Klimaschutz, bis der Po schmerzt: Eine Bahnfahrt von New York nach Miami

Wer die Vielfalt der USA erleben möchte, steigt am besten in den Nachtzug. Eine Reise mit Mini-Toiletten, Mikrowellen-Essen und „Stretch Stops“, bei denen sich niemand bewegt.

8 Minuten
Ein Zug wartet am Bahnhof, eine Frau rennt zur Tür

Wo ist er nur? Nervös mustert die Frau in Wagen 13 ihr Abteil. Eigentlich fehlt es an nichts: Zwei Sitze, die sich zu einem Bett zusammenschieben lassen, ein kleines Waschbecken, Handtücher, Klapptisch und sogar eine eigene Toilette, direkt neben dem Sitz.

Doch für all das hat die Dame keine Augen. „Wo ist bloß der USB-Anschluss?“, ruft sie in den Gang, noch bevor der Zug überhaupt losgefahren ist.

James Thomas, der Schaffner, eilt zur Hilfe: „Sorry, Ma’am, das ist der Silver Star. Hier können wir nur mit Steckdosen dienen.“ Die Frau nickt, stöpselt ihr Handy ein und zieht die Vorhänge zu.

Die nächsten Stunden wird man nichts mehr von ihr hören, mit Ausnahme der Klospülung.

Amerika in allen Facetten

Es ist Montagvormittag, 11:10 Uhr, als sich der Silver Star in Bewegung setzt. 15 Waggons, 300 Passagiere, Spitzengeschwindigkeit 200 km/h. Noch aber rollt er gemächlich über die Gleise, Startpunkt: New York Pennsylvania Station. Hochhäuser sind nicht zu sehen, weil der Zug die Metropole durch einen Tunnel verlässt.

Das Ziel: Florida. Über 32 Stunden wird die Fahrt bis Miami dauern, 2.000 Kilometer, in denen sich nicht nur Landschaften und Temperaturen rapide ändern.

Ob Fabrik oder Bauernhof, Glanz oder Gosse – am Fenster des Silver Star zieht Amerika in all seinen Facetten vorbei.

Ein Schaffner mit Mund-Nase-Schutz steht im Gang eines Zugwaggons.
Zugbegleiter James Thomas kontrolliert nicht nur Fahrkarten, sondern putzt auch Toiletten und sortiert Gepäck.
Landkarte zeigt Streckenverlauf des Silver-Star-Zuges an der amerikanischen Ostküste
32 Stunden braucht der „Silver Star“ von New York bis Miami
Blick in den Waggon eines Amtrak-Zuges. Im Privatabteil sieht man eine aufgeklappte Toilette
Nicht ohne mein WC: Die älteren Abteile verfügen allesamt über eine eigene Toilette.
Privatabteil mit gepolsterten Sitzen und Waschraum
Ein neues Privatabteil im Amtrak-Zug. Hinter der Tür befindet sich der persönliche Waschraum mit Dusche und WC.
Ein Amtrak-Zug wartet am Gleis
Bereit zur Abfahrt!
Mann lehnt aus Tür des Amtrak-Waggons
Der Brite John Toben fährt nach Florida, um sich einen Raketenstart anzuschauen
Familie sitzt im Speisewagen am Tisch
Verpackungsmüll inklusive: Ellen Stange (rechts) nimmt den Silver Star, um ihre Enkelin zu besuchen
Eine Passagierin fährt am Bahnsteig mit einem Mini-Gepäcktransporter vor
Amtrak-Mitarbeitende nehmen eine Passagierin an Bord
Blick aus dem Zugfenster. Zu sehen sind Schienen und parkende Autos.
Ob Glanz oder Gosse, Prunkbau oder Industriebrache: Am Fenster des Amtrak zieht das Land in all seinen Facetten vorbei.
Blick aus dem Zugfenster. Die Sonne geht unter.
Gute Nacht, Amtrak! Am nächsten Morgen werden die Fahrgäste in einer anderen Klimazone erwachen.
Wandbild am Bahnhof zeigt feine Dame mit Hut im Zugabteil
Wandbild neben dem Gleis in Richmond, Virginia. Mit dieser romantisierten Version hat die echte Bahn-Fahrt wenig gemein.
Ein Amtrak-Mitarbeiter lädt Koffer aus dem Gepäckwagen aus.
Fast wie am Flughafen: Ein Amtrak-Mitarbeiter lädt Koffer aus dem Gepäckwagen aus.

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