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Der ängstliche Roboter

Maschinen entscheiden rein rational, unemotional – heißt es, und das erscheint der große Vorteil der Maschinen gegenüber den Menschen zu sein. Dabei können Emotionen Maschinen helfen, bessere Entscheidungen zu treffen. Beim Blick auf emotionale Maschinen lernen wir zudem viel über uns Menschen.

von
29.10.2019
10 Minuten
Das Bild zeigt einen kleinen blauen Spielzeugroboter aus Blech. Mit seinen weit aufgerissenen Augen wirkt er fast ängstlich.

Wenn Arne Rönnau sehen will, was in Lauron gerade vorgeht, dann zieht er ein Headset auf und sieht die Angst des kleinen Roboters. Lauron steht auf dem Marsboden und setzt immer wieder an, einen Schritt nach vorne zu machen. Doch er setzt die Füße jedes Mal wieder auf den gleichen Fleck auf den Boden, steht da, bewegt sich nur leicht auf und ab und scheint flach zu atmen.

Rönnau, Abteilungsleiter im Bereich Robotik am Karlsruher Forschungszentrum für Informatik, beamt sich dank virtueller Realität vom „House of Living Labs“ in Karlsruhe nun selbst auf dem Mars, direkt neben den kleinen sechsbeinigen Roboter, der dort steht und eine Erkundung machen soll. Wieso geht er nicht weiter? „Manchmal denken wir, Lauron zickt rum“, sagt Rönnau – wenn der sechsbeinige Roboter von der Größe einer Dogge mal wieder einfach stehen bleibt, so wie jetzt. Aber er hat gute Gründe, wie Rönnau nun sieht: Er hat Angst, über die Steine am Boden zu fallen, die direkt vor seinen Füßen liegen. Vor den Augen des Informatikers erscheint im Headset eine Einblendung oberhalb der Steine: „Risiko“ – eine Botschaft des Roboters. Laurons Gelenke sind im Headset ebenfalls in verschiedenen Farben markiert. Das zeigt die Belastung an. Eines ist rot – offenbar steht der Roboter in einer eher instabilen Haltung, sodass ein Bein stark belastet ist. Dank virtueller Realität kann Rönnau ihm auch in den Kopf schauen: die Rechnerlast scheint durchschnittlich zu sein, zeigen die Zahlen über dessen Kopf.

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Eva Wolfangel

Eva Wolfangel

Eva Wolfangel ist freie Wissenschafts- und Reportagejournalistin, Speakerin und Moderatorin und beschäftigt sich mit Zukunftstechnologien wie künstlicher Intelligenz und virtueller Realität, Ethik und Hirnforschung. Twitter: @evawolfangel 


VR-Reporterin

"Wir gehen virtuell" ist in der Corona-Krise schon zum geflügelten Wort geworden. Im digitalen Raum entstehen gerade ganz neue Realitäten, und sie führen zu einer verrückten Entwicklung: Digitales und Physisches rücken wieder näher zusammen, näher als je zuvor in der Geschichte der Computer. Und auch unser Realitätsbegriff steht in Frage. Virtuelle und digitale Welten sind ebenso Realität wie die materielle Welt. Unser aller Leben wird von den Vorgängen in diesem riesigen "Raum zwischen den Computern" bestimmt - von digitalen Meetings über die Algorithmen sozialer Netzwerke bis hin zu dreidimensionalen virtuellen Welten. Wie wollen wir in Zukunft leben in und mit diesen Realitäten?

VR-Reporterin Eva Wolfangel befragt Forscher und Entwickler, Philosophen und Nerds und sie schreckt vor nichts zurück: sie erweitert ihre Realität technisch, sie reist in die Virtuelle Realität und real um die Welt, um zu berichten, was Menschen auf diesem Planeten mit diesem neuen Raum anstellen. LeserInnen dieser Koralle können in Echtzeit zusehen, wie das Digitale unsere Realität verändert und welche Fragen das für unser Leben in Zukunft eröffnet.

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