdem die erste Muslima in diesem Amt, und die erste Vertreterin der halbautonomen Insel Sansibar, die zu 99 Prozent muslimisch ist. 2015 wurde sie – nach Ministerposten in Sansibar und in der nationalen Regierung – Vizepräsidentin von Tansania. Sie hat einen Abschluss in Wirtschaftswissenschaften an der Universität Manchester, arbeitete anschließend für das UN-Welternährungsprogramm und hatte dann verschiedene Posten in der Verwaltung Tansanias.

Die Obst- und Gemüsehändlerin Aliyc hofft nun vor allem, dass die Präsidentin künftig mehr in das Gesundheitssystem investiert, das sie nicht nur in Pandemie-Zeiten als völlig unzureichend empfindet. „Ich komme ursprünglich aus dem Dorf Sindiga“, erzählt sie.

„Dort ist die medizinische Infrastruktur so schlecht, dass viele Frauen bei der Geburt ihrer Kinder sterben. Ich hoffe, dass Präsidentin Samia Suluhu daran etwas ändert.“ Außerdem müssten die Frauen in Sindiga, einem Dorf im Zentrum des Landes, immer viele Kilometer gehen, um sauberes Wasser zu finden. Auch bei diesem Thema hofft Aliyc auf die neue Präsidentin.

Zu sehen sind die voll besetzten Tribünen in einem Stadion, auf einer riesigen Leinwand ist das Bild des verstorbenen Präsidenten John Magufuli projiziert.
Der verstorbene Präsident Magufuli liebt es, vor den Massen aufzutreten.

Kostenfreien Newsletter bestellen

Sie möchten regelmäßig über neue Beiträge dieses Projektes informiert werden? Dann bestellen Sie hier unseren kostenlosen Newsletter.

Der tansanische Unternehmer Dominick Khalipa ist ein vergleichsweise uunger Mann, der freundlich guckt und selbstbewusst wirkt.
Der tansanische Unternehmer Dominick Khalipha hofft, dass die Steuerbehörde künftig berechenbarer wird.
Kaufen Sie diesen Artikel.
Bettina Rühl

Bettina Rühl

Bettina Rühl lebt seit 2011 als freie Korrespondentin in Nairobi. Ihre Radio-Dokumentationen und Features wurden mehrfach ausgezeichnet, unter anderem 2020 mit dem deutschen Bundesverdienstkreuz. Sie ist Vorsitzende des Korrespondentennetzwerkes weltreporter.net.


Afrika-Reporter

Afrika ist ein vielfältiger Kontinent, der häufig pauschal dargestellt wird. Obwohl er sich rasant verändert, überwiegen oft überholte Stereotype. Wir vermitteln Ihnen ein aktuelles, alltagsnahes, differenziertes Bild.

Als freie Korrespondentinnen des Netzwerks weltreporter.net leben und arbeiten wir seit Jahrzehnten in afrikanischen Ländern. Im Online-Magazin „Afrika-​Reporter“ bündeln wir unsere langjährige Kompetenz. 

Unsere Beiträge gibt es im Einzelkauf, im Afrika-Reporter-Abo und als Teil der RiffReporter-Flatrate.

Kostenloser monatlicher Newsletter | Leseproben | Twitter | Über uns

Verantwortlich im Sinne des Presserechts

Bettina Rühl

c/o ARD German Radio
P.O. Box 47021
00100 Nairobi

E-Mail: ruehl@weltreporter.net

www: https://weltreporter.net/author/bettina_ruehl/

Tel: +254 728 533394

Weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Lektorat: Ramona Seitz
Redaktion: Leonie March