Proteste gegen Shell in Südafrika

Umweltschützer wollen Öl- und Gas-Exploration vor ihrer wilden Küste verhindern

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Die Schwanzflosse eines Wals ragt aus dem Wasser, er taucht gerade vor den grünbewachsenen Dünen der südafrikanischen Küste ab

Seit Wochen regt sich Widerstand an der südafrikanischen Küste: Mit Protestaktionen und Petitionen wehren sich Umweltschützer, Klimaaktivisten, Indigene und Fischer gegen Pläne des Mineralölkonzerns Shell. Mit seismischen Untersuchungen will das Unternehmen vor der Wild Coast nach Gas und Öl suchen. Die Gegner des Vorhabens sehen darin sowohl eine Gefahr für Meeresbewohner, insbesondere Wale, als auch für die Bevölkerung in der Region. Mit einem Eilantrag vor Gericht haben sie versucht, den Start des Projekts, der bereits für den 1. Dezember geplant war, zu verhindern. Eine weitere Klage ist anhängig.


Die südafrikanische Küste ist mehr als 2.800km lang – um welche Gegend geht es bei dieser Kontroverse und was hat Shell dort vor?

Es geht um ein mehr als 6.000 Quadratkilometer großes Gebiet im Indischen Ozean vor der sogenannten Wild Coast zwischen den Orten Morgans Bay und Port St Johns. In unmittelbarer Nähe liegen vier Meeresschutzgebiete, die sich durch einzigartige Biodiversität und eine hohe Zahl endemischer und teils bedrohter Arten auszeichnen. Die Gegend liegt auch auf der jährlichen Migrationsroute von Walen und Meeresschildkröten.

In einer Nähe von bis zu 20 Kilometern vor dieser Küste will der Shell-Konzern etwa fünf Monate lang in Tiefen bis zu 3.000 Metern seismische Untersuchungen durchführen, um die Größe und Tiefe möglicher Öl- und Gasvorkommen zu erkunden. Das Schiff „Amazon Warrior“ wird dazu sogenannte Luftkanonen durchs Meer ziehen, die rund um die Uhr, alle zehn Sekunden Druckimpulse abfeuern. Der Schall wird vom Meeresboden reflektiert, wodurch Rückschlüsse auf geologische Formationen möglich sind.

Welche Gefahren sehen die Gegner der Exploration?

Die erste Sorge gilt den Lebewesen im Ozean, vor allem Säugetieren wie Walen und Delfinen, die schließlich selbst Schall einsetzen, um zu kommunizieren, navigieren und Nahrung zu finden. Durch die Lärmbelastung könnten beispielweise Wale zeitweise das Gehör und damit auch ihre Orientierung verlieren, heißt es auch von der deutschen Stiftung Meeresschutz, die die südafrikanischen Umweltschützer unterstützt.

Eine Studie des Umweltbundesamtes habe bereits 2014 gezeigt, dass die „impulshaften Schallemissionen (…) noch in 2.000 Kilometern Entfernung Meeressäuger stören.“ Sprich, auch in den angrenzenden Meeresschutzgebieten. „Die durch seismische Tests ins Meerwasser eingebrachte Schallenergie steht (…) an dritter Stelle entsprechender schädlicher menschlicher Aktivitäten für die Meeresumwelt“, so die Stiftung. Davon sind auch kleinere Arten betroffen, die eine große Rolle für das ökologische Gleichgewicht spielen.

Ein Fluss mündet an der Wild Coast ins Meer, die Dünen sind grün bewachsen, der Indische Ozean türkisfarben
An Südafrikas Wildcoast

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