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Klartext statt medizinischem Kauderwelsch

Der medizinische Übersetzungsdienst „Was hab' ich?“ macht Arztbriefe verständlich

15.02.2021
5 Minuten
Das blaue Logo Patientenbrief des gemeinnützigen medizinischen Übersetzungdienstes „Was hab ich?“ ist auf einem Beispiel-Patientenbrief zu sehen.

„Da Sie schon lange an Hypertriglyzeridämie und Hyperurikämie sowie unter Adipositas und Hypertonie leiden, hat sich eine arteriosklerotische KHK entwickelt. Wir empfehlen Ihnen eine Bypass-OP, um das Risiko für einen Myokardinfarkt zu reduzieren.“

Wie bitte?

Du kennst das bestimmt: Deine Ärztin oder dein Arzt redet nicht immer Klartext. Insbesondere Arztbriefe sind gespickt mit medizinischen Fachbegriffen. Wie soll man da durchblicken?

Für dieses Problem gibt es Lösungen. Zum Glück. Denn erst, wenn Patientïnnen besser verstehen, was sie haben, können sie wirklich Teil des medizinischen Teams sein. Wie wichtig das ist, ist in der modernen Medizin unumstritten. Das Team des medizinischen Übersetzungsdienstes „Was hab’ ich?“ will Patientïnnen und Ärztïnnen mit verschiedenen Angeboten dabei unterstützen, sich gegenseitig besser zu verstehen.

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Das Wichtigste in Kürze

  • “Was hab’ ich?“ ist ein medizinischer Übersetzungsdienst für Arztbriefe, den Patientïnnen kostenfrei nutzen können [1].
  • Der Befunddolmetscher erklärt dir zusätzlich medizinische Fachbegriffe [2].
  • Andere Institutionen im Gesundheitswesen können eine Kooperation mit „Was hab’ ich?“ eingehen, um Services zu nutzen. Krankenhäuser können so zum Beispiel Entlassbriefe für Patientïnnen erstellen, die ohne medizinische Fachkenntnisse verständlich sind.

Was bietet „Was hab’ ich?“ an?

Du kannst deine Arztbriefe direkt übersetzen lassen. Wenn du einen Brief von deinem Arzt oder deiner Ärztin bekommst, den du gar nicht oder nur zur Hälfte verstehst, kannst du ihn an das Team von „Was hab’ ich?“ schicken. Zum Team gehören über 200 Medizinstudentïnnen und ehrenamtlich tätige Ärztïnnen, die täglich Befunde in verständliche Sprache übersetzen.

Arztbriefe sind für Patientïnnen häufig nur schwer zu verstehen. Das liegt vor allem an zwei Dingen: Erstens haben Ärztïnnen, die im Krankenhaus arbeiten, nur wenig Zeit (das sind diejenigen, die die meisten Arztbriefe schreiben). Das führt dazu, dass sie eher die für sie zeitsparende Sprache verwenden. Denn nichts anderes ist medizinischer Code: Er hilft allen, die ihn kennen, komplexe Sachverhalte in ganz wenigen Worten auszudrücken und damit Zeit zu sparen. Weil alle Eingeweihten wissen, was sich zum Beispiel hinter einer arteriosklerotischen KHK verbirgt. Noch mehr: Sie wissen auch, wie die Krankheit diagnostiziert wurde, welche Folgen sie haben kann und wie man sie behandelt. Und daraus ergibt sich der zweite Grund für schwer verständliche Arztbriefe: Ärztïnnen schreiben sie eigentlich nur für ihre Kollegïnnen und geben den Patientïnnen oft nur eine Kopie mit. Einen eigenen Patientenbrief gab es bis vor Kurzem nicht. Das hat sich erst durch das Team von „Was hab’ ich?“ geändert.

Denn außer dem Übersetzungsservice für Patientïnnen bietet „Was hab’ ich?“ auch Dienstleistungen für Krankenhäuser an: Das Krankenhaus kann mithilfe einer Software aus den angefallen Behandlungsdaten einen für Patientïnnen verständlichen Entlassbrief erstellen lassen. Das Team von „Was hab’ ich?“ hat dieses Vorhaben in einem Modellprojekt umgesetzt. Dabei bekamen über 2500 Patientïnnen einer ausgewählten Klinik einen Entlassbrief. Anschließend wurden sie und die Patientïnnen, die einer Kontrollgruppe zugeteilt waren, gebeten, einen Fragebogen auszufüllen. Insgesamt 417 Fragebögen kamen zurück und wurden im Rahmen einer Studie ausgewertet. Ziel der Studie war, herauszufinden, was solche Entlassbriefe Patientïnnen bringen.

