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Der andere Besuch bei Grass

Im Rahmen des „virtuellen Archivs“ sind Exponate interaktiv in 3D-Animationen zugänglich.

von
21.12.2020
eine Minute
Grabstein von Günter Grass im holsteinischen Weiler Behlendorf.

So grün wie auf dem Foto lässt sich das Grab von Günter Grass erst wieder ab Mai erleben. Aber seit dem Wochenende gibt es dafür einen völlig neuartigen Zugang zu Schaffen und Werk des Nobelpreisträgers. Das Grass-Haus in Lübeck hat sein digital inszeniertes Archiv eröffnet. Knapp fünfzig Exponate aus dem Sammlungsbestand können mit Hilfe interaktiver 3D-Animationen per Klick quasi zum Leben erweckt werden: Manuskripte, Zeichnungen, Werkpläne und Skulpturen. Dazu gibt es – eigens und exklusiv produziert – Filme mit Nina Hoss, Anna Thalbach, Cornelia Funke, T.C. Boyle, Johann Lafer, Jan Josef Liefers, Ranga Yogeshwar, Ulrich Wickert und anderen.

Sein Grab in Behlendorf

Was mich an Grass auf meinen Recherchen zu Deutschland beschäftigte: Der vor fünf Jahren verstorbene Nobelpreisträger unkte vor 30 Jahren: „Sozial gespalten, ist den Deutschen innerer Unfriede sicher.“ Bis die Coronakrise die Flüchtlings- und AfD-Diskussionen in den Hintergrund rückte, behielt Grass mit seiner Einschätzung zur „Deutschen Einheit“ ein Stück weit recht.

Ganz im Frieden war der große Kritiker der Wiedervereinigung mit sich selbst aber auch nicht: Obwohl er längst aus der Kirche ausgetreten war, ließ er sich mit dem Segen des Pastors in seiner Wahlheimat Holstein auf dem Gemeindefriedhof von Behlendorf bestatten. Allerdings ist das Grab von Günter Grass herrlich weltlich: ein großer Baum, ein großer Stein, viel Grün und kein Kreuz.

Weitere Deutschland-Erlebnisse und -Recherchen stehen im Buch „Zwei Räder, ein Land“, erschienen im August 2020. Infos zur Radroute durch alle Bundesländer, wie GPS-Tracks und Ortsverzeichnisse, gibt’s über riffreporter.de/deutschland/das-buch-per-rad-durch-alle-laender.

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Martin C Roos

Martin C Roos

Ich texte und fotografiere seit 1996 freiberuflich für Internetmedien, Magazine und Zeitungen. Themen schöpfe ich aus den LifeSciences, aus der Geographie und mitten aus unserem Land, dem ich seit 2018 als RadelnderReporter auf den Zahn fühle.


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Lospreschen, vor Ort recherchieren – mit unverstellter Neugierde, aus eigener Muskelkraft: So greife ich mir Themen am Rand der Gesellschaft, aus denen sich bisweilen große Fragen formen. Wie geht’s Deutschland? steht für mich im Blickpunkt als RadelnderReporter – meiner Erfindung im Geiste von Egon Erwin Kisch.

Wie geht's Deutschland? war erstes Schwerpunktthema des RadelndenReporters, Wie geht gute Ernährung generell sowie im Sport? ist mein neuer Schwerpunkt (Einstieg 2021 hier). Über neue Texte, Bilder und Clips informiert der kostenlose Newsletter.

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