Viel Enttäuschung, etwas Hoffnung: Beobachtungen beim Long-Covid-Kongress in Jena

In Deutschland leiden etwa 500.000 Menschen an den chronischen Folgen einer Corona-Infektion. Die Erkrankung Long Covid ist seit drei Jahren bekannt und ein Beispiel, wie schwer sich das Gesundheitssystem mit Multiorgan-Beschwerden tut.

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Eine Frau sitzt auf dem Sofa, wirkt matt und hat Kopfschmerzen. Das Foto dient als Symbolbild für viele Long-Covid-PatientInnen.

Die Diskussion auf dem Podium beim Kongress in Jena verläuft aus der Sicht vieler Betroffener wieder einmal typisch: Gerade loben zwei PolitikerInnen, dass die Erkrankung Long Covid in der Öffentlichkeit und in der Politik im Jahr 2023 deutlich sichtbarer geworden sei. Da ergreift Claudia Ellert aufgebracht das Wort. Sicher gebe es mehr Verständnis für Long Covid. „Aber in der Teilhabe der Betroffenen hat sich nichts entwickelt“, sagt die Vertreterin der PatientInnenorganisation Long Covid Deutschland. Die Versorgung der Menschen sei immer noch nicht zufriedenstellend, klagt sie. Selbst die wenigen Spezialambulanzen fühlen sich überfordert.

Existenzängste durch Long Covid

Zudem wachsen drei Jahre nach Beginn der Pandemie die finanziellen Existenzängste der Betroffenen, die schon viele Monate wegen der chronischen Erkrankung krankgeschrieben sind und nun vermutlich eine Berufsunfähigkeitsrente beantragen müssen. Weder der Arbeitsmarkt noch das Rentensystem ist auf Menschen vorbereitet, die nur einige Stunden in der Woche arbeiten können. Betroffene Kinder und Jugendliche fallen komplett aus dem Schulsystem heraus.

Studien haben ergeben, dass etwa 45 Prozent der Long Covid-Erkrankten nach über sechs Monaten immer noch nicht Vollzeit arbeiten können. Viele Betroffene investieren ihre ganze Kraft, um wenigstens die Anforderungen auf der Arbeit erfüllen zu können. Sie verzichten aber auf soziale Kontakte, weil sie sich vom Arbeitstag erholen müssen. Ein Fünftel ist gänzlich arbeitsunfähig. Hinzu kommt: Wer Long Covid hat, muss viel Geduld zeigen. 80 Prozent der Betroffenen, die nach sechs Monaten noch Beschwerden haben, leiden auch nach mehr als einem Jahr an Symptomen. Und es gibt noch immer kein Medikament, das für die Therapie der Langzeitfolgen einer Sars-CoV2-Infektion zugelassen ist.

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