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Wir sehen uns dann als Hologramm!

Ich arbeite mit Menschen aus aller Welt zusammen. Doch die Physik wirft uns Steine in den Weg: sie sind einfach weit weg, und alle Kommunikationstechnik lässt die Distanz noch spürbarer werden. Aber die Zukunft hält gute Lösungen bereit! Ich habe einige ausprobiert und mein Bewusstsein in Robotern und Hologrammen auf Reisen geschickt.

von
21.12.2019
11 Minuten
Symbolbild (Strichzeichnung): Zwei rechteckige Wesen stehen auf entgegengesetzten Seiten der Erde. Jedes von ihnen hält eine gelbe Videokamera in der Hand.

Das Bild der Kollegen ist schon lange eingefroren. Bewegen sie sich? Sind sie überhaupt noch da? Aktuell macht einer ein ziemlich blödes Gesicht, die Nase groß auf dem Bildschirm – offenbar hat er versucht, etwas einzustellen am Bildschirm, als er merkte, dass die Qualität nachlässt. Dann hat Skype beschlossen, ihn für uns so zu verewigen. „Was sagt denn der Kollege aus Berlin dazu? Hallo? Hallo Berlin, hört ihr uns?“ Kurz nach dem Bild verschwindet auch der Ton. So ist es immer. Danach: ein Anruf. „Was ist los? Wo seid ihr?“ „Ach komm, wir versuchen es per Telefon – stellt ihr auf Lautsprecher und wir.“ Grausam. Das ist der Tod jeder sinnvollen Besprechung über Distanz.

Andere investieren in teure Video-Konferenzsysteme, riesige Bildschirme an der Wand dienen als Fenster von Stuttgart nach Berlin. Aber irgendwie ist immer einer abwesend. Oder wir Stuttgarter schauen minutenlang in einen leeren Berliner Konferenzraum, bis sich dort irgendwann die Tür öffnet, „Ach, ihr seid ja schon da. Wartet, ich hol meinen Kaffee.“ Als er zurückkommt, haben wir ergeben angefangen, unsere E-Mails zu beantworten. Und hach, da sind so viele dringende Sachen in den Mails – wir müssen leider während der Besprechung immer mal wieder reinschauen. Hinterher weiß keiner, was genau besprochen wurde. Aber es war gut, dass man sich mal wieder gesehen hat.

Zusammen arbeiten über die Ferne ist gescheitert, an der Technik und an uns Menschen. Aber hey, es gibt doch Slack! Das hippe Tool, dass heute fast jeder auf seinem Handy hat. Aber oje, so viele Channels, da diskutiert immer irgendeiner im Hintergrund, ein ständiger unaufhaltsamer Strom von Geplauder. Glücklich ist der, der weiß, wie man die Notifikationen im Handy abschaltet – dann drängen sich diese Fetzen Debatte nicht ständig dazwischen, wenn man einmal im echten Leben mit Menschen redet. Wird schon jemand eine E-Mail schreiben, falls etwas Wichtiges aufkommt. Ein ungeduldiges: „Hey, schau bitte auf Slack“ – solche Mails bewahren mich davor, wichtiges zu übersehen. Ich nehme an, die Slack-Gründer hatten anderes im Sinn.

Ach und schweige, wer hier die traditionelle Telefonkonferenz ins Spiel bringt! Sie ist die Einladung, nebenbei anderes zu tun! Wie viel teure Zeit gut bezahlter Menschen wurde schon verschwendet in Telefonkonferenzen, in denen die Hälfte der Teilnehmer ihr Mikrofon auf stumm stellt, damit man das Klappern der Tastatur nicht hört, und sich nur hin und wieder sich kurz zuschalten für ein „Hmm, ja, vielleicht“ oder ein „Natürlich bin noch da!“ Was wurde besprochen? Das weiß am Ende keiner so genau.

Ich arbeite viel mit Menschen aus anderen Städten und Ländern zusammen – und ich habe noch keine gute Lösung gefunden, die echte Begegnungen ersetzt, wenn diese aufgrund der räumlichen Distanz nicht praktikabel sind. Alle diese technischen Lösungen scheinen die Distanz noch zu erhöhen. Wenn es wichtig ist, reise ich wann immer möglich hin. Eine sehr aufwendige Methode, um die Schwächen der Technik auszugleichen. Wie viele meiner Artikel in den ICEs zwischen Stuttgart und Berlin entstanden sind! Wie viele auf Flughäfen.

Wie oft habe ich mir gewünscht, dass endlich jemand das Beamen erfindet! Aber das scheint technisch schwierig zu sein nach allem, was die Experten davon berichten.

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Eva Wolfangel

Eva Wolfangel

Eva Wolfangel ist freie Wissenschafts- und Reportagejournalistin, Speakerin und Moderatorin und beschäftigt sich mit Zukunftstechnologien wie künstlicher Intelligenz und virtueller Realität, Ethik und Hirnforschung. Twitter: @evawolfangel 


VR-Reporterin

"Wir gehen virtuell" ist in der Corona-Krise schon zum geflügelten Wort geworden. Im digitalen Raum entstehen gerade ganz neue Realitäten, und sie führen zu einer verrückten Entwicklung: Digitales und Physisches rücken wieder näher zusammen, näher als je zuvor in der Geschichte der Computer. Und auch unser Realitätsbegriff steht in Frage. Virtuelle und digitale Welten sind ebenso Realität wie die materielle Welt. Unser aller Leben wird von den Vorgängen in diesem riesigen "Raum zwischen den Computern" bestimmt - von digitalen Meetings über die Algorithmen sozialer Netzwerke bis hin zu dreidimensionalen virtuellen Welten. Wie wollen wir in Zukunft leben in und mit diesen Realitäten?

VR-Reporterin Eva Wolfangel befragt Forscher und Entwickler, Philosophen und Nerds und sie schreckt vor nichts zurück: sie erweitert ihre Realität technisch, sie reist in die Virtuelle Realität und real um die Welt, um zu berichten, was Menschen auf diesem Planeten mit diesem neuen Raum anstellen. LeserInnen dieser Koralle können in Echtzeit zusehen, wie das Digitale unsere Realität verändert und welche Fragen das für unser Leben in Zukunft eröffnet.

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