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„Abenteuer als nachhaltige Erfahrungsmöglichkeit retten“

75 Jahre Reinhold Messner – eine sportphilosophische Hommage

14.09.2019
3 Minuten
Vater und Sohn auf einem verschneiten Berghang in Skitourenausrüstung.

Mit fünf spektakulären Fotografien aus Alpen und Iberischem Randgebirge

Es gilt, das Abenteuer als nachhaltige Erfahrungsmöglichkeit zu retten.

Zitat: Reinhold Messner [Quelle unten]; sportphilosophische Betrachtungen: Martin C Roos.

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Zwei Kletterer hängen noch in der Steilwand, andere begehen weiter oben einen Firngrat.
Drang zum kalkulierten Wahnsinn: Eiskletterer kurz nach Sonnenaufgang.

Der Sportphilosoph sieht vor allem den jungen Messner als Rebell gegen das Streben nach Sicherheit, gegen Sattsein und Gleichmaß. „Wir ersticken an unserem Sicherheitsbedürfnis.“ Die moderne Gesellschaft versuche alle Risiken zu domestizieren und das Unberechenbare zu töten. Was jedoch hat das damit zu tun, wie Messner seinerzeit (als erster) ohne künstlichen Sauerstoff den Everest zu bezwingen? Oder damit, keine Bohrhaken zu setzen beim Klettern?

Kletterin vor Abbruchkante
Das Unberechenbare nicht „töten“, sondern am Leben erhalten.
sekrechte Fotografie von oben auf einen Klettertrupp
„Risikotechniken, um ein Selbsterleben neu zu ermöglichen“
Mann vor Abgrund
„Risikotechniken in erster Linie für sich selbst“

Ob Himalaja, Antarktis oder Nordpol: Dass Messners "Lebens-Rezepte“ sich nicht uneingeschränkt zum „Nachkochen“ eignen, liegt für uns Otto-Normal-Abenteurer auf der Hand. Aber gerade darin liegt wohl das Missverständnis, dem viele von Messners Kritikern erliegen: Der Südtiroler hat seine Risikotechniken in erster Linie für sich selbst inszeniert. Darauf besteht er in einem von Caysa editierten Interview [2].

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Mann auf einem Berggrat
„das Leben als Kunstwerk inszenieren“

Unbenommen sei Messner, eine Möglichkeit gefunden zu haben, das Leben als Kunstwerk zu verstehen. Auch wenn den „Lebenskünstler“ durch seine Selbstinszenierung eine Art Mitschuld trifft, dass sich Extremsport als käufliche Dienstleistung etablierte: als jener Dienstleistungssport, den Messner ja auf der anderen Seite vehement kritisiert. Diese Kritik dürfen Extrem-Abenteurer heute insofern als höhnisch auffassen, als die im Zuge des Dienstleistungswesens wachsende Technisierung die Risiken des Grenzgangs und damit die Möglichkeit zu „Risikotechniken“ tilgt.

weiterführender Beitrag vom RadelndenReporter:

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Quellen

  1. Reinhold Messner: Gobi – die Wüste in mir; Dumont 2019.
  2. Volker Caysa, Wilhelm Schmid (Hrsg.): Reinhold Messners Philosophie; Suhrkamp 2002.
  3. Friedrich Wilhelm Nietzsche: "Also sprach Zarathustra: Ein Buch für Alle und Keinen" (1883—1885), Kapitel 20.
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Martin C Roos

Martin C Roos

Ich texte und fotografiere seit 1996 freiberuflich für Internetmedien, Magazine und Zeitungen. Themen schöpfe ich aus den LifeSciences, aus der Geographie und mitten aus unserem Land, dem ich seit 2018 als RadelnderReporter auf den Zahn fühle.


RadelnderReporter

Rasch reagieren, spontan auf's Rad steigen, vor Ort recherchieren – mit unverstellter Neugierde, aus eigener Muskelkraft: So gehe ich auch kleine Themen an, aus denen sich bisweilen große Fragen formen. Wie geht’s Deutschland? Unter diesem Motto gab ich 2019 meinen Einstand als RadelnderReporter. Er ist mein Signum und meine Hommage an Egon Erwin Kisch. Seit 2021 sind meine Schwerpunkte Umwelt, Wirtschaft sowie Politik und Kultur. Über das Erscheinen von Texten, Bildern und Clips informiert der kostenlose Newsletter. Hier finden Sie Infos zu meiner Person sowie zum aktuellen Deutschlandbuch.

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