Wir sehen uns dann als Hologramm!

Ich arbeite mit Menschen aus aller Welt zusammen. Doch die Physik wirft uns Steine in den Weg: sie sind einfach weit weg, und alle Kommunikationstechnik lässt die Distanz noch spürbarer werden. Aber die Zukunft hält gute Lösungen bereit! Ich habe einige ausprobiert und mein Bewusstsein in Robotern und Hologrammen auf Reisen geschickt.

VR-​Reporterin: Eva Wolfangel berichtet aus digitalen Welten und neuen Realitäten

Das Bild der Kollegen ist schon lange eingefroren. Bewegen sie sich? Sind sie überhaupt noch da? Aktuell macht einer ein ziemlich blödes Gesicht, die Nase groß auf dem Bildschirm – offenbar hat er versucht, etwas einzustellen am Bildschirm, als er merkte, dass die Qualität nachlässt. Dann hat Skype beschlossen, ihn für uns so zu verewigen. „Was sagt denn der Kollege aus Berlin dazu? Hallo? Hallo Berlin, hört ihr uns?“ Kurz nach dem Bild verschwindet auch der Ton. So ist es immer. Danach: ein Anruf. „Was ist los? Wo seid ihr?“ „Ach komm, wir versuchen es per Telefon – stellt ihr auf Lautsprecher und wir.“ Grausam. Das ist der Tod jeder sinnvollen Besprechung über Distanz.

Andere investieren in teure Video-Konferenzsysteme, riesige Bildschirme an der Wand dienen als Fenster von Stuttgart nach Berlin. Aber irgendwie ist immer einer abwesend. Oder wir Stuttgarter schauen minutenlang in einen leeren Berliner Konferenzraum, bis sich dort irgendwann die Tür öffnet, „Ach, ihr seid ja schon da. Wartet, ich hol meinen Kaffee.“ Als er zurückkommt, haben wir ergeben angefangen, unsere E-Mails zu beantworten. Und hach, da sind so viele dringende Sachen in den Mails – wir müssen leider während der Besprechung immer mal wieder reinschauen. Hinterher weiß keiner, was genau besprochen wurde. Aber es war gut, dass man sich mal wieder gesehen hat.

Zusammen arbeiten über die Ferne ist gescheitert, an der Technik und an uns Menschen. Aber hey, es gibt doch Slack! Das hippe Tool, dass heute fast jeder auf seinem Handy hat. Aber oje, so viele Channels, da diskutiert immer irgendeiner im Hintergrund, ein ständiger unaufhaltsamer Strom von Geplauder. Glücklich ist der, der weiß, wie man die Notifikationen im Handy abschaltet – dann drängen sich diese Fetzen Debatte nicht ständig dazwischen, wenn man einmal im echten Leben mit Menschen redet. Wird schon jemand eine E-Mail schreiben, falls etwas Wichtiges aufkommt. Ein ungeduldiges: „Hey, schau bitte auf Slack“ - solche Mails bewahren mich davor, wichtiges zu übersehen. Ich nehme an, die Slack-Gründer hatten anderes im Sinn.

Ach und schweige, wer hier die traditionelle Telefonkonferenz ins Spiel bringt! Sie ist die Einladung, nebenbei anderes zu tun! Wie viel teure Zeit gut bezahlter Menschen wurde schon verschwendet in Telefonkonferenzen, in denen die Hälfte der Teilnehmer ihr Mikrofon auf stumm stellt, damit man das Klappern der Tastatur nicht hört, und sich nur hin und wieder sich kurz zuschalten für ein „Hmm, ja, vielleicht“ oder ein „Natürlich bin noch da!“ Was wurde besprochen? Das weiß am Ende keiner so genau.

Ich arbeite viel mit Menschen aus anderen Städten und Ländern zusammen – und ich habe noch keine gute Lösung gefunden, die echte Begegnungen ersetzt, wenn diese aufgrund der räumlichen Distanz nicht praktikabel sind. Alle diese technischen Lösungen scheinen die Distanz noch zu erhöhen. Wenn es wichtig ist, reise ich wann immer möglich hin. Eine sehr aufwendige Methode, um die Schwächen der Technik auszugleichen. Wie viele meiner Artikel in den ICEs zwischen Stuttgart und Berlin entstanden sind! Wie viele auf Flughäfen.

Wie oft habe ich mir gewünscht, dass endlich jemand das Beamen erfindet! Aber das scheint technisch schwierig zu sein nach allem, was die Experten davon berichten.

RiffReporter fördern

Tauchen Sie ein! Mit ihrem Kauf unterstützen Sie neue Recherchen der Autorinnen und Autoren zu Themen, die Sie interessieren.

Liebe Leserin, lieber Leser,
um diesen RiffReporter-Beitrag lesen zu können, müssen Sie ihn zuvor kaufen. Damit Ihnen der Kauf-Dialog angezeigt wird, dürfen Sie sich aber nicht in einem Reader-Modus befinden, wie ihn beispielsweise der Firefox-Browser oder Safari bieten. Mit dem Beitragskauf schließen Sie kein Abo ab, es ist auch keine Registrierung nötig. Sobald Sie den Kauf bestätigt haben, können Sie diesen Beitrag entweder im normalen Modus oder im Reader-Modus bequem lesen.

