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Forscher können erstmals ermitteln, ob Menschen einen Zwilling hatten

Gab es mich doppelt? Wohl mehr als jede zehnte Schwangerschaft beginnt mit Mehrlingen. Auf die Welt kommt aber meist nur ein Kind. Neuer Epigenetik-Test löst jetzt die ersten Rätsel um das Vanishing Twin Syndrome.

6 Minuten
Zwei fröhliche Jungen, die sich so ähnlich sehen, dass es eineiige Zwillinge sein dürften, lächeln in die Kamera.

Forscher*innen aus Amsterdam entdeckten nebengenetische Muster, die alle eineiigen Zwillinge aufweisen, und nur sie. Zweieiigen Zwillingen und gewöhnlichen Menschen fehlen diese Markierungen. Die Beobachtung könnte helfen, das Rätsel um die Entstehung der natürlichen Klone zu lösen. Und sie dürfte Menschen in Zukunft verraten, ob sie einen Zwilling verloren haben oder nicht.

Knapp jede fünfzigste Geburt ist besonders. Die Mutter bringt mehr als ein Kind zur Welt. Meist sind das zweieiige Zwillinge, die aus unabhängig voneinander befruchteten Eizellen entstanden und sich deshalb genetisch ähneln wie gewöhnliche Geschwister. Einige Geburten – insgesamt etwas weniger als vier von tausend – sind aber richtig außergewöhnlich. Bei ihnen haben sich die Zwillinge aus einer einzigen befruchteten Eizelle heraus entwickelt, die sich vor der Einnistung in die Gebärmutter geteilt hatte und zu zwei Embryonen geworden ist.

Solche eineiigen Zwillinge sind natürliche Klone. Sie sind genetisch nahezu identisch und ähneln sich deshalb fast immer „wie ein Ei dem anderen“. Doch obwohl das Phänomen so alt ist wie die Menschheit selbst und die Wissenschaft schon viele seiner Geheimnisse aufgedeckt hat, stellen sich der Zwillingsforschung noch immer Fragen.

Zwölf Prozent aller Schwangerschaften beginnen mit Zwillingen

Der zweite genetische Code

Grafische Darstellung einer methylierten DNA
Hintergrund-Info Epigenetik: Die Epigenetik erforscht Strukturen auf- oder neben den Genen, die Zellen weitervererben, ohne dass sich der Text des Erbgutmoleküls DNA selbst wandelt. Die bekannteste epigenetische Struktur sind an die DNA angelagerte Methylgruppen, CH-3 (siehe die abgebildete Grafik, die gleichzeitig auch das Symbolbild der Koralle Erbe&Umwelt ist). Mit Hilfe dieser DNA-Methylierung wird in aller Regel das Ablesen eines Gens erschwert oder verhindert. Als zweites wichtiges epigenetisches System gilt der so genannte Histon-Code: Dabei verändert die Zelle durch viele verschiedene Arten von Anhängseln die Struktur der Histonproteine. Um diese Proteine ist die DNA in regelmäßigen Abständen aufgewickelt. Ändern sie ihre Eigenschaften, ändert sich auch die Fähigkeit der Zelle, die benachbarten Gene zu aktivieren. Epigenetische Strukturen sind also wie Schalter oder Dimmer, die Teile des Erbguts aktivierbarer machen und andere mehr oder weniger ruhig stellen. Sie helfen Organismen, vergleichsweise kurzfristig mit bleibenden Veränderungen auf neue Anforderungen aus der Umwelt und des Lebensstils – Ernährung, Stress, Bewegung, soziale Kontakte – zu reagieren.

Worin sich eineiige Zwillinge unterscheiden

Das Zwillings-Epigenom

Die Entstehung von Zwillingen rekonstruieren

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Peter Spork

Peter Spork

Promovierter Biologe und seit 30 Jahren freier Wissenschaftsjournalist, Vortragsredner und Sachbuchautor, darunter die Spiegel-Bestseller Gesundheit ist kein Zufall und Der zweite Code. Sein aktuelles Buch Die Vermessung des Lebensist das erste populärwissenschaftliche deutsche Sachbuch zur Systembiologie.


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