Das Ergebnis: Entlassbriefe helfen Menschen dabei, ihre Krankheit besser zu bewältigen. Sie verstehen ihre Diagnose besser, können mit den verordneten Medikamenten sicherer umgehen und werden dadurch auch sicherer im Umgang mit ihrer Krankheit insgesamt. Kurz gesagt: Die Patientïnnen gewinnen an Gesundheitskompetenz. Ein weiterer Erfolg: Sogar Wiedereinweisungen können durch Entlassbriefe verhindert werden. Und dem Krankenhaus nützt es auch: Die Perspektive der Patientïnnen wird in den Prozessen stärker berücksichtigt, die Patientïnnen sind zufriedener und empfehlen die Klinik eher weiter.

Noch ist die Software nicht weit verbreitet, aber die Pläne von „Was hab’ ich?“ werden im Rahmen des Innovationsfonds durch das Bundesgesundheitsministerium und den Gemeinsamen Bundesausschuss gefördert. (Welche Rolle diese beiden Institutionen spielen, kannst du in unserem Artikel zum Gesundheitswesen nachlesen.) Auf der Website kannst du dir den Ergebnisbericht der Studie und einen Beispiel-Patientenbrief herunterladen. Er enthält übrigens die Auflösung für den Beispielsatz vom Anfang des Artikels [3].

Der Beispiel-Patientenbrief erklärt allgemeinverständlich, dass der Patient im Krankenhaus eine Bypass-Operation erhalten hat und was das bedeutet.
Der Patientenbrief erklärt allgemeinverständlich, welche Behandlung der Patient im Krankenhaus erhalten hat.

Auch im Angebot von „Was hab’ ich?“: Der Befunddolmetscher ist ein Medizin-Glossar mit integrierten Gesundheitsinformationen. Es hilft Menschen ohne medizinische Fachkenntnisse, selbst Arztbriefe zu entschlüsseln [2].

Daneben gibt es weitere Informationen wie etwa eine Patientenbroschüre, die hilft, sich auf das Arztgespräch vorzubereiten. (Auch bei Plan G findest du zum Thema „Bessere Gespräche mit Arzt oder Ärztin“ zwei Artikel: Teil 1 zur Vorbereitung des Gesprächs und Teil 2 zu Gesprächstechniken). Alle Angebote von „Was hab’ ich?“ sind für Patientïnnen kostenlos. „Was hab’ ich?“ hat außerdem Kooperationen mit anderen Anbietern, die einzelne Services nutzen.

Wer steckt hinter "Was hab ich?“?

„Was hab’ ich?“ wurde vor 10 Jahren gegründet und ist als gemeinnützige GmbH organisiert. Das Team besteht aus zwei Teilen: einem festen Kern und einem Pool aus ehrenamtlichen Mitarbeiterïnnen. Das Kernteam um den Geschäftsführer und Mitgründer Ansgar Jonietz kümmert sich um die Organisation der Angebote, die Koordinierung der ehrenamtlichen Mitarbeiterïnnen und darum, dass Modellprojekte in der Praxis ankommen.

Die ehrenamtliche Mitarbeiterïnnen sind zumeist Medizinstudentïnnen, aber zum Teil auch approbierte Ärztïnnen, die sich in ihrer Freizeit für das Projekt engagieren. Alle bekommen zu Beginn ihrer Mitarbeit einen Kommunikationsschulung und lernen die Prinzipien der verständlichen Sprache kennen.

„Was hab’ ich?“ wird von vielen Einrichtungen des Gesundheitswesens und Institutionen unterstützt oder ist Partnerschaften mit ihnen eingegangen. Der medizinische Übersetzungsdienst hat inzwischen fast 48.000 Befunde übersetzt und mehr als 2300 Medizinerïnnen in verständlicher Kommunikation geschult.

Fazit

Das Angebot von „Was hab’ ich?“ kann dir helfen, dich im Dschungel des Gesundheitswesens besser zu orientieren. Es hilft dir dabei, Medizinerlatein zu entschlüsseln, bessere Gespräche mit deinem Arzt oder deiner Ärztin zu führen, deine eigene Krankheit besser zu verstehen und zu bewältigen und dir gezielt Unterstützung zu suchen

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Zum Weiterlesen

Alle Websites abgerufen am 11.02.2021

[1] Auf der Website von „Was hab’ ich?“ findest du alle Informationen zum Angebot des Übersetzungsdienstes, zum Beispiel wie das Übersetzen von Befunden genau funktioniert.

[2] Der Befunddolmetscher von „Was hab’ ich?“ ist in die Weiße Liste integriert, die eine Suchfunktion zum Beispiel nach Ärztïnnen oder Krankenhäusern anbietet.

[3] Auf der Website von „Was hab’ ich?“ findest du Details zu Entlassbriefen und dem Status des Modellprojekts ist. Auch der Ergebnisbericht zur Studie des Modellprojekts und ein Beispiel-Patientenbrief sind veröffentlicht.


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Silke Jäger

Silke Jäger

Silke Jäger ist als freie Journalistin spezialisiert auf evidenzbasierte Gesundheitsinformationen und Gesundheitspolitik


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