-----------------------------

VR Reporterin Eva Wolfangel (www.ewo.name) ist eine mehrfach ausgezeichnete Journalistin und berichtet hier regelmäßig aus virtuellen Welten und über aktuelle Entwicklungen im Digitalen, die unsere Zukunft prägen werden. Neben einigen kostenlosen Leseproben bietet sie auch bezahlpflichtige Inhalte an. Wer immer auf dem aktuellen Stand und als erster informiert sein will, dem legt sie ihr Abo ans Herz: für 1,99€/Monat sind alle Texte frei geschaltet und sofort zu lesen. Wer sich nur für manche Texte interessiert, kann sie auch einzeln kaufen - einfach mit einem Klick auf das entsprechende Kästchen. Beides ist eine großartige Unterstützung für Recherche, Faktenprüfung und die Schreibarbeit und sorgt für die Zukunftsfähigkeit von hochwertigem und seriösem Journalismus.

Wenn Sie die VR Reporterin abonnieren wollen – es geht ganz einfach

Mehr Artikel der VR-Reporterin:

  1. Science-Fiction
  2. VR-Reporter

„Die Zukunft ist da!“

Manchen Science-Fiction-Autoren wird Hellseherei zugeschrieben: vom Internet über die künstliche Intelligenz bis zur virtuellen Realität - sie haben vieles vorhergesagt, was es heute gibt. Oder ist es andersherum: Forscher bauen das nach, was sie aus dem Roman kennen? Zwei Laborbesuche in Japan legen das nahe.

Ein Kommunikator aus der Science-Fiction-Serie Star Trek aus den 1960er Jahren. Damals nicht mehr als ein schwarzes Stück Kunststoff mit einer goldenen Gitter-Abdeckung, kleinen Knöpfen und blinkenden Lichtern, so war es doch die Vorlage für das erste Klapphandy von Motorola.
  1. Datensicherheit
  2. Hacker
  3. Hackerangriff
  4. VR-Reporter
  5. VRfree

„Wir kommen überall rein“

Die Hacker von CodeWhite hacken im Auftrag der Sicherheit. Sie lassen sich eigentlich nicht auf die Finger schauen. Für diesen Artikel haben sie eine Ausnahme gemacht und vor den Augen einer Journalistin eines der größten Unternehmen Europas gehackt.

Ein Mann mittleren Alters mit bereits ergrauten Haaren und auffälligem Kinnbart blickt über die Schulter zurück in die Kamera. Sein Blick hinter den Gläsern einer modernen eckigen Brille ist durchdringend aber freundlich. Hinter ihm befindet sich ein geöffneter Serverschrank mit verschiedenen Computermodulen, aus denen eines Vielzahl an kabeln herausragt.
  1. VirtualReality
  2. VR-Reporter

„Reality sucks“

In der Virtuellen Realität bauen sich schon heute einige Menschen ein alternatives Leben auf. Sie leben lieber dort als in der materiellen Realität. VR Reporterin Eva Wolfangel hat vier von ihnen begleitet, in Virtuellen Welten ebenso wie in Kuwait, Israel und den USA. Sie hat gesehen: es kann gute Gründe geben, die "Matrix" vorzuziehen.

Durch eine mit Regentropfen übersäte Fensterscheibe sind unscharf die rötlichen Lichter zu erkennen, die auf einem nahen Gebäude scheinen. das Bild vermittelt das Gefühl von Isoliertheit und Abgeschiedenheit.
  1. KI
  2. Roboter
  3. VR-Reporter

Der ängstliche Roboter

Maschinen entscheiden rein rational, unemotional – heißt es, und das erscheint der große Vorteil der Maschinen gegenüber den Menschen zu sein. Dabei können Emotionen Maschinen helfen, bessere Entscheidungen zu treffen.

Das Bild zeigt einen kleinen blauen Spielzeugroboter aus Blech. Mit seinen weit aufgerissenen Augen wirkt er fast ängstlich.
  1. AugmentedHuman
  2. VR-Reporter

Der Mensch in der Maschine - oder die Maschine in uns?

In Zukunft werden wir mit Maschinen verschmelzen. Das erweitert unsere Möglichkeiten: wir sind nicht mehr an unseren biologischen Körper gebunden. Und wir können andere Menschen fernsteuern. Ein Besuch in der Zukunft.

Eine Person, vier Arme. Während der Träger des Projektes "Fusion" seine beiden Arme wie gewohnt verwendet, steuert eine weitere Person, die dem Träger dank des Kamerakopfes über die Schulter blicken kann, die beiden anderen Arme völlig unabhängig.
  1. Drohne
  2. KünstlicheIntelligenz
  3. VR-Reporter

Revolutionäre mit Drohnen und Headsets

Eine junge, energiegeladene Generation will Afrika verändern – mittels modernster Technologie: So könnten Drohnen, Künstliche Intelligenz und Virtuelle Realität die Landwirtschaft revolutionieren.

Eine Drohne schwebt im Vordergrund in der Luft. Im Hintergrund ist unscharf eine größere Gruppe afrikanischer Kinder zu sehen.
Flatrate ab 8 € RiffReporter unterstützen
VR-Reporterin