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Wie das Huhn zum Haushuhn wurde

Eine Analyse von Genetik und Epigenetik bei Hühnern zeigt, welche Veränderungen aus Wildtieren Haustiere machen. Verläuft die Evolution anders als gedacht?

23.09.2020
7 Minuten
Drei Hühnerküken stehen nebeneinander, eines ist braun, eines gelb und eines braungelb.

Nicht nur genetische Mutationen sondern offenbar auch epigenetische Veränderungen halfen bei der Zähmung des Huhns. Vielleicht war es sogar die Epigenetik, die manche Wildtierarten zum späteren Haustier prädestinierte und andere nicht.

Vor 20.000 bis 40.000 Jahren verwandelte sich der erste Wolf in Richtung Hund – zumindest nach den Aussagen aktueller Studien. Die ersten Katzen sollen vor rund 4.400 Jahren gezähmt worden sein. Und auch das Huhn wurde wohl schon vor einigen tausend Jahren domestiziert.

Solche Zahlen stammen aus dem Vergleich heute lebender Tiere mit ausgegrabenen Überresten uralter Verwandter. Forscher*innen analysieren dafür die genetischen Veränderungen im Text der DNA. Dabei geht die Wissenschaft davon aus, dass sich Gene über die Zeit ungefähr gleich schnell verändern werden. Ein zweites wichtiges Phänomen der Haustierwerdung konnte sie deshalb bislang nur schlecht erklären: Einige der gravierendsten Wandlungen auf dem Weg zu modernen Hunden, Katzen oder Hühnern geschahen trotz des langen Zeitraums erst in den vergangenen Jahrhunderten.

Könnte es deshalb sein, dass nicht nur die sich ändernde Art der Gene hinter der Zähmung und Kultivierung all der Haustiere und Nutzpflanzen steckt? Wirken die menschengemachten Umweltveränderungen vielleicht auch viel direkter auf die Molekularbiologie der Tiere und Pflanzen? Beeinflussen sie deren Erbgut womöglich auf eine Art, dass sich die Regulation der Gene und nicht deren Text verwandelt? Ein solcher epigenetischer Einfluss würde neben den Genen ansetzen. und er würde anders als die typische genetische Mutation nicht zufällig erfolgen, sondern als direktes Resultat der Interaktion aus Erbe und Umwelt.

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Jetzt hat ein Forscher*innenteam um Dominic Wright von der schwedischen Universität Linköping einer Veröffentlichung im Fachblatt Nature Ecology & Evolution zufolge erste Antworten auf diese Fragen parat: Neben genetischen Veränderungen trieben den Wandel vom Wildhuhn zum Haushuhn offenbar auch epigenetische Anpassungen voran. Diese betreffen biochemische Anhängsel an die DNA oder benachbarte Proteine, die den genetischen Text zwar unberührt lassen, aber die Art und Häufigkeit verändern können, mit der die Gene abgelesen werden. Die Epigenetik wird deshalb auch als Neben- oder Zusatzgenetik bezeichnet.

Der maßgebliche Unterschied zwischen genetischem und epigenetischem Code

„Irgendwie ließ sich ein Schaf leichter zähmen als ein Hirsch, und ich wäre nicht überrascht, wenn das mit der Epigenetik zu tun hatte.“ (Per Jensen)

Haushühner wiegen mehr und sind viel weniger ängstlich als Wildhühner

Fünf Hähne und Hühner stehen nebeneinander vor blauem Hintergrund
Das heutige Haushuhn hat einige tausend Jahre Domestikation hinter sich.

Auch Gene bestimmen, wo epigenetische Markierungen sitzen

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Dr. Peter Spork

Dr. Peter Spork

Seit 30 Jahren freier Wissenschaftsjournalist, Vortragsredner und Sachbuchautor, darunter der Spiegel-Bestseller Gesundheit ist kein Zufall und Der zweite Code. Sein aktuelles Buch Die Vermessung des Lebens ist das erste populärwissenschaftliche deutsche Sachbuch zur Systembiologie.


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