Tausendmal ferner als Andromeda

Der Sternenhimmel im Juni. Von Felicitas Mokler

ESA/Hubble & NASA

Entfernungsrekord im Amateurteleskop - der Quasar 3C 273

Der Anblick des nächtlichen Sternenhimmels lässt die unermessliche Weite des Kosmos nur erahnen. Es ist schon erstaunlich genug, wie weit wir allein mit bloßem Auge ins All hinaussehen können. Bei guten Sichtbedingungen ist die Andromedagalaxie in einer Entfernung von 2,5 Millionen Lichtjahren zu erkennen. Knapp tausendmal weiter kann unser Blick mit einem guten Amateurteleskop reichen. Damit lässt sich der Quasar namens 3C 273 im Sternbild Jungfrau auffinden.

Der Name der extrem leuchtstarken Quasare steht für "quasistellar radio source". Ende der 1950er Jahre entdeckten Astronomen mehrere punktförmige, sternähnliche Quellen am Himmel, die auffällig im Radiobereich strahlen. Da damals die Positionsbestimmung bei Radiobeobachtungen noch recht ungenau war, ließen sich anfangs nur wenige dieser Objekte auch optischen Quellen zuordnen.

Für 3C 273 gelang dies erst im Jahr 1962, als der Mond die Radioquelle und damit gleichzeitig auch die zugehörige optische Quelle bedeckte. Dennoch blieb die Natur der Quasare zunächst rätselhaft. Als der niederländische Astronom Maarten Schmidt am Mount Palomar Observatory ein Spektrum von 3C 273 aufnahm, ließen sich die Spektrallinien zunächst nur schwer identifizieren, denn sie schienen völlig fehl am Platz zu sein. Wie Schmidt schließlich herausfand, waren sie von ihrem ursprünglichen Platz im elektromagnetischen Spektrum außergewöhnlich weit zu größeren Wellenlängen hin verschoben. Grund dafür ist die große Entfernung dieses Objekts, so dass die kosmische Expansion und damit die kosmologische Rotverschiebung zum Tragen kommen.

Der Quasar 3C273 befindet sich in einer Entfernung von 2,4 Millliarden Lichtjahren und erscheint in einem guten Amateurteleskop als kleines "Sternchen". Die hier gezeigte Aufnahme stammt vom Hubble Space Telescope. Wie viele andere Quasare und auch aktive Galaxien schleudert 3C273 einen Materiejet ins All. Was in diesem Bild relativ zum Quasar etwa in Zehn-Uhr-Position wie ein Fussel anmutet, ist eine Komponente davon.
ESA/Hubble & NASA

3C 273 befindet sich in einer Entfernung von 2,4 Milliarden Lichtjahren und strahlt 300-mal heller als die Milchstraße beziehungsweise mehr als vier Billionen Mal stärker als die Sonne. Dadurch ist dieser Quasar das fernste Objekt im Universum, das Amateurastronomen beobachten können.

Diese leuchtstärksten Objekte im All gehören zur Klasse der sogenannten aktiven Galaxien, von denen inzwischen eine ganze Menge bekannt ist. Was aber verhilft Quasaren zu ihrer enormen Leuchtkraft? Mitte der 1970er Jahre schlugen die britischen Astrophysiker Roger Blandford und Martin Rees vor, dass ein extrem massereiches Schwarzes Loch eingebettet in eine Galaxie große Materiemengen verschlingt. Die dabei freigesetzte Gravitationsenergie wird in Form von elektromagnetischer Strahlung über einen breiten Spektralbereich abgegeben und erzeugt so das kosmische Leuchtfeuer.

Interessanterweise scheinen sich Quasare bei einer bestimmten Rotverschiebung und damit in einer bestimmten Entfernung beziehungsweise Epoche besonders zu häufen. Vermutlich stellen sie eine Entwicklungsphase dar, die die meisten Galaxien einmal durchlaufen haben. Nach etwa 100 Millionen Jahren scheint der Materiezustrom in das Schwarze Loch zu versiegen, und die Galaxie nimmt eine gewöhnliche Leuchtkraft an. Ob die Milchstraße ebenfalls einst ein Quasar war, ist jedoch ungewiss. Sie könnte sich aber in ferner Zukunft in einen solchen verwandeln, wenn sie einmal mit der Andromedagalaxie zusammenstößt und das Schwarze Loch in ihrem Zentrum ausreichend Nachschub erhält.

Position der Sternbilder

Im Juni beginnt astronomisch der Sommer. In der frühen Nacht treten die Frühlingssternbilder langsam ab: Der Krebs mit Praesepe begibt sich in Richtung Nordwesthorizont. Im Westen prangt noch der Löwe. Auf der Ekliptik folgt ihm südlich die Jungfrau mit der hellen Spica. Daran schließen sich die unscheinbareren Konstellationen Waage und Skorpion an. Hauptstern im Skorpion ist der Antares, dessen Farbe an den Mars erinnert und ihm die Bezeichnung "Gegen-Mars" eingehandelt hat. Fast im Zenit steht der Bärenhüter Bootes mit dem Hauptstern Arktur, der den großen Bären nach Nordwesten treibt. Hoch im Südosten findet sich Herkules ein, darunter erstreckt sich großflächig der Schlangenträger. Im Osten können wir uns an dem Sommerdreieck mit der hellen Wega in der Leier, Deneb im Schwan und Altair im Adler orientieren.

Der Sternenhimmel Anfang Juni über Frankfurt am Main um 23:00h MESZ.
Stellarium, F. Mokler

Mond und Planeten

Am 1. Juni stand der zunehmende Halbmond im Sternbild Löwe. Der Vollmond hält sich am 9. des Monats im Schlangenträger auf. Der wieder abnehmende Halbmond verlässt am 17. Juni die Fische und tritt in den Walfisch über. Zu Neumond befindet sich der Erdtrabant am 24. des Monats in den Zwillingen.

Unser Nachbarplanet Venus taucht in den frühen Morgenstunden über dem Osthorizont auf. Mars verschwindet im Juni am Abendhimmel am Westhorizont. Jupiter erstrahlt hell in der ersten Nachthälfte und wandert von Süden gen Westen. Der Ringplanet Saturn lässt sich die gesamte Nacht über beobachten. Er steht in günstiger Neigung, so dass seine Ringe im Fernglas gut sichtbar sind. Uranus in den Fischen und Neptun im Wassermann sind Objekte für den Feldstecher.

Supernova SN 2017eaw

Am 14. Mai bemerkte der einstige Astronomielehrer Patrick Wiggins in der Galaxie NGC 6946 im Sternbild Kepheus einen "neuen Stern". Die Supernova SN 2017eaw ist derzeit mit einem guten Teleskop oder auf fotografischen Aufnahmen zu sehen.

Kometen

Der Komet C/2015 V2 zieht im Juni vom Bärenhüter in die Jungfrau und ist ein Objekt für den Feldstecher.

Dieser Artikel ist ursprünglich in der Rubik "Sternenhimmel" der Neuen Zürcher Zeitung erschienen.