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Ein Film, um Beweise zu sichern

Der Regisseur Thierry Michel dokumentiert die Massaker im Kongo

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Filmplakat und Foto des Regisseurs

Sein elfter, vielleicht sein wichtigster und sein wahrscheinlich letzter Film über ein Land, dem er eng verbunden ist: In „L’empire du silence“ (Das Reich der Stille) dokumentiert der belgische Regisseur Thierry Michel 25 Jahre Gewaltgeschichte in der Demokratischen Republik Kongo. Nach seiner Premiere in Brüssel Ende Oktober wurde der Film bei den Filmfestspielen von Karthago (JCC) nun zum ersten Mal in Afrika gezeigt. Ende des Monats will der Dokumentarfilmer ihn nach Kinshasa bringen. Ein gefährliches Unterfangen.

„L’empire du silence“ zeichnet nach, wie das Land seit 25 Jahren in einer Spirale der Gewalt gefangen ist, wie Politiker, die kongolesische Armee, aber auch die der Nachbarstaaten Ruanda und Uganda, wie Milizen und bewaffnete Gruppen für Massaker verantwortlich sind, die hunderttausende Zivilisten das Leben gekostet haben. „Man muss tausend Menschen töten, um im Kongo General zu werden“, sagt ein Pastor im Film. Er hat als einer der wenigen 1998 ein Massaker in seiner Kirche in Kasika in der Region Süd-Kivu überlebt.

„L’empire du silence“ steht in direkter Kontinuität von Thierry Michels vorherigen Films über den Arzt und Friedensnobelpreisträger Denis Mukwege, den er in „The man who mends women“ 2015 porträtierte. „Nachdem ich einen Film über die Opfer gemacht habe, war es wichtig, einen Film über die Ursachen des Übels zu machen, das heißt über die Täter“, so der Regisseur. In seiner Nobelpreisrede sprach Mukwege, der Überlebende sexueller Gewalt behandelt, 2018 von „den Namen, die keiner nennen will“ – auch er nannte die Namen der Verantwortlichen damals nicht, aus Selbstschutz. „Ich kann ihn verstehen, denn auch zwei seiner Mitarbeitenden wurden ermordet“, sagt Thierry Michel.

Das Schweigen brechen

Dass diese Generäle, Milizenführer und andere Verantwortliche für die Verbrechen der Vergangenheit heute wichtige Posten innehaben, ist der Skandal, den Michel mit seinem Film aufdecken will. Zum ersten Mal brechen einige Protagonistïnnen ihr Schweigen und nennen offen die Namen der Täter, die heute Schlüsselpositionen in Regierung und Armee besetzen.

Seit seinem ersten Film, in dem er sich mit dem Kongo beschäftigt, „Zaïre, le cycle du serpent“ (1992) hat Thierry Michel dort elf Filme gedreht. Über Mobutu, die Bergbauregion Katanga, wo in den Minen seltene Mineralien für den Weltmarkt abgebaut werden, den Kongo-Fluss oder den Mord an dem prominenten Menschenrechtler Floribert Chebeya. Einige haben dafür gesorgt, dass Michel festgenommen, ausgewiesen und verklagt wurde. Der Filmemacher ist immer wieder zurückgekehrt. Doch sein jüngster Film werde auch sein letzter über das zentralafrikanische Land sein, kündigte er bei der Premiere an.

Keine Konsequenzen für die Täter

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Sarah Mersch

Sarah Mersch

Sarah Mersch berichtet als freie Korrespondentin aus Tunesien. Sie ist Mitglied von Weltreporter.net.


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