Wir sehen uns dann als Hologramm!

Ich arbeite mit Menschen aus aller Welt zusammen. Doch die Physik wirft uns Steine in den Weg: sie sind einfach weit weg, und alle Kommunikationstechnik lässt die Distanz noch spürbarer werden. Aber die Zukunft hält gute Lösungen bereit! Ich habe einige ausprobiert und mein Bewusstsein in Robotern und Hologrammen auf Reisen geschickt.

11 Minuten
Symbolbild (Strichzeichnung): Zwei rechteckige Wesen stehen auf entgegengesetzten Seiten der Erde. Jedes von ihnen hält eine gelbe Videokamera in der Hand.

Das Bild der Kollegen ist schon lange eingefroren. Bewegen sie sich? Sind sie überhaupt noch da? Aktuell macht einer ein ziemlich blödes Gesicht, die Nase groß auf dem Bildschirm – offenbar hat er versucht, etwas einzustellen am Bildschirm, als er merkte, dass die Qualität nachlässt. Dann hat Skype beschlossen, ihn für uns so zu verewigen. „Was sagt denn der Kollege aus Berlin dazu? Hallo? Hallo Berlin, hört ihr uns?“ Kurz nach dem Bild verschwindet auch der Ton. So ist es immer. Danach: ein Anruf. „Was ist los? Wo seid ihr?“ „Ach komm, wir versuchen es per Telefon – stellt ihr auf Lautsprecher und wir.“ Grausam. Das ist der Tod jeder sinnvollen Besprechung über Distanz.

Andere investieren in teure Video-Konferenzsysteme, riesige Bildschirme an der Wand dienen als Fenster von Stuttgart nach Berlin. Aber irgendwie ist immer einer abwesend. Oder wir Stuttgarter schauen minutenlang in einen leeren Berliner Konferenzraum, bis sich dort irgendwann die Tür öffnet, „Ach, ihr seid ja schon da. Wartet, ich hol meinen Kaffee.“ Als er zurückkommt, haben wir ergeben angefangen, unsere E-Mails zu beantworten. Und hach, da sind so viele dringende Sachen in den Mails – wir müssen leider während der Besprechung immer mal wieder reinschauen. Hinterher weiß keiner, was genau besprochen wurde. Aber es war gut, dass man sich mal wieder gesehen hat.

Zusammen arbeiten über die Ferne ist gescheitert, an der Technik und an uns Menschen. Aber hey, es gibt doch Slack! Das hippe Tool, dass heute fast jeder auf seinem Handy hat. Aber oje, so viele Channels, da diskutiert immer irgendeiner im Hintergrund, ein ständiger unaufhaltsamer Strom von Geplauder. Glücklich ist der, der weiß, wie man die Notifikationen im Handy abschaltet – dann drängen sich diese Fetzen Debatte nicht ständig dazwischen, wenn man einmal im echten Leben mit Menschen redet. Wird schon jemand eine E-Mail schreiben, falls etwas Wichtiges aufkommt. Ein ungeduldiges: „Hey, schau bitte auf Slack“ – solche Mails bewahren mich davor, wichtiges zu übersehen. Ich nehme an, die Slack-Gründer hatten anderes im Sinn.

Ach und schweige, wer hier die traditionelle Telefonkonferenz ins Spiel bringt! Sie ist die Einladung, nebenbei anderes zu tun! Wie viel teure Zeit gut bezahlter Menschen wurde schon verschwendet in Telefonkonferenzen, in denen die Hälfte der Teilnehmer ihr Mikrofon auf stumm stellt, damit man das Klappern der Tastatur nicht hört, und sich nur hin und wieder sich kurz zuschalten für ein „Hmm, ja, vielleicht“ oder ein „Natürlich bin noch da!“ Was wurde besprochen? Das weiß am Ende keiner so genau.

Ich arbeite viel mit Menschen aus anderen Städten und Ländern zusammen – und ich habe noch keine gute Lösung gefunden, die echte Begegnungen ersetzt, wenn diese aufgrund der räumlichen Distanz nicht praktikabel sind. Alle diese technischen Lösungen scheinen die Distanz noch zu erhöhen. Wenn es wichtig ist, reise ich wann immer möglich hin. Eine sehr aufwendige Methode, um die Schwächen der Technik auszugleichen. Wie viele meiner Artikel in den ICEs zwischen Stuttgart und Berlin entstanden sind! Wie viele auf Flughäfen.

Wie oft habe ich mir gewünscht, dass endlich jemand das Beamen erfindet! Aber das scheint technisch schwierig zu sein nach allem, was die Experten davon berichten.

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Eva Wolfangel